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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-05-01 · 18 (1.5.1896) · p. Seite 320

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 320 (sequence 12)
Language
German
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Seite 320. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 18. * Erster Hader. Kain und Abel teilten unter sich die Erde, ersterer nahm alle liegende, letzterer die bewegliche Habe. Da verfolgte Kain seinen Bruder und wo dieser wandelte, verjagte ihn jener, denn er wollte ihm keinen Fußbreit Boden gönnen und zuletzt erschlug er ihn. Darum war auch seine Strafe so gerecht: unstät und flüchtig mußte er herumirren und keine Scholle war mehr sein eigen. (Midrasch Rabba.) * Unsere Sachverständigen. Ein Rabbinatskandidat hält eine Probepredigt vor versammelter Gemeinde nebst ihrer Vertretung und spricht gelehrt und philosophisch. Auf dem Wege aus der Synagoge wird ein Gemeindevertreter von einem Freunde, der das Gotteshaus nicht hatte besuchen können, gefragt, wie der Kandidat gepredigt habe. „Sehr schön, sehr fein." — „„Wovon hat er denn gesprochen?"" — „Wer verstehts?" erwidert der Kritiker. EMainine und Anderes. Von Wilhelm Ruhemann. Edelsinn. Wer Feindes Wert stets neidlos ehrt. Ist wert, daß man ihn selber ehrt! * * * Vanus. Vanus giebt mit vollen Händen, Rühmt man ihn und seine Spenden; Ob er sich auch edel zeigt, Wenn den Namen man verschweigt? * * f * Auf einen Geizhals. Der alte Knicker gab mir eine Lehre heute: „Die Kunst, ganz sicher und unfehlbar reich zu werden!" Er gab? Dann ist er zweifellos des Wahnsinns Beute! Er gab? Es naht sein Ende sicher nun auf Erden! Hier und dort. n. Berlin, 19. April. Der hiesige Brüder - Ver ein zu gegenseitiger Unterstützung, der sich seit nunmehr 82 Jahren der Ausübung wahrer Humanität widmet und in der Bethätigung echter Bruderliebe an hervorragender Stelle steht, hielt am 21. März seine diesjährige ordentliche General-Versammlung ab. Trotz der im vergangenen Jahre an seine bedürftigen Mitglieder gezahlten Unterstützungen in der ansehnlichen Höhe von ca. 43,000 Mark, war dennoch der Vorstand angesichts der günstigen finanziellen Situation des Vereins in der Lage der General-Versammlung einen Antrag zu unterbreiten, der eine Erweiterung seiner segerrsreichen Wirksamkeit bezweckt. Nach den Satzungen war es nämlich dem Verein bisher nur möglich, solchen Hinterbliebenen Kindern verstorbener Mitglieder seine Fürsorge angedeihen zu lassen, welche das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten. Jetzt nun sollen aus einen vom Vorstande gestellten, von der Generalversammlung einstimmig angenommenen Antrag die Statuten dahin ergänzt werden, daß auch Kindern verstorbener Mitglieder, welche das 18. Lebensjahr bereits überschritten haben, zu ihrem ferneren Fortkommen ansehnliche Unterstützungen gewährt werden können. Zu diesem Zweck soll aus dem Vermögens-Bestände des Vereins zunächst ein Fond in Höhe von 20 000 Mark zur Verfügung gestellt und alsdann diesem Fond alljährlich ein Betrag von 3000 Mark hinzngefügt werden. Hiermit ist der schönsten und edelsten Tugend, der Humanität, wiederum ein weites Feld eröffnet zur Ehre des Vereins und zum Segen seiner Mitglieder. S» Berlin, 27. April. Tie Vertretung der orthod. Separatgemeinde Adaß Jisroel hat im Einverständnisse mit Herrn Rabbiner Dr. I. Hildesheimer beschlossen, Herrn Dr. Ed. Biberfeld mit dem Amte eines Rabbinats-Assessors zu betrauen, dessen Aufgabe vorwiegend darin bestehen wird, sämtliche rituellen Institutionen zu beaufsichtigen und zu leiten, sowie religionsgesetzliche Anfragen in Vertretung des Rabbiners zu entscheiden. * Berlin, 28. April. Das jüdische Mädchenstift, in der Münzstraße 25, das nunmehr seit 6 Jahren besteht, hat die gefährliche Periode der Kinderkrankheiten — denn auch Vereine haben solche Lebensalterskrankheiten durchzumachen — glücklich hinter sich. Mit sechs Zöglingen wurde die Anstalt eröffnet, jetzr werden fünfzehn und zwar unentgeltlich dort für ihren zukünftigen Berus, für die Hauswirtschaft ausgebildet. Tie Unterrichtsgegenstände erstrecken sich auf Wirtschaftskunde, Küche, Haushalt, aber auch für die geistige Ausbildung ist genügend gesorgt. Mit dem Stift ist ein billiger Mittagstisch für Frauen und Mädchen verbunden. Bis jetzt konnten sechszehn Zöglinge in verschiedenen Stellungen untergebracht werden. Aus dem soeben veröffentlichten Jahresbericht ergiebt sich, daß die Zahl der Mitglieder 450, die Jahresbeiträge 4733 Mark und das Gesamtvermögen 21,348 Mark beträgt. Im Hinblick auf den guten Zweck, dem dieses Mädchenstift dient, wäre eine regere Beteiligung und erhöhte Zuwendungen besonders erwünscht. bl. Frankfurt a. O., 20. April. Eine erhebende Feier fand gestern im geschmackvoll dekorierten, von Zuhörern überfüllten Sitzungssaale der hiesigen Gemeinde statt. Es galt, aus Anlaß seiner 25jährigen Amtsthätigkeit Herrn Kantor Abraham eine Ehrung seitens der Gemeinde zuteil werden zu lassen. Nach einem Chorgesang und einem von einer jungen Dame gesprochenen Prologe hielt der Vorstandsvorsitzende, Herr Ad. Levin, eine Ansprache, in welcher er den Jubilar als Sänger und Lehrer, als Menschen und Bürger feierte. Nach hm sprach Rabb. Dr. Blumenthal in warmen Worten zu den: Freunde und Amtsgenossen über die Leiden und Freuden jüdischer Kultusämter. Nicht immer sei die Thätigkeit in der Gemeinde von Dank und Anerkennung begleitet; es kämen neben den schönen Stunden fruchtbarer Thätigkeit auch solche, in denen Gefühle der Bitterkeit über menschliche Undankbarkeit und Unduldsamkeit in das Herz einzuziehen im Begriff sind. Da müsse das Bewußtsein, nach besten Kräften seine Pflicht gethan zu haben, solche Gefühle bannen und zurückdrängen. Hieraus folgten Ansprachen seitens ehemaliger und gegenwärtiger Schüler, folgte die Ueberreichung von Ehrengaben, von der Gemeinde und dem Verehrerkreise des Jubilars gestiftet. In seiner Erwiderung dankte Herr Abraham für all die Liebe, Anerkennung und Nachsicht, die nicht blos an seinem Ehrentage, sondern während seiner ganzen 25jährigen Wirk-

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