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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · p. Seite 307

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
Seite 307 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 17. Allqcmeine Israelitische Wochenschrift. Seite R»7. gegen 204^55 Rkark im vorigen Jahre. Ter Vorstand besteht ans ben Herren: ftouful Adolph Baer-Goldschmidt, Vorsitzender, Philipp Schiff, stellvertretender Vorsitzender, Tr. Alfred Löhren, Schriftführer, Dr. Alfred Rosenthal, Kassierer, Julius Goldschmidt, Gegenschreiber sallesamt in Frankfurt a. Ai), 5i. Viarr, Lehrer in Alsheim, E. Gutkind, Lehrer in Kassel, Heinrich Frei, Lehrer in München. ® Köln, Jo. April. Eine wichtige Entscheidung teilt ein Mitglied des Lehrervereins für Rheinland-Westfalen dem Vorstände desselben mit. Zur Vorgeschichte der Verfügung diene folgendes: Dem Lehrer H. war durch Repräsentantenbeschlnß der Unterricht in den vereinigten Gemeinden F., R. und M. übertragen worden. Nachträglich zog die Gemeinde M. einseitig und ohne Einverständnis mit den anderen Verbandsgemeinden ihren Beschluß zurück und ernannte, ohne Rücksicht ans den, wenn auch nur mündlichen, für zwei Jahre geltenden Vertrag mit Herrn H., einen Kaufmann B. zum Lehrer ihrer Jugend. Ter Lehrer wandte sich wiederholt an die Gemeinde und beklagte sich schließlich beim Landrat. Von diesem erhielt er folgendes Schreiben: „Ans die mündliche Vorstellung benachrichtige ich Euer Wohlgeboren, daß der Vorsteher der israelitischen Spezialgemeinde in M . . darauf hingewiesen worden ist, daß die dortigen israelitischen schulpflichtigen Kinder den von Ihnen anberanmten Religionsunterricht zu besuchen haben. Von etwaigen Versäumnissen wollen Sie dem Herrn Bürgermeister von M. Anzeige behufs Bestrafung erstatten. Ter Lehrer B. in E. ist gleichfalls davon verständigt worden, daß er nicht berechtigt sei, den schulplanmäßigen Religionsunterricht zu erteilen. Bei Ansetzung der Unterrichtsstunden wird Ihrerseits den billigsten Wünschen der beteiligten Eltern nach Möglichkeit Rechnung zu tragen sein." <> Köln, 21. April. Ter soeben erschienene Rechenschaftsbericht des „Vereins des jüdischen Lehrerseminars" ist in der Lage in erster Reihe zahlreiche Stiftungen in der Gesamthöhe von Mk. 0700 zu verzeichnen. Ferner entnehmen wir dem Berichte folgende Taten: Das Seminar wird von 25 Zöglingen besucht, von denen im Laufe des Berichtjahres 8 mit dem Zeugnis der Reise entlassen wurden und ins Amt getreten sind. Tie Einnahmen und Ausgaben balanzieren mit Mk. 505s5,0J; der Vermögensstand stellte sich aus 192 100 Mk. Tie Betriebseinnahmen sind weiter zurückgegangen, so daß sich, wie bereits im Vorjahre, ein Fehlbetrag gegenüber den Betriebsausgaben von Mk. 10 l5,95 ergiebt. Möchte der Wunsch der Verwaltung, daß durch größere .Zuwendungen und Mehrung der Jahresbeiträge der durch die Ungunst der Feiten verursachte augenblickliche finanzielle Rückgang eingeholt und ausgeglichen werde, überall, wo für die Fiele der "Anstalt Verständnis herrscht, thalkräftige Erfüllung finden. 