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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · p. Seite 289

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
Seite 289 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1(>. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 289. Zur Aufbewahrung und Konservierung der Fleischwaren dient ein durch eine Kohlensäure-Maschine gekühlter Raum, in welchem die Temperatur nicht über 2—3 Grad Wärme steigt. Die ganze maschinelle Anlage wird durch einen Elektromotor betrieben. Von den schattigen Veranden, die sich um den Pavillon hernmziehen, hat man durch große Spiegelscheiben einen Ueberblick über die ganze Fabrik. Auf der Veranda sind Tische und Stühle aufgestellt, bereit, den ermüdeten Besuchern Erholung und den Hnngrigen Leibesstärknng zu gewähren. Eine zweite Verkaufsstelle befindet sich in der Hauptpromenade an der Ostseite des "Neuen Sees, und ' eine dritte in der Spezial-Ansstellnng „Kairo", und zwar — die Gottesgelahrten der Pharaonen werden sich mit hörbarem Ruck im Grabe nmdreh'n! - in der Kait-Bep-Moschee. Tie jüdischen Besucher der Ausstellung aber, die rituell speisen wollen, werden der rühmlichst bekannten Firma für das ganze Arrangement Dank wissen. *** Arnswalde, l 1. April. In unserem Wahlkreise, der das Glück hat durch den in Amerika hernmschnorrenden Ahlwardt im Reichstage vertreten zu sein, sangen die wackeren Wähler an, ungeduldig zu werden und verlangen, daß ihr Vertreter sie entweder vertrete oder ganz in das Privatleben gehe. Freiwillig thnt er's aber gewiß nicht, und ein gesetzliches Zwangsmittel giebt es nicht. Wir wüßten nur einen Weg, der Erfolg verspräche: Man zahle ihm eine Abstandssumme.: für Geld kann man alles von ihm erreichen, sonst nichts. 8! Magdeburg, 2. April. Ter von unserm Rabbiner, Herrn Tr. Rahm er geleitete Israelitische F raue »verein ist der älteste Wohlthätigkeitsverein der hiesigen Gemeinde. Im Jahre 1830, da unsre Gemeinde ans nur 70—80 beitragenden Mitgliedern bestand, wurde dieser Verein begründet. Zwei kleinere Vereine, die sich im Laufe der Jahre gebildet, gingen 1882 in diesem Vereine ans. Nachdem von Zeit zu Zeit Einzclberichte über die Thätigkeit des Vereins erschienen sind, veröffentlicht Herr Tr. Rahmer in diesem Jahre einen zusammenfassenden Bericht über die letzten 13 Jahre (von 1883 — 1805). Wir ersehen daraus, daß die Thätigkeit des Vereins sich über drei Gebiete erstreckte: 1) Unterstützung hilfsbedürftiger Frauen nicht blos durch monatliche Geldgaben, sondern auch durch Ausbildung zu nutzbringender Beschäftigung. 2) Unterstützung kranker Frauen (auch armer Wöchnerinnen) durch Gewährung unentgeltlicher ärztlicher Behandlung und Medikamente. 3) Erweisung von Liebesdiensten gegen verstorbene Frauen (Besorgung von Leichenwache und Leichenwaschung, Anfertigung der Totengewänder und Bekleidung weiblicher Leichen). Dieses alles wird den unbemittelten Mitgliedern unentgeltlich, den Bemittelten gegen Erstattung der Selbstkosten gewährt. Es wurden in den letzten 13 Jahren zu diesen Zwecken 27,3 t 1 Mk. verausgabt. Die Einnahmen beliefen sich (einschließlich eines vom früheren Vereine übernommenen Kaffenbestandes von 1671 Mk.) aus 30,078 Mk., so daß ein Vermögensbestand von 11,734 Mk. vorhanden ist. Ans den Zinsen werden auch arme Bräute ansgestattet. Die Zahl der Mitglieder ist zur Zeit 255. Ter niedrigste Jahresbeitrag