Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 17 (24.4.1896)
- Date
- 1896-04-24
- Page
- Seite 306 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ÜUB. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 17. eines neuen Mitgliedes trat man in die Beratung über die Gründung eines PovinzialVereins jüdischer Lehrer für Brandenburg ein. Der Vorsitzende, Herr Dr. Adler, referierte über die Absicht der jüdischen Lehrer Brandenburgs, einen Provinzialverein zu gründen, und legte die Motive dar, welche es dem Vorstande angezeigt erscheinen ließen, der Versammlung den korporativen Beitritt der Vereinigung zu einem zu gründenden Verein warm zu empfehlen. Nach längerer Debatte erfolgte die Annahme des vom Vorstand empfohlenen Antrages mit allen gegen eine Stimme. Nach Erledigung der Tagesordnung kam es zu einem Meinungsaustausch über die Opportunität der Gründung einer Tarlehuskasse, und der Vorsitzende wurde beauftragt, eine Diskussion über diese Frage ans die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen zu setzen. Schließlich wurde bestimmt, im Monat Juni eine wissenschaftliche Sitzung abzuhalten, welche sich mit dem Thema „Tie unterrichtliche Behandlung der Schöpfungsgeschichte" beschäftigen solle. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde Kollege Remack zum Referenten, Kollege Falkenberg zum Korreferenten über dieses Thema bestellt. Na^ Schluß der geschäftlichen Sitzung vereinigten sich noch dre meisten Mitglieder zu einem gemütlichen Beisammensein. S* Frankfurt a. C., 15. April. Auf Einladung eines von den Herren Rabb. Dr. Cohn-Potsdam, Bähr-Prenzlan, Blumenthal-Frankfurt a. O. gebildeten Komitees traten am 8. d. M. in Berlin die in der Provinz Brandenburg amtierenden Rabbiner (außer den drei Genannten noch die Herren Rabb. Dr. Ackermann - Brandenburg a. H., Elsaß - Landsberg a. W-, Hannes - Spandau, Rieger - Potsdam, Sandler- Schwedt a. C.) behufs Gründung eines Rabbinerverbandes der.Provinz Brandenburg zusammen. Herr Dr. Cohn-Potsdam begrüßte die Versammlung, dankte den Kollegen für ihr vollzähliges Erscheinen, legte in großen Zügen die Ziele dar, die der Verband anzuftreben habe, und wies auf den reichen Segen hin, der den einzelnen Kollegen und den Gemeinden der Provinz ans der zielbewußten Wirksamkeit des Verbandes erwachsen werde. Nachdem auf Vorschlag des Herrn Tr. Bähr- Prenzlau Herr Tr. Cohn zum Vorsitzenden und Herr Dr. Blnmenthal zum Schriftführer der konstituierenden Sitzung gewählt worden, trat die Versammlung zunächst in die Generaldiskussion über einen von Herrn Dr. Cohn vorgelegten Statutenentmurf ein: in derselben begrüßen fast alle Anwesenden den zu gründenden Verband als einen Sammelpunkt für sonst leicht zersplitterte Kräfte, als autoritative Vertretung religiöser Bestrebungen gegenüber den Gemeinde- und staatlichen Behörden, als Mittel zur Hebung des Standesbewußtseins und zur Förderung der Kollegialität. Einige formelle Aenderungen des Entwurfs wurden einer aus den Herren Bähr, Blumenthal und Elsaß bestehenden Redaktionskommission überwiesen, und nach einer 1 72 ftimbigeu Mittagspause nach deren Vorschlägen angenommen. Hierauf wurde Herr Tr. Cohn-Pots - dam zum Vorsitzenden, Herr Dr. Blumenthal-Franksurt a. O. zum Schriftführer und Herr Tr. Bähr-Prenzlan zum Kassierer des Verbandes gewählt. Zum Schlüsse erhoben sich die