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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-05-01 · 18 (1.5.1896) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 324 (sequence 16)
Language
German
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w j & t* : :L? 8 ■ & V .MM Seite 324. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 18. 41 : tl, ' 3 h- . ö - :|i Üi ■ n i«; "r: SII:. S | .: v „k ’t "i ■?! $ i \ r i| IS n ■ä&v i ßi:r- 4.. ir- . 'V'!«: u: r ■' i . 4 Was mir heute die Feder in die Hand drückt, sind einige Worte des Dankes und der Anerkennung für Herrn Dr. Bernfeld, die ich ihm bei genauer Kenntnis seiner Adresse auch direkt zugehen lassen würde. Da ich nun einmal den Umweg durch Ihre Redaktionsstube einschlage, so überlasse ich es Ihnen auch, ob Sie nicht ebenfalls auf dem Umwege durch die Spalten Ihres gesch. Blattes Herrn Dr. Bernseld von dem Inhalte nachstehender Ausführungen Kenntnis geben wollen. Mit seiner Kritik unserer „Litteratur"-Vereine hat Herr Dr. Bernfeld in ein Wespennest gestochen, aber er hat diesmal auch richtig ins Nest getroffen! Ich bitte ihn, sich durch das Geschrei einiger Nestlinge nicht irre machen zu lassen. Schon vor 15 Jahren besuchte ich an den Winterabenden jüdische Vorträge und Vorlesungen. Aber wie tief ist seitdem ihr Niveau gesunken! Die Schuld trifft die Litteratur-Vereine oder wenigstens ihre Leiter. Sie leisten der After-Wissenschaft und den unsoliden Machern und Strebern Vorschub. Gewisse Redner, die sich in solchen Vereinen vernehmen lassen, und die mit ihrem auswendig gelernten, notdürftig zusammengeleimten Vorträgchen von Verein zu Verein wandern, diskreditieren die Wissenschaft des Judentums, diskreditieren das Judentum. Die Kritik des enttäuschten Publikums bleibt nicht aus, wird nirgends ausbleiben, und dann ist das Judentum um eine Chance ärmer, um die Chance, durch das Wort eines belehrenden Vortrags zu wirken. Da spricht man einem Indifferenten viel vom Judentum, von der jüdischen Litteratur und ihren Schätzen; es gelingt, sein Interesse zu gewinnen und ihn für den „Verein" oder den Vereinsabend zu „keilen". Er kommt und hört — wen? — was? Und das Ende? Er kommt nicht wieder, und weiß es jetzt sehr genau, wie er sagt, daß es mit dem Judentum, der jüdischen Litteratur nichts ist. Tie Sache ist diskreditiert! Aber auch hiervon abgesehen, ist das Unsolide, Unrechte, Oberflächliche, das sich in den jüdischen Litteratur-Vereinen breit macht, zu verpönen! Herr Dr. Bernfeld, der aus Anlaß des von Herrn Gallandt gehaltenen Vortrags über das Wesen oder Unwesen dieser Vereine das kritische Wort gesprochen, verdient den Dank aller, die sich von der Flachheit und dem Phrasentum oben gezeichneter Vorträge angewidert fühlen; er hat vielen aus der Seele gesprochen! Wenn die Herren, die in der vorletzt. Nummer Ihres gesch. Blattes sich gegen Herrn Dr. Bernfeld wenden, die Frage erörtern, ob das Urteil desselben über den Königsberger Vortrag gerecht und billig sei, so mißverstehen sie Tr. Bernfeld oder sie suchen von dem springenden Punkt abzulenken. Nicht darum dreht es sich, ob Herr Gallandt Manasse den Israel zutreffend charakterisiert hat oder nicht, sondern um die Oberflächlichkeit, sachliche Unkenntnis, die in solchen Vorträgen zutage tritt, und die durch die Litteratur-Vereine gewissermaßen großgezogen wird. Solche Vorträge schlagen allen Kennern der jüdischen Wissenschaft ins Gesicht und sprechen aller gediegenen und echten Wissenschaft Hohn! Frankfurt a. M., 19. April 