Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 18 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 323 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 323. Nr. 18. Inschrift auf das Nord-Palästina und ist ungefähr nm das Jahr 1200 vor d. übl. Z. versaßt worden. Diese Nachricht ist nm so wichtiger, als sie die erste, völlig authentische und unanfechtbare Erwähnung der Juden in den egyptischen Denkmälern vorstellt. Die große Steintafel, welche diese Inschrift enthält, hat ihren Platz im Museum von Kairo gefunden, wo sie eines der wichtigsten egyptischen Dokumente zur Geschichte der Bibel vorstellt. — Die jewish Colonisation Association beabsichtigt, ihren Wirkungskreis zu erweitern, und hat in ihre Statuten einen neuen Paragraphen ausgenommen, welcher besagt, daß sie auch für andere Zwecke als die Gesellschaft bisher verfolgte (Ansiedelung russischer Inden in Argentinien) Geschenke und Legate entgegennehme. Die betreffenden. Fonds werden nach den Bestimmungen der Spender verwandt iverden, dürfen aber nur für philanthropische Zwecke zu Gunsten jüdischer Gemeinden oder einzelner Inden in Europa oder Amerika bestimmt sein. X Petersburg, 23. April. Ein ehemaliger armer Rabbinatskandidat ist gegenwärtig Hauptingenienr an der sibirischen Eisenbahn und leitet die Arbeiten dieses Schienenstranges, welcher Asien mit Europa verbinden soll. Der Name dieses bemerkenswerten Autodidakten ist I. B. Günzburg. Y. Petersburg, 21. April. Aus den Kolonien in Argentinien werden dem „Woschod" nicht sonderlich befriedigende Berichte gesandt. Die Kolonisten sind unzufrieden und die Administration versucht einen Truck auf die Unzufriedenen auszuüben, indem sie den Kolonisten Subsidien entzog, doch das goß noch mehr Oel ins Feuer. Die aus Rußland eingewanderten Kolonisten wenden sich an einflußreiche Persouen in der verlassenen Heimat mit der Bitte um Hilfe resp. um Verwendung bei der russischen Regierung behufs Gewährung der Erlaubnis zur Rückkehr. 8t. New-Pork, 10. April. Die Predigt in Amerika hat, das ist auch drüben bekannt, eine sonderbare Gestalt angenonunen. Weil ihnen Tagesfragen geläustger sind als Religionsfragen, giebt es für die Verkünder des Gotteswortes keine Frage, die sie der Behandlung auf den Brettern, die eine Kanzel bedeuten, für unwert hielten. Im Tempel Emanuel hielt vor ein paar Tagen Dr. Silverman eine Predigt, deren Ankündigung eine frappante Aehnlichkeit hatte mit den Anzeigen berüchtigter Schmieren-Theater. Das Thema lautete nämlich: „Haben wir noch eine Religion?" oder: „Prediger und Plagiatentnm." Dieses Thema hat eine kleine Vorgeschichte. Ein' evangelischer Geistlicher, Rev. Dr. Morgan, hielt am christlichen Osterfeiertage eine Predigt, die er - diese Krankheit soll international und interkonfessionell sein! — der Homiliensammlung seines gleichfalls christlichen Kollegen Dr. Putnam entlehnt hat. Ein dritter christlicher Geistlicher, Dr. Lee, hat freunduachbarlich und kollegialisch die Sache an die Oeffentlichkeit gebracht. Tie Angelegenheit wurde viel besprochen, und weil sie viel besprochen wurde, gehörte sie auf die Kanzel — der Emanuel - Gemeinde. Rabbi Silverman nahm sich des Pfarrers Morgan liebreich an und donnerte