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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
Seite 295 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 205. mus gefügt worden ist nnd das nach den griechischen Disziplinen, der Quelle aller klassischen Kultur, keinen erhellenden Ausgang öffnet. Aber uidfjt der Fnrist nur lvird hier eine Fülle nngehobener Schätze finden; jeder gläubige Christ wird, ivenn er die in der Zeit der schwersten Kämpfe zwischen Christen nnd Juden entstandenen kabbalistischen Spekulationen!)) unbefangen nnd ohne Aergernis prüft, in diesem Denkmal des gesetzgläubigen Thorafetischdienstes (!) einen Wegweiser ins dunkle Land der kleinen Rasse erkennen, die, zum Guten imd Schlimmen, in der Geschichte der Menschheit eine so ungeheure Rolle gespielt hat nnd immer noch spielt. Deshalb dürfen auch fromme Christen der Entdeckerreise in das Ghetto des jüdischen Geistes fröhlichen Fortgang wünschen." Maximilian Harden ist ein kluger Mann, der einem guten Witz ,licht abhold ist. Er ist ein gewandter Journalist, bei dem, wo Begriffe fehlen, sich ein Citat einsteÜt zur rechten Zeit. Er ist ein tüchtiger Verleger, dem eine billige Reklame recht ist. Ich gäbe die erste Lieserirng der Goldschmidtschen Talmudübersetzung darum, hätte ich das Schmunzeln sehen tonnen, das sein jugendlich-bartloses Gesicht umspielte, als er diese Zeilen niederschrieb. Sind sie doch geeignet, vielleicht allch bestimmt, den Lesern der „Zukunft" zu zeigen, daß der Herausgeber des Blattes ein liebevolles Herz habe, das alle, auch den gu Fuß ans Rußland gekommenen Jüngling, und ein gedankenreiches Hirn, das alles, auch den wenig bekannten' jüdischen Talmud, umfaßt! Ich gäbe aber die nämliche erste Lieferung zum zweitenmale darum, könnte ich das längliche Gesicht sehen, das Harden machen würde, wenn er erführe, daß er van dem genannten Jüngling getäuscht worden, — getäuscht über das Barleben des Nebersetzers und fast noch mehr über den Wert der Uebersetznng. Ta aber uns diese wichtiger erscheint als jener, so wollen wir über dem Werke den Meister vergessen nnd uns nur noch mit der Uebersetznng Goldschmidt's befassen. Diese ist, trotz Fräulein Schabelsky und Maximilian Harden, äußerst mangelhaft. Wollten wir all die sachlichen Fehler und die reichlichen „Sprachdnmmheiten" mitteilen, die wir in dem uns vorliegenden Hefte finden, wir müßten ein umfangreiches Heft, der ersten Goldschmidtschen Lieferung gleich, schreiben. Darum seien nur einige Blüten zur Erbauung fachkundiger Leser mitgeteilt. Ten terminus technic.us injV2“9, (im talmudischen Idiom zusammengezogen van in;\x „sie (die Schulsüngerj haben eilwn Widerspruch saus einer andern Mischna-Stellej nach gewiesen") übersetzt der aus Rußland zu Fuß nach Berlin gekvlnmene Jüngling konsequent: „ich will Widerspruch erheben." Die Stelle -"wz “:\s*c ""H soü'p übersetzt er: „es ist eine Frage van Rabbi Meier rc." (genieillt ist: „Rabbi Meier widerspricht sich selbst.") iNjP rP ",\SV2 'C'P (die Ansicht des R. Meier ist von zwei verschiedenen Tanaiten verschieden wiedergegeben) lautet in der Goldschmidtschen Uebersetznng: „Zwei Tanaim sind sim Streite| über die Ansicht R. Meiers." pax. 6 wird im Talillnd sehr richtig über das Wort p'2'5 diskutiert und der Schluß ist, daß es „Dämmerung" bedeute, sowohl Morgenals Abenddämmerung. Der aus Rußland zu Fuß gekommene Jüngling übersetzt: es gebe „zweierlei" Däminerung. „Zweierlei Dämmerung" ist gut. L'-Iü' (böse Leiden) übersetzt er: „ekelhafte Züchtigungen." PPI2' (die göttliche Heiligkeit) heißt bei Goldschmidt: die göttliche Niederlassung, pag-. 