1896. * Lindenbäume vor der Synagoge. Die Beantwortung in Sachen der Lindenbäume durch Dr. Achkanaze ist nicht richtig. Die allseitig anerkannte Ursache des Nichtpflanzens ist vielmehr npn. Es wurden von jeher Lindenbäume aus christlichen Kirchhöfen gepflanzt, die sämtlich an der Kirche lagen, so daß es kaum eine alte Kirche giebt, um welche nicht Lindenbäume stehen. Um eine Synagoge von einer Kirche zu unterscheiden, ist das Anpflanzen von Lindenbäumen neben einem jüdischen Gotteshause untersagt worden. (Liegt nicht das biblische Verbot: „Lo sitta lecha aschera“ näher? Red.) Rabb. I. Gugenheim, Saar-Union (Elsaß). * Verein israelitischer Lehrer von Rheinland und Westfalen. Einladung zur Jahreskonferenz — zugleich Generalversammlung der Unterstützungskasse — zu Elberfeld im großen Saale der Gesellschaft Parlament, Harmoniestr. am 24. und 25. Mai d. I. (Erster Sitzungstag nachmittags 2l/2 Uhr.) Tagesordnung: 1. Kassenbericht. (Ref. der Vorsitzende.) 2. Aenderung der Statuten. 3. Vortrag: Anwendung der wissenschaftlichen Pädagogik auf den israelitischen Religionsunterricht. (Res. Hauptlehrer Andorn-Crefeld.) 4. Bericht über den gegründeten Verband der jüdischen Lehrervereine. (Res. Prediger Liepmannsohn-Minden.) 5. Nachwahl eines stellvertretenden Vorstandsmitgliedes. 6. Bericht der Kommission zur Herbeiführung einer gesicherteren Stellung der jüdischen Lehrer. (Ref. Hauptlehrer Laubheim-Bochum.) 7. Freie Besprechungen. Am Abend des 1. Konserenztages findet ein gemeinschaftliches Essen, zu ll/2 Mk. das Gedeck, statt. Anmeldungen hierzu sind bis zum 20. Mai an den Herrn Kollegen Wetzstein in Elberfeld zu richten. Auch für preiswürdiges Logis wird gesorgt. — Zu dieser Konferenz sind auch Nichtmitglieder, überhaupt alle Freunde unseres Vereins und seiner Bestrebungen willkommen. Essen, 17. April 1896. _ m .. . Der Vorstand des Vereins israel. Lehrer von Rheinland u. Westfalen. Graf, Vorsitzender. * Schulchan-Aruch-Uebersetzung. Sehr geehrter Herr Redakteur! In der Magdeburger Zeitung lese ich folgende Annonce: Schulchan Aruch, übersetzt von X. C. F. Löwe, Verlag der Mechitaristen-Druckerei Wien VII, Mechitaristen- Gasse 4. In Wien, der Hochburg des österreichischen Antisemitismus, der dort vom Klerikalismus gehegt und gepflegt wird, im Beichtstuhl sowohl wie auf der Kanzel, ist eine Uebersetzung des Schulchan Aruch jedenfalls eine Erscheinung, die der größten Aufmerksamkeit bedarf. Wenn ich auch gerne zugebe, daß manche Besprechungen in der Presse nur dazu geführt haben, Reklame für den Antisemitismus zu machen, so glaube ich, daß dieses für diesen Fall nicht zutreffen dürfte und frage ich, wie es unlängst in Ihrem Leitartikel hieß: Wer ist der Mann für diesen Platz, der von wissenschaftlichem und publizistischem Standpunkte aus, in der Lage ist, die Wahrheitstreue dieser Uebersetzung zu prüfen und vielleicht in Ihrem gesch. Blatte darüber zu berichten, bevor erst antisemitische Schreihälse eventuell die Wahrheit auf den Kopf stellende Uebersetzungskunststücke in die Welt hinausposaunen, und in Parlamenten diesbezügliche Anträge stellen, ohne sich vorher persönlich erst von der Wahrheit und wissenschaftlichen Berechtigung ihrer Behauptungen zu überzeugen (wie dieses Letztere der Fall Paasch contra v. Langen zu lehren scheint). Prediger Popper, Mühlhausen (Thüringen). ■■4 Verantwortlicher Redakteur: A. Levtn, Berlin. — Verlag: Siegfried Lronbach, Berlin W. 67. — Druck: Arthur Scholein, Berlin L., Rotzstr. 8.

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