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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
Seite 297 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite Lst7. Predigt und Seelsorge den künftig zu engagierenden Beamten ansladcn, mit anderen Worten, dem einen viel, dem andern wenig aufbürden, und daß darin ein Unrecht liegt, ist unschwer zu begreifen. Tie Kommission thäte wohl daran, in diesem Punkte einmal ganze Arbeit zu machen und alle Halbheiten zu entfernen. Tie Summe voll 300 Mk. für eine besondere Tribüne der Repräsenranten-Stellvertreter wurde abgelehnt. Bei dieser Gelegenheit brachte Herr Bodenstein die schlechten akustischen Verhältnisse des Sitzungssaales zur Sprache. Die armen geplagten Berichterstatter wissen davon ein ganz besonderes Lied zu singen, aber au die scheint man in beu betreffenden Kreisen noch gar ilicht gedacht zu habend Und doch wäre hier die Abhilfe so leicht und würde gar nichts kosten. Es ivnrden weiter bewilligt für zurückgekaufte Synagogenstände 2l50 Mk., für den Umbau der Treibhäuser in Weißensee 5000 Mk.: für Reparaturen an den Heizungsanlagen der alten Synagoge, für Pflasterullgen in Weißensee, Reparaturen an bcu Gemeindegrundstücken, "Neudruck der Liturgie, Zuschuß für die II. Religionsschule werden bewilligt 472,50 Mk., bzw. 1500, 2l 422,50 und 125 Mk. Außerdem erhält das Reichenheimsche Waiseilhaus 500 Mk. zum Zwecke der Entsendung voll Zöglingen in Ferienkolonien. Zugleich wird eine Resolution angenominell, eine entsprechende Summe der Waisenkommission zur Bersügullg zu stellen für andere Waisenkinder zu demselben Zwecke. Eine diesbezügliche Vorlage wurde seitens des Vorstandes in Aussicht gestellt. 340000 Mk. aus Ueberschüssen herstammende Gelder sollen auf Gemeindebeschlnß in nächster Zeit zinstragend angelegt werden. Die Kommission für den "Neubau der Synagoge in der Lützowstraße wird um 3 Mitglieder vermehrt. Damit ist die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erledigt. MW UlilTrnfdinft fin de siede. Von Tr. S. Bernfeld. II. Schadenfreude ist gewiß kein lobenswertes Gefühl — dies gebe ich ehrlich zu; ich muß aber doch gestehen, daß ich dies Gefühl beim Turchlesen der letzten stummer dieser Zeitschrift empfand. Wie schlecht muß es mit dem ganzen Litteratnrvereins-Rnmmel stehen, daß man bei so vielem Wohlwollen und bei so vielen Vorurteilen keine bessere Verteidigung der angefochtenen Sache zustande bringen konnte, als es in den in jener "Nummer veröffentlichten Zuschriften der Fall ist. Dr. "Niemirower, der sich in der letzten Zeit die allerliebste Rotte eines gemütlichen Beschwichtignngs - Hofrates zngelegt hat, meint auch, daß die Litteraturvereine — und ich sprach nur von der Berliner Zentralleitung — mehr Kranke, Greise und Leichname als wüiffchenswert answeisc, daß die dort gehaltenen Vorträge nur „tötende Langweiligkeit" atmen, daß die Langeweile sogar „obligatorisch" sei, daß die Vorträge für die einen zu „verkehrt", für die anderen wiederum zu „leer" seien, daß die Vereinsmeier Phrasen und Reklametamtnm in einem mißbräuchlichen Verhältnis zu ihren Leistungen konsumieren — all' dies hat Herr Tr. Niemirower zngestanden. "Nun, was habe ich vorläufig mehr gesagt? Dr. Niemirower war aber so glücklich, sich trotzdem ein ,,Aber" zu retten, und ist bei all' dem Modergeruch seelenvergnügt. Ties erinnert mich an eine köstliche Anekdote, die Herr v. Trei^chke gelegentlich erzählt. Nach den Freiheitskriegen ging bekanntlich unter den deutschen Patrioten eine Bewegung dahin, der Kleinstaaterei im deutschen Vaterland ein Ende zu bereiten. Vor attem sottten jene Fürsten depossediert werden, die es früher mit dem Erbfeind gehalten oder durch diesen entthront worden waren. Dagegen regte sich jedoch der Partiknlarismus, der jene Duodezfürsten nicht missen wollte. Manchem dieser Fürsten gelang es, ihr „Ländle" zu retten, und einer derselben wurde von seinen getreuen Unterthanen mit Jubel aus sein Thrönlein zurückgesührt. In begeisterter Stimmung spannten Pie Bauern die Rosse am Wagen des glücklich zurückkehrenden Landesvaters ans und spannten sich selbst als Vizepserde ein. Einem spöttisch dreinblickenden Beobachter bemerkte ein pfiffiges Bäuerlein ganz gemütlich: „Ja, wir wissen, daß unser Fürst ein Esel ist, aber wir wollen ihn doch behalten." Herr Dr. Riemirower giebt zu, daß es sich um eine Eselei handelt, will aber nicht zu einem strengen Urteil kommen, wie ich es gethan. Nun, er möge sich bei der Eselei beruhigen. Es wurde mir zum Vorwurf gemacht, daß ich „bedeutende" Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte verunglimpfe. Man vergißt aber, daß ich dies nur zur Beleuchtung unserer Zustände thne und jedesmal dazu provoziert werde. Mir liegt es gewiß fern, mich mit Moses Mendelssohn oder Manasse ben Israel zu beschäftigen: für mich sind sie schon längst tot. Aber da geschieht es, daß sich achtbare Männer unserer Gemeinde zusammenthnn, um ein Zirknlair an unsere Glaubensgenossen zu erlassen, welches vor Reaktion und Fanatismus innerhalb der Judenheit warnen soll. Auch dies Bestreben ist gewiß berechtigt, Nun bestellen aber jene achtbareil Männer das nötige Zirkular bei eineni Inhaber eines litterarisUfen Ramschbazars und dieser leimt ihnen die Phrase zusammen, daß in Berlin, der Stätte, wo Mendelssohn, Zunz und Geiger gelebt und gewirkt hätten, für reaktionäre Bestrebungen kein Raum vorhanden sei. Da muß man doch die Geduld verlieren. Was würde ein gebildeter Deutscher sagen, wenn er die Phrase zlt lesen bekäme, daß in Deutschland, das einen Gleim, einen Ranke lind einen David Fr. Strauß anfznweisen habe, liberal gewählt iverdcn müsse? Die Litteratnrvereilie mögen gut oder schlecht sein — so lange sie sich bescheidentlich im Hintergründe halten, lassen wir sie laufen. So hyperboreisch bin ich gewiß nicht, ilin nicht 311 wissen, daß es sehr viele Menschen giebt, die sich nicht wohl fühlen, wenn sie eine Stunde allein sein niüssen. Nach redlicher Absolvierung ihrer bernslichell Geschäfte wollen sie ihre Feit in Vereinen zubringen, von denen fünf Meilen in der -Kunde das Philistertum zu riechen ist. In solchen Vereinen thun sich gewisse Lokalgrößen hervor, die Vorträge halten, auch sonst sich wichtig thun und das große Wort führen. Einem Manne von Geist sind solche Vereine unerträglich: aber nie würde er die Grausamkeit begehen, jenen unschuldigen, naiven Gemütern ihre Illusion zu zerstören. Sie fühlen sich dort glücklich, und damit haben die Vereine ihren Zweck gewiß erfüllt. Wenn sich aber zwei edle Ritter, Krapülinski

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