ist 6 Mk., die beffergestellten Damen zahlen freiwillig einen höheren Beitrag bis 12 Mk. Die Thätigkeit des im stillen wirkenden Vereins ist höchst segensreich. Frankfurt a. M., 0. April. (Sine peinliche Szene hat sich am 1. d. M. bei der Beerdigung des Lehrers Plant von der israelitischen Realschule abgespielt. Die Leidtragenden — darunter auch viele christliche Kollegen des Verstorbenen — waren in der Halle des israelitischen Friedhofes versammelt, als der Direktor Dr. Hirsch sich anschickte, eine Rede zu halten. Weil mm im Monate Nissan im allgeineinen und am Chol ha Moi-d insbesondere Trauerreden nicht gehalten werden sollen, suchte, wie hiesige Zeitungen melden, ein Rabbinatskandidat den Direktor handgreiflich von seiner Rede abzuhalten, und ein orthodoxer Rabbiner protestierte ebenfalls in heftiger Weise gegen das Reden. Trotzdem beendigte der Direktor seine kurze Rede, und die Einsenkung des Sarges konnte dann vor sich gehen. Einstimmig ist der Ausdruck des Aergers über eine derartige Störung der Beerdigung. (:) Frankfurt a. M., 13. April. Die hiesigen Religionsschulen haben ihre Einladnngsschrist zur öffentlichen Prüfung, die sich ans drei Prüfungstage erstreckt und am 18. d. M. beendet wird, veröffentlicht. An der Spitze des Berichtes ist ein Aufsatz über die Wohlthätigkeit der Juden im alten Frankfurt, aus der Feder des Direktors der Schulen, Rabb. Dr. Horovitz, abgedrnckt. Ans dem Verwaltungsberichte ist zu ersehen, daß die Religionsschnlen von zusammen 472 Schülern besucht werden. Zwölf derselben werden für den Rabbinerbernf vorgebildet. Der Bericht schließt mit einem Appell an den sprichwörtlich gewordenen Opfersinn der hiesigen Glaubensgenossen, die Schulen durch Beitritt als zahlende Mitglieder oder einmalige Spenden zu unterstützen, damit die finanziellen Schwierigkeiten, unter denen die Institution noch immer zu leiden hat, beseitigt werden. (Diesen Appell verstehen wir nicht recht. Ressortieren denn in Frankfurt die Religionsschnlen nicht von der Gemeinde, so daß dort der Religionsunterricht Privatsache ist? Red.) -t- Heidelberg, 10. April. Der Sohn des unvergeßlichen Predigers Dr. Ad. Jellinek in Wien, Professor der Rechte an der hiesigen Universität, Dr. Georg Jellinek, wurde von der Princeson Nnioersity zu "New-Hersey anläßlich der Feier ihres hundertfünfzigjährigen Bestandes zum Ehrendoktor ernannt. S Köln, 10. April. Der Direktor der hiesigen im Jahre 1891 gegründeten Religionsschule, Rabb. Dr. Lazarus, versendet jetzt den vierten Jahresbericht seiner Schule, dem wir folgende Daten entnehmen: Tie Schule wurde im verflossenen Jahre von 180 Schülern (110 Knaben und 70 Mädchen) besticht, die gesondert in je einer Unter-, Mittel- und Oberstufe unterrichtet wurden. An der Schule unterrichten neben dem Leiter die Herren Goldschmidt und Hut und Fräulein Gordou. An jedem Sabbat "Nachmittag wird ein Jugeudgottesdienst abgehalten, zu dessen Besuch die Schüler nach Möglichkeit angehalten werden. Der Bericht klagt, daß die Schüler viel zu früh die Schule verlassen, besonders die Knaben zur Zeit des Barmizwa-Unterrichts, ohne nachher znrückzukehren. -8> Wcilburg, 12. April. Aus den soeben erschienenen Berichten der hiesigen Vereine sind folgende Daten zu entnehmen. Der Wohlthätigkeitsverein verfügt über ein Vermögen von 3807 Mark. Ein Knabe ivurde durch Vermittelung

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