16 heißt es in deutscher Uebersetznng: Gott rühme sich seilies Volkes. Wenn man aber zu Fuß alls Rllßland kommt, kann man nicht anders als „Gott prahlt" übersetzen. Tie Stelle 5. B. Mosis 26, 17, wo es heißt: Tu (Israel) hast heute Gott auserkoren (erhoben) rc., übersetzt G.: du hast ihn sagen lassen. Nun ist es wohl wahr, daß dies auch Gefenius thnt, obwohl der Stamm "72N (gleich dem arabischen) emporstehen bedeutet, wovon im biblischen Hebräisch "PCX und in der Mischna entstanden; aber Gefenius kann mit dem Bibelvers nach Belieben verfahren; der Talmud hat entschieden das Wort in der von uns angegebenen Bedeutung ausgefaßt, sonst hat die ganze Stelle gar keinen Sinn. Im übrigen vegl. Telitsch, Prolegomena S. 28, wo die Erklärung des Wortes mit Belegstellen ans dem Assyrischen gegeben wird. Die sachlichen Schnitzer und die sprachlichen Mängel in diesem „Werke" sind so zahlreich, daß wir aus sie nicht näher eingehen können. Wir hoffen, daß das erste Heft auch das letzte sein werde, damit wir nicht genötigt werden, uns ernstlich mit der Sache zu beschäftigen. Wir thäten dies ungern, einmal wegen unsres großen Respekts vor der Autorität einer Else v. Schabelsky und eines Maximilian Harden, sodann, weil wir nicht gern die anderthalb Schritte vom Schreibtisch nach dem Bücherschrank gehen möchten. L. Ans dem Berliner Kemein-tparlament. Berlin, 20. 'April. Die gestrige Repräsentantensitzung währte zwar ziemlich lange Zeit; im Verhältnis jedoch zu den tief einschneidenden Fragen der letzten Monate bot sie der aufregenden Momente dieses Mal nicht gerade viel. Zu Beginn der Sitzung nahm die Versammlung Kenntnis von einer Schenkung im Betrage von 7500 Mk., welche Herr Moritz Nenfeld bei Gelegenheit seines >0. Geburtstages dem jüdischen Krankenhause gemacht hat. Alsdann ging die Versammlung über zu einer großen Anzahl von Geldbewilligungen zu den verschiedensten Zwecken. Zunächst kamen die Subventionen für die Religionsvereine an die Reihe. „Herr, die Not ist groß", lautet auch dieses Jahr die Devise der Kleinen, die um die Brosamen betteln, die vom Tische der großen reichen Gemeinde herniederfallen. Die Lust zu nehmen, und zwar so viel wie möglich, ist wie in den Vorjahren wieder genau die alte geblieben, die Lust zu geben aus seiten der Gemeindebehörde scheint jedoch merklich erkaltet zu sein. Mancherlei charakteristische und in hohem Grade lehrreiche Erscheinungen traten auch dieses Mal wiederum zu Tage. Ohne Diskussion wurden bewilligt: Für den Lnisenstädtischen Brüderverein „Ahawas Reün" 1500 Mk., für die Lippmann Tauß-Synagoge 900 Mk., für die Gemeinde Ahawas Scholaum 600 Mk., für die Gemeinde Beth Zion gleichfalls 600 Mk., zugleich mit der erneuten Auflage des Rates vom vorigen Jahre, sich mit der Gemeinde Beth Jakob zu verschmelzen. Für den letzteren Fall wurde sogar eine höhere Subvention in Aussicht gestellt. Der „Religionsverein Westen" erhält 2000 Mk. zur Anschaffung

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