'A Königsberg i. Pr., 19. April. Im hiesigen Verein Waldeck hielt gestern Abend Direktor Tr. Krieger eine Gedächtnisrede auf zwei hier jüngst verstorbene Persönlichkeiten: auf den Chefredakteur der „Hartnngschen Zeitung", Ferdinand Michels, und den Kaufmann Bernhard Pfahl. Jener war Katholik, dieser Jude; beide waren hochgeehrt in den Kreisen aller Glaubensbekenntnisse, beide Bekämpser der gegen uns gerichteten Hetze. Ergreifend und erhebend zugleich war folgende Stelle der Gedächtnisrede: „ . . . Tags zuvor hatten wir Michels begraben. Ten einen trug man nach rechts, den andern nach links. Bei des einen Begräbnis erklangen die uralten Gesänge des jüdischen Ritus, an des andern Grab ertönte lateinischer Sang. Tenn den einen nannten die Leute einen Inden, den andern einen Katholiken. So machen die Leute noch Unterschiede angesichts des Todes! Sprach denn ans jenen beiden Gesängen nicht dasselbe menschliche Gefühl, derselbe Schmerz um die Dahingegangenen? War das Streben der beiden Toten ein anderes gewesen? Lebte in beider Herzen nicht das nämliche Ideal? Sie liebten in gleicher Weise ihr Volk, ihr Vaterland, ihre Familie, ihre Freunde, und ihr Gott soll ein anderer gewesen sein? Für uns waren sie Menschen und nur Menschen! Was sie uns wert machte, war das rein Menschliche in beider Empfinden." — Ehre ihrem Andenken! g. Inowrazlaw, 15. April. Heute Vormittag fand die Grundsteinlegung znm jüdischen Waisenhanse statt. Das Geld zum Bau und zur Unterhaltung desselben wurde, wie s. Z. gemeldet, von einem kürzlich verstorbenen Breslauer Bankier, der aus Jnowrazlaw gebürtig war, in Höhe von 500000 Mk. der hiesigen jüdischen Gemeinde vermacht. 100000 Mk. werden znm Ban verwendet, der Rest dient zur Unterhaltung des Waisenhauses. S* Pest, 20. April. (Allerlei.) Daß trotz der den Ungarn angeborenen Toleranz sich hie und da ein Vorurtheil geltend macht, wird den einsichtsvollen Leser nicht Wunder nehmen. Ein solcher Akt der Intoleranz wird aus Dnnakor berichtet. Herr Ludwig Fürst daselbst wollte 5000 Gulden zur Errichtung einer Kommunalschnle unter der Bedingung spenden, daß auch jüdische Kinder ausgenommen werden. Die Stadtverwaltung mies die Spende wegen dieser Bedingung zurück. Würde Herr Fürst eine jüdische Schule gestiftet haben, in die auch christliche Kinder aufgenommen werden können, er würde bessre Erfahrungen gemacht haben. — „Ungarns Juden und das Millenium" betitelt sich ein Werk, das demnächst die Presse verlassen und aus Anlaß der bevorstehenden Milleniums- Feierlichkeiten die Entwicklung der ungarländischen Judenschaft znm Gegenstände haben wird. Die Redaktion des groß angelegten Werkes ruht in den Händen des Grasen Hermann Zichy, und viele Eelebritäten des Landes haben ihre Mitwirkung zugesagt. Das Werk erscheint in deutscher und ungarischer Sprache. — In Lippa hielt am Peßachseste der Efi'ckovaer Advokat Dr. Rudolf Kohn während des Gottesdienstes eine Festpredigt. Zn dem ungewöhnlichen Ereignisse hatten sich die Israeliten Est'ckovas vollzählig und auch viele angesehene christliche Bürger eingefnnden, die den "Ausführungen des predigenden Advokaten mit großer Aufmerksamkeit folgten und ihm nach der Festrede vielfach gratulierten. — Großartig!! Petersburg, 19. April. Wie die „St. Petb. Wed." gerüchtweise melden, hat sich die gegenwärtig beim Justiz-Ministerium tagende Kommission zur Regulierung der Advokatnr- Trdnnng in dem Sinne ausgesprochen, daß im Rayon der jüdischen Ansässigkeit nicht weniger als 25 Prozent aus der Zahl der Inden als Privatanwälte znzulassen sind. '? Liban, 17. April/ Gestern verstarb hier ein unter dem "Rainen „der alte Rabbi Gerschon" bekannter Glaubensgenosse im Alter von 105 Jahren. Er konnte sich noch des Einzuges Napoleons in Rußland gut erinnern. Bis vor einem Jahre

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