Anwesenden zu Ehren des Herrn Dr. Cohn, der trotz angegriffener Gesundheit die Verhandlungen geleitet hatte, von ihren Sitzen. So ist denn ein Rahmen für die gemeinsame Bethätigung edler Kräfte im Dienste des Judentums innerhalb der Gemeinden unserer Provinz geschaffen. Möge der Verband blühen, wachsen und gedeihen! Stettin, 20. April. Dem Israelitischen Frauenverein Hierselbst ist seitens des Ober - Präsidiums die Genehmigung zu einer Lotterie erteilt worden; es werden zum Teil wertvolle Kunst-, Wirtschafts- und Luxusgegenstände zur Verlosung kommen. Auf die zur Ausgabe gelangenden 12 000 Lose fallen über 1200 Gewinne, so daß mindestens jedes zehnte Los gewinnt. y, Halberstadt, 14. April. Vorgestern und gestern beging die hiesige Gemeinde das Fest des hundertjährigen Bestehens ihrer Gemeindeschule „Haschorat Zwi". Eingeleitet wurde die Feier durch einen Festgottesdienst in der prächtig ausgestatteten Synagoge. Außer den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und einer großen Zahl ehemaliger Schüler der Anstalt wohnten auch die Spitzen der städtischen Behörden und der Schuldeputation dem Gottesdienste bei. Am Nachmittag fand alsdann im großen Saale des „Stadtparks" eine stark besuchte Schulfeier statt. Im Namen der früheren Schüler überreichte Herr Moritz Joseph eine Festgabe von 7000 Mk. und im Aufträge der hiesigen Behrend-Lehmann-Loge deren Präsident Gabriel Hirsch eine kunstvoll ausgeführte Adresse. Ter zweite Teil der Feier bestand in Festaussührungen seitens der Schüler. Am Abend vereinigten sich gegen 150 Teilnehmer zu einem Festessen im kleineren Saale des Stadtparks, das gleichfalls einen sehr befriedigenden Verlauf nahm. Ten Trinkspruch aus den Kaiser brachte Herr B. Hirsch in patriotischen Worten aus. Ernste und heitere Reden und der Gesang froher Tasellieder würzten das reiche Festmahl, dem sich ein fröhliches Tanzvergnügen anschloß. Am heutigen Nachmittage erreichte das Fest mit einem Kindervergnügen im Stadtpark sein Ende. O Aus Westfalen, 19. April. Jy Dortmund, welches erst seit 1J/2 Jahren als Großstadt gerechnet wird, hat sich auch die israel. Einwohnerschaft durch Zuzug sehr vergrößert, so daß sich die Synagoge als zu klein erweist. Es soll nun eine neue gebaut werden, mit einem Kostenauswande von 300,000 Mk. Zur Erlangung geeigneter Baupläne sind verschiedene Preise ausgeschrieben. — Das neue „Westfälische Gebetbuch" von Rabb. Dr. Vogelstein in Stettin herausgegeben, hat hier nicht überall Anklang gesunden. Noch viele Gemeinden haben dasselbe nicht eingeführt, in anderen wiederum wurde es wieder abgeschafft; u. a. in Hamm, wo es nur kurze Zeit bestand, da es öfter am Minjan fehlte. ß Frankfurt a. M., 20. April. Tie „Achawa" (Unterstützungskasse für israelitische Lehrer, deren Witwen und Waisen) hat ihren Jahresbericht pro 1895 erscheinen lassen. Nach dem Berichte betrug die Zahl der aktiven Mitglieder am 31. Dezember vor. Js. 355 und die Zahl der Ehrenmitglieder 920. Zur Bestreitung außerordentlicher Unterstützungen wurde aus dem Reservefonds der Betrag von 2420 Mark verausgabt. An Jahres-Unterstützungen wurden 14630 Mark in 10472 Teilen zu je 140 Mark, au 82 Unterstützte — gegen 31415 Mark, in 1027* Teilen cm 79 Unterstützte im vorigen Jahre — verteilt. Das Vereinsvermögen beträgt nach Abzug der zur Verteilung kommenden Summe 212 059,65 Mark