wider den „geistlichen Detektiven", den Kanzelspitzel Lee mit den Worten eines gewissen Propheten Jesajas. Pfarrer Lee war natürlich nicht anwesend, aber der Senior - Rabbi der Gemeinde Dr. Gottheil war da und hörte aufmerksam zu. Als Dr. Silverman den Namen Dr. Morgans nannte, rückte der an dem Althergebrachten noch hangende greise Prediger unruhig auf seinem Stuhle hin und her. Als dann aber Dr. Silverman gar versuchte, Dr. Morgan zu entschuldigen, da hatte die Geduld des greisen Herrn ein Ende. Er wurde kreidebleich, erhob sich von seinem Sitz und verließ raschen Schrittes den Tempel. Nach dem Gottesdienste kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen den beiden Predigern, deren Folgen unabsehbar sind. Wir möchten Herrn Dr. Silverman raten, seinem Freunde Morgan, nachzuahmen, d. h. lieber gute Reden zu entlehnen, als minder gute zu schreiben. Dann wäre beiden geholfen: dem Hirten und der Herde. _ * Aus de» Gemeinden. Vakanzen: Freienwalde i. P. Los. oder zum 10. 6. Rl. K. Sch. Fix. 700, Nbk. über 600 Mk. u. fr. Wohn. Reisek. 15 Mk. Meld. an Marcus Dobrin. — Hillesheim (Rheinheff.). Sos. unverheir. Rl. K. Fix. 600 Mk., fr. Wohn, und Heiz. Meld an Moritz Hirsch. — Königsberg (N.-M.). Bald. Rl. K. Sch. Fix. 1200 Mk., für Schacharis am n"8 120 Mk. und Nbk. — Frankfurt (Oder). Bald. od. 1. 7. fem. u. musik. geb. 2. Kaut. Fix. vorl. 1800 Mk. Reisek. d. Gew. — Dt. Ey lau. Zum 1. ~10. gepr. Rl. K. Sch. Fix. 1000, Nbk. 600 Mk. Reisek. d. Gew. Meld. an I. Grünbaum. — Meschede (Wests.). Sof. unverh. Rl. K.. Fix. 800 Mk. u. fr. Wohn. Meld. an M. Neuhoff. — Cz arnik aü. Sof. Gern.-Diener, der auch K. u. Sch. ist. Fix. 1000, Nbk. 200 Mk. u. fr. Wohn. Aus dem Leserkreise. * Deutsche Lehrervcrsammlung Hamburg 1896. An die Kollegen im Deutschen Reiche! In der Pstngstwoche findet in unserem schönen Hamburg die deutsche Lehrerversammlung statt. Auch mancher jüdische Lehrer wird alsdann hier weilen, um sich in gemeinsamer Arbeit mit den übrigen Kollegen zu stärken zu neuem Wirken und Schaffen in Schule und Gemeinde. Es wird ihm auch Bedürfnis sein, sich mit seinen Spezialkollegen über Fragen zu unterhalten, die die jüdische Schule betreffen. Um den Kollegen Gelegenheit zu geben, sich kennen zu lernen und sich auszusprechen, hat der Verein „Mendelssohn" beschlossen, am Nachmittage des 26. Mai zur Zeit des osfizielleu Festmahls die Kollegen um sich zu sammeln. Jeder der zur Versammlung kommenden Kollegen ist dem Verein herzlich willkommen und wird gebeten, seine Teilnahme an dieser Zusammenkunft, sowie an dem sich anschließenden Mittagessen dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Mittel - schnllehrer Jos. Feiner in Hamburg, Griudelberg 5, bis spätestens 15. Mai zil melden. Mit kollegialem Gruße: Ter Vorstand des Lehrervereins „Mendelssohn." * „Litteratur"-Vereine. Sehr geehrter Herr Redakteur! Schreiber dieses gehört zu den Stillen im Lande und hat nicht das Bedürfnis, feinen Namen gedruckt zu lesen. Sie wollen es ihm daher nicht übel deuten, wenn er diese Zeilen an Sie anonym richtet*). *) Da wir die Handschrift des gelehrten Herrn Einsenders kennen, ist das Schreiben für uns nicht anonym, weshalb wir es zum Abdruck bringen. Red. '