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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
Seite 290 (sequence 14)
Language
German
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Seite 290. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 16. des Vereins in das deutsch-israelitische Kinderheim zn Diez ausgenommen. Die Gemeinde zahlt dafür 50, der Verein 100 Mark jährlich. Der Verein hat 2 Ehrenmitglieder und 28 zahlende Mitglieder. — Ter Franenverein zählt 42 Mitglieder. Ein Waisenmädchen wurde von diesem Vereine ausgestattet und fand kostenlose Ausnahme im deutsch-israelitischen Reichswaisenhans zu Limburg, das gerade deswegen, weil es Waisenmädchen ganz unentgeltlich aufnimmt, größere Beachtung und wirksamere Förderung, namentlich vonseiten der Frauenvereine, verdient. — Der Armenverein gewährte im verflossenen Jahre an 282 Arme Unterstützungen in dem Gesamtbeträge von 731,55 Mark. — Dagegen scheint der Synagogengesangverein seiner Auflöstmg entgegenzugehen: der Chorgesang ist wegen Mangel au Beteiligung eingestellt worden. & Wcilburg, 13. April. An den hiesigen höheren Schulen wird bis jetzt kein jüdischer Religionsunterricht erteilt; am Gymnasium und der höheren Töchterschule, weil die Schülerzahl zu gering, an der landwirtschaftlichen (Real-) Schule, weil dort der Religionsunterricht überhaupt fakultativ ist. Indessen sind Unterhandlungen über die Einführung des Religionsunterrichtes an Töchter- und Realschule im Gange. Z. Chemnitz, 11. April. Trotzdem Chemnitz gegen dreihundert jüdische Familien hat, konnten dieselben ihre Andacht nur in einem zum Betsaale umgewandelten alten baufälligen Kasten abhalten. Ich habe von vielen gehört, die gerne im heiligen Raume sich ihrem Gotte nähern, daß sie keine Andacht in solchem wüsten Raum hegen konnten. Rach vielem Bemühen und laugen Diskussionen ist es endlich gelungen, einen Bauplatz in schönster Lage der Stadt, am Keßberg, für den Preis von 42000 Mark zn erwerben. Hier wird ein stolzer schöner Bau aufgesührt, der ca. 200000 Mark kosten wird. Daß sich ob dieser Errungenschaft jeder jüdische Einwohner von Herzen freut, ist leicht erklärlich. 8 Mülhausen (Elsaß), 5. April. Das hiesige Krankenhaus hatte nach dem von dem Verwaltungsrat veröffentlichten Jahresbericht am 1. Januar 26 Zöglinge, und zwar 9 Männer und 17 Frauen, deren Durchschnittsalter 68 Jahre war. Die Gesamtzahl der Verpflegungstage, das Personal der Anstalt mit einbegriffen, war 12295 Tage und die gewöhnlichen Ausgaben waren 15293,16 Mk. was für den Tag 1,25 Mk. ausmacht. 21 Personen sind auf. beschränkte Zeit während 668 Tagen verpflegt worden. Die Rechnung schließt mit einem Ueberschuß von 6794,24 Mk. ab. Der älteste Pflegling ist der 84 Jahre alte Blimel Levy, dann kommen die 81 Jahre alten Pfleglinge Felix Geismar und Sarah Heinrich. Im Alter von 70 bis 80 Jahren sind 12 Pfleglinge, von 60 bis 70 im ganzen 5 Pfleglinge. Von diesen Pfleglingen gehören viele der Anstalt schon lange Jahre an.;=! Straßburg (Elsaß), 9. April. Gestern wurde hier der Grundstein zu der neuen Synagoge gelegt. Aus diesem Anlaß fand an der Baustätte eine würdige Feier statt. Dicht gedrängt standen die Teilnehmer auf der eigens hergerichteten Estrade. "Nach einer Ansprache des Bauleiters, Prof. Levy aus Karlsruhe, wurde Psalm 127 vou den im feierlichen Ornat erschienenen Herren Kantoren Hey mann und Klein