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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-05-01 · 18 (1.5.1896) · p. Seite 321

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 321 (sequence 13)
Language
German
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Nr, IR Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 321. samkeit in Frankfurt geworden, und gelobte, seine Kraft dem Dienste der Gemeinde zu weihen, solange es einer höheren Macht gefallen werde. Mit einem zweiten Chorgesange schloß die stimmungsvolle Feier. J. Sprottau, 24. April. Ans dem hiesigen jüdischen Friedhofe befindet sich ein verfallenes Grab, das die Ueberreste eines jüdischen Helden ans den Befreiungskriegen 1813—1815 birgt und der es wohl verdient, in diesem geschätzten Blatte genannt zu werden. Die schon verwitterte Inschrift auf dem Grabdenkmal — sie soll nächstens erneuert werden — lautet wörtlich: „Hier ruhet David Salomonus der Familie Samuel in Glogau, Unteroffizier im 10. Schles. Regiment, machte die Feldzüge von 1813—1815 mit, erwarb sich in der Schlacht bei Leipzig durch seinen Mut und Tapferkeit das eiserne Kreuz und starb den 15. Juli 1855." X Hannover, 24. April. Ter neuste Sport, der Antisemitismus, gedeiht bekanntlich ans den akademischen Hochschulen in üppiger Weise. Als aber neulich zwei arische Jünglinge auf der hiesigen technischen Hochschule ihrer antisemitischen Gesinnung gegenüber zwei jüdischen Kommilitonen gar zu offen Ausdruck verliehen, wurden sie von diesen gefordert und auf den Mensuren von den Juden in jämmerlicher Weise verhauen. Vielleicht stellen die armen „Urteutonen" ails diesem Anlaß demnächst auch hier den Antrag, die Inden für satisfaktionsnnfähig zu erklären. -s- Hamburg, 24. April. Das Kuratorium der Tr. Moriz Rappaport-Stistung in Wien hat den Preis für die beste Schrift über den Einfluß Spinozas auf deutsche Dichter und Denker einer Arbeit zuerkannt, welche die Preisrichter einstimmig als des Preises würdig anerkannten. Verfasser der Arbeit ist, wie sich nach Eröffnung des Kouverts zeigte, Herr Tr. Mar Grnnwald, Prediger an der hiesigen Synagoge vordem Tammthor. © Köln, 24. April. Die vorläufigen Angaben der Volkszählung, laut welchen hier 260649 Katholiken, 52 326 Evangelische und 6859 Juden wohnen sollten, haben sich besonders in Bezug auf die letzteren als irrig erwiesen, denn nach den jetzigen genauesten Angaben leben in Köln neben 260 635 Katholiken und 52 321 Evangelischen 7950 Juden. .a Frankfurt a. M., 27. April. Die Snppenanstalt fürisraelitische Arme (Theobaldstraße 1) versendet ihren 16. Jahresbericht. Sie verabreichte 1894 95 znsaminen 45237 Portionen; versuchsweise wurden arme Kinder auch des nachmittags mit einer- Taffe Milch oder Kaffee, je nach dem Alter, und einem Stück Brot versehen. Die Mitgliederbeiträge belaufen sich ans rund 6500 Mk., die Geschenke ans ebensoviel. Indes überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um 2000 Mk. X Bad Nauheim, 26. April. Tie hier bestehende israelitische Kinderheilstätte verpflegte vom 5. Mai bis 18. September 1895 27 Knaben und 25 Mädchen. Sie erhielten in 1294 Verpflegnngstagen 983 Bäder. Die Heilerfolge waren fast ausnahnrslos günstig. Der Bau eines eigenen Hospitals ist der Verwirklichung nahe. X München, 24. April, lieber die Wohlthätigkeitspslege der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde spricht sich ein soeben erschienener Bericht aus. Nach demselben betragen die Einnahmen der Wohlthätigkeitskaffe 8985,23 Mk., die Ausgaben 5779,00 Mk., der Aktivrest 3206,22 Mk. Es folgt das Verzeichnis der direkt eingegangenen Spenden für die gemeindliche Wohlthätigkeitskaffe im Jahre 1895 mit 1851,12 Mk., und sodann der Rechenschaftsbericht der israelitischen Waisenstiftung mit 12 569,66 Mk. Einnahmen und 5986,57 M. Ausgaben, also einem Aktivrest von 6583,09 Mk., welcher dem Stammsond einverleibt wurde, der am Schluffe des abgelaufenen Jahres 264143,50 Mk. betrug. £ Zaberu, 26. April. Am 22. d. M. starb hier der allgemein geachtete und beliebte frühere Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, Azerr Dreysuß, im 83. Lebensjahr. Er hatte sich erst vor wenigen Wochen vom Amte zurückgezogen. Der Verstorbene hat fast ein halbes Jahrhundert hier gewirkt und war in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen hochgeehrt. Ein ganz seltenes Familienglück wurde dem Dahingeschiedenen zuteil. Er durste es erleben, daß sein Sohn zum Großrabbiner von Paris berufen wurde, während sein Schwiegersohn das Amt eines Rabbiners der portugiesischen Gemeinde in Paris bekleidet. Unter den vielen Trauerreden, die vorgestern im Hause, in der Synagoge und am offenen Grabe gehalten wurden, sei besonders die des Oberrabbiners Weil aus Straßburg erwähnt. Herr Dreysuß war geboren in Osthofen, besuchte die Rabbinatsschule in Metz, versah dann mehrere Lehrerstellen, bis er dann hier das Rabbineramt übernahm. Bei seinem 50jährigen Dienstjubiläum erhielt erden Kronenorden 4. Klaffe, bei seinem Rücktritt wurde ihm der Rote Adlerorden 4. Klaffe verliehen. m. Königsdorff-Jastrzemb, 27. April. Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete israelitische Kinderheilstätte sott nunmehr zum siebenten Male am 20. Mai d. I. eröffnet werden. Diese Anstalt, die bereits für viele kranke Kinder eine Quelle des Segens geworden, zeichnet sich besonders durch ihre hervorragende Gemeinnützigkeit aus. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zuteil werden, indem sie dieselben ganz unentgeltlich ausnimmt, ihre Segnungen erstrecken sich auch ans mehr oder weniger bemittelte Kinder, die gegen einen je nach den Verhältnissen bemessenen Satz Aufnahme finden. — Das humane Werk wird durch milde Beiträge erhalten und ist der Unterstützung edler Menschenfreunde würdig. — Nähere Auskunft ist der Vorsitzende der Anstalt Herr- Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz zu erteilen gern bereit. Q> Glogau, 24. April. Gestern fand zur Feier des hundertjährigen Bestehens des Vereins Haspokas Awelim (Tröstung der Trauernden) in der hiesigen Synagoge ein Festgottesdienst statt. Die Beteiligung seitens der Gemeindemitglieder war eine äußerst rege und die Festrede des Gemeinderabbiners Herrn Dr. Rippner (über Altjüdische Armenpflege) ungemein lehrreich. Der Verein übergiebt jeder Familie der hiesigen jüdischen Gemeinde bei einem eingetretenen Todesfall eine bestimmte Summe und eine verschlossene Büchse und überläßt es den Betreffenden, die Summe zu nehmen oder sie wieder in die Büchse zurückzulegen, so daß es vollständig unbekannt bleibt, ob die Spende zu eigenem Gebrauch benutzt worden ist oder nicht. — Man könnte wohl den Wunsch hegen, daß

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