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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-05-08 · 19 (8.5.1896) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
19 (8.5.1896)
Date
1896-05-08
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 333 zu beweisen nöthig haben, wo auch Christen sie beweisen müssen. Wir befehlen daher Unfern sämmtlichen Krieges und Domainen-Kammern, Landes Justiz - Collegiis und Unter- Gerichten, ingleichen den Land- und Steuer-Räthen, wie auch den Magistraten, hierdurch in Gnaden, sich nach dem Inhalt dieses General-Schutz und Handlnngs Privilegii gebührend zu achten, den Lion Wolff und Michael Lewin Bamberger, nebst ihren Kindern und Nachkommen, männlichen und weiblichen Geschlechts, desgleichen ihr Geschwister, bey allen hierdurch verliehenen Rechten und Freyheiten, durchgängig zu schützen, auch selbige so wenig hierunter, als in ihrer Religion und jüdischen Gebräuchen zu keiner Zeit oder auf irgend eine Weise beeinträchtigen zu lassen. Urkundlich haben Wir dieses Privilegium höchst eigenhändig unterschrieben und mit Unfern Königl. Jnsiegel bedrukken lassen. So geschehen und Gegeben zu Berlin den. General-Schutz- und Handlungs- Privilegium für denPolicei-Jnspector Lion Wolff und seinen Socium Michael Lewin Bromberger. Die Uebereinstimmung vorstehender Abschrift mit dem in den Acten der Schlesischen Ministerial-Registratur (Pars XV No. 3. vol. 4) befindlichen Concept bescheinigt - Breslau den 3. November 1884. Grünhagen, Staatsarchivar. Das Ghctto in 1t;. Von Elsa von Schabelsky. (Schluß.) (Nachdruck verboten.) Die Häuser wohlhabender Juden sind genau wie die arabischen eingerichtet. Nur die Küche unterscheidet sich vorteilhaft von den leeren Räumen, die in echten Araber-Häusern diesen Namen führen. Bei Herrn David gabs einen wirklichen Herd mit wirklichem Küchengeschirr nach europäischer Art. Es war sogar ein reizendes Bild, als die vielen schönen, jungen Frauen in ihren Prachtgewändern sich geschäftig um diesen Herd tummelten. Namentlich die kleine Schwiegertochter sah aus wie eine Puppe. Es war ein ganz junges Mädchen von kaum 10 Jahren. Die Jllden von Marokko verheiraten ihre Kinder oft unglaublich früh. Die Neuvermählten spielen erst ein paar Jahre zusammen, bis sie wirklich zur Ehe reif werden. Aber solche kleine Damen tragen reiche Frauengewänder und unter den Perlfranzen ihrer Goldkäppchen sieht man die schwarze Seide der Perrücken, die jede jüdische Frau nach der Vermählung bekommt. Das Abrasieren der Haare der verheirateten Frau ist ein Religionsgesetz. All' die schönen schwarzen Zöpfe, die ich bei den Damen bewundert habe, als sie ihre Schleier ablegten, sind falsch und aus Seide gemacht. Nur in den bereits zivilisierten Städten begnügt man sich mit dem Abschneiden der Vorderhaare. Leider durfte ich nicht lange bei der gastlichen Familie weilen. Es dunkelte bereits und die Straßen des Mellah wurden menschenleer. Wir mußten uns beeilen, um rechtzeitig noch zurückzukehren, da die Thore der Judenstadt um acht Uhr abends geschlossen werden. Die gesamte Familie meines Wirtes wollte mich begleiten. Es war ein köstlicher Spaziergang — oder richtiger Spazierritt — unter dem tiefdunkeln Himmel des Südens. Von einer Beleuchtung weiß man in Fez so gut wie gar nichts. Mit Mühe nur fanden wir unfern Weg durch die ewig sich gleichbleibenden Gäßchen. An den Thoren des Mellah verabschiedeten sich unsere Begleiter auf die herzlichste Weise. „Auf Wiedersehen!" — klangs von den rosigen Lippen der Frauen in sechs verschiedenen Sprachen. „Gott gebe Ihnen eine glückliche Reise und eine gesunde Rückkehr in die Heimat! — Und vergessen Sie die Freunde in Fez nicht. — Auf Wiedersehen!" . . . Mein Besuch im Mellah bestätigte das, was ich gleich bei den ersten Schritten in Tanger merkte: die Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit der Juden in Marokko. Unsere Antisemiten möchte ich auf drei Wochen hierher schicken, — sie würden als enragierteste Judenfreunde zurückkehren. Ohne Juden kann hier ein Europäer nicht über die Straße gehen. Sie sind die einzig möglichen Vermittler zwischen Christen und Muselmännern und bilden das lebhafteste, klügste und bildungsfähigste Element der marokkanischen Bevölkerung. Die Mauren wissen das so gut, daß sie ihren Juden unter Todesstrafe das Auswandern verbieten. Natürlich hindert sie das nicht im geringsten, die Aermsten zu verachten, in dem engen Mellah einzusperren, sie auszuplündern und von Zeit zu Zeit auch totzuschlagen, aber das machen sie auch schließlich mit den Christen nicht anders. Auf den Straßen von Fez haben wir mehr als einmal sehen müssen, wie Kinder — zuweilen auch Erwachsene — bei unserem Anblick sich verächtlich abwandten und uns drohend die Fäuste zeigten oder vor uns ausspuckten. Ten Muselmännern gelten eben „Nazarener/Juden und Hunde" so ziemlich für gleichwertige, — richtiger gleich unwürdige Begriffe, nur daß die Juden die nützlichsten von diesen drei Tiergattungen bleiben. Gegen Europäer sind die marokkanischen Juden die Zuvorkommenheit selbst. Sie ergreifen mit der größten Freude jede Gelegenheit, ihnen zu dienen oder zu nützen, selbst da, wo sie keinen Lohn, keinen Vorteil davon erwarten können. Ihre Ehrlichkeit ist sprichwörtlich. Ein Maure macht sich gar kein Gewissen, einen „Fremden" zu betrügen und zu bestehlen; das gilt ihm sogar als eine edle, verdienstvolle That, und wenn der bestohlene „Nazarener" ein bischen totgeschlagen wird — nun, dann umso besser. Um keinen Preis der Welt wird der Mörder eines Christen ausgeliefert. Was die Lügenhaftigkeit des Arabers betrifft, so ist sie geradezu phänomenal, lieber die einfachsten Dinge wird er nie die Wahrheit sagen. Mag man nach dem Weg fragen oder einfach nach seinem Namen, er wird wenigstens versuchen, dem Fremden etwas vorzuschwindeln. Geschieht das aus Verachtung für die Christen, aus dem Wunsch, die Fremden abzuschrecken, oder aus instinktiver Abneigung, „der andern Rasse" etwas von seiner wahren Seele zu verraten? Gleichviel, die Thatsache ist so bekannt, daß mich die arabischen Frauen lachend davor warnten. Man kann sich nun leicht denken, daß die Europäer unter solchen Umständen ohne die Juden buchstäblich verraten und verkauft wären. Alle Führer, Dra-

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