vorgetragen. Herr Oberrabbiner Weil hielt hieraus eine geistnnd gemütvolle Festrede, worin er die Bedeutung des jüdischen Tempels schilderte. "Nach dieser Rede verlas der Oberrabb. den hebräischen Text der Urkunde und Herr Dr. Levy, Präsident des Konsistoriums, die Namen der hier bestehenden israelitischen Vereine mit ihren Vorstehern und Vorsteherinnen. Nachdem die Urkunden mit den Bauplänen in die kupferne Büchse gelegt und in einem Holzkästchen in die Oeffnung des Steines gesenkt worden waren, folgten die üblichen Hammerschläge. Den Psalm 150 (Hallelnjah» trug Herr Heymann zum Schluß vor. Alsdann sprach Herr Oberrabbiner Weil mit ausgebreiteten Händen den Segen. So schloß diese ■ würdige und ernste Feier. § Krotoschin, 11. April. Mil dem unter früheren preußischen Ministern üblich gewesenen starreu Festhalten an dem Grundsätze, ausländische Knltnsbeamte nicht zu bestätigen, scheint mau jetzt gebrochen zu haben. Die Gesuche um Bestätigung von Ausländern als geistliche Funktionäre in Synagogen- Gemeinden Preußens werden von Fall zu Fall geprüft, und wenn sich eine Notwendigkeit erweist, auch berücksichtigt. Unsere Gemeinde wählte vor etwa einem halben Jahre Herrn Dr. Berger aus Hohenems zum Rabbiner. Diese Wahl hat, nachdem Dr. B. naturalisiert worden, die behördliche Bestätigung erhalten, so daß der Gewählte zu dem verflossenen Peßachseste sein Amt antreten konnte. Es wäre falsch, zum mindesten aber verfrüht, au§ den ersten Predigten aus die ganze künftige Amtsthätigkeit des Rabbiners einen Schluß ziehen zu wollen. Allein es soll nicht verschwiegen werden, daß diese Reden die Zuhörer begeistert haben. Herr Dr. Berger verfügt, nach diesen ersten Predigten zu urteilen, über eine fließende Diktion und einen klaren, dialektfreien Ausdruck; er gestaltet seine Reden zu jüdischen Predigten, indem er sie reich mit Zitaten au§ unserer ureigenen Litteratur würzt. Das ist es, was wir hier von einem Prediger verlangen, trotzdem wir in unserer Synagoge eine Orgel ausgestellt haben. Unser Gottesdienst soll und wird in keinem seiner Teile der jüdischen Eigenart entkleidet werden. § Schulitz (Bz. Bromberg), 11. April. In der hiesigen jüdischen Gemeinde sind vor kurzem Streitigkeiten unter den Mitgliedern wegen der Synagogensitze entstanden, so daß ein Teil der Gemeindemitglieder am Sabbatvormittag seine Am dachtsübungen im Hanse eines Gemeindemitgliedes abhielt. Auf erstattete Anzeige aber wurde diese religiöse Versammlung bald polizeilich aufgelöst. X Posen, 3. April. Ter hiesige Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden verfügt jetzt, wie in der jüngst stattgehabten Versammlung mitgeteilt, über 518 Mitglieder, die einen Jahresbeitrag von Mk. 1986,10 leisten. Die Rechnung für das Jahr 1895 wies 188,97 Mk. Bestand nach, außerdem folgende Einnahnien: Beiträge der Mitglieder, einschließlich der im Laufe des Jahres von ausgeschiedeneu Mitgliedern eingezogenen Beiträge 2032,85 Mk., ferner vom Verein junger Kaufleute eine Spende von 100 M., Zinsen aus dem Geschwister Ephraimschen Legrt 50 Mk., Zinsen aus dem Michaelis A. Kaatzschen Legat 50 Mk., sonstige Spenden 28 Mk. und 10 Mk., Zinsen des Reservefonds 64,75 Mk., entnonnnenes Bankdarlehen 400 Mk., Rückzahlung von verliehenen Darlehen 10 313 Mk., Erlös für verkaufte Pfandbriefe 1720 Mk., zusammen 14 933,37 Mk. Einnahmen. Die

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