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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
Seite 288 (sequence 12)
Language
German
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Seite 288. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 16. Das Resultat war, daß eine Petition an den Herrn Knltusminister und eine Abschrift derselben an die städtische Schuldeputation zur Kenntnisnahme zu senden sei. Der Vorschlag des Herrn Dr. Blaschke, die endgiltige Festsetzung des Wortlautes der Petition einer Kommission von fünf Mitgliedern zu überlassen, wurde einstimmig angenommen. — Weiterhin wurde bezüglich der Frage des Vereinslokals beschlossen, zunächst keine Aenderung eintreten zu lassen. — Eine Anregung aus der Mitte der Versammlung, neben der ernsten Arbeit^ auch das gemütliche Beisammensein der Vereinigung etwas stärker zu pflegen, wurde beifällig ausgenommen. — Zum Schluß wies der Herr Vorsitzende auf die am 18. d. M. stattflndende Außerordentliche Generalversammlung hin und bat dringend, an derselben möglichst vollzählig teilzunehmen. * Berlin, 12. April. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Es ist vielfach das Bedürfnis anerkannt worden, für angehende Kantoren, welche in Berlin ihre musikalische Ausbildung anstreben, auch eine Lehrstätte für die liturgische Befähigung, welche ihr künftiger Berns fordern muß, herzustellen. Ich habe mich entschlossen, diesem Bedürfnisse nach Maßgabe meiner eigenen Kräft abznhelfen, indem ich fi'tv die Eleven des Kantorats einen speziellen Bildungsknrsus eröffne. In demselben werde ich die Gebete und die zu denselben gehörigen Ritualvorschriften erläutern, ferner die Geschichte der Liturgie und der Riten näher behandeln. Für die Ausnahme (gratis) geeigneter Hörer werde ich am 20. April er. 8—5 llhr nachmittags, Kransnickstr. 21 I, bereit sein. Tr. A. Berliner." — Ein ungemein edles und dankenswertes Unternehmen. Wo aber sollen die künftigen Kantoren vorbeten lernen? * Berlin, 18. April. Wir erhalten folgenden Aufruf mit dem Ersuchen um Veröffentlichung: „Tie wachsende Rot unter den Mitgliedern unserer Gemeinde und besonders der Mangel ausreichender Mittel für die Waisenpflege Haberl die Unterzeichneterr veranlaßt, durch die Begründung eines Kinder- Sparvereins zur Linderung dieses Notstandes möglichst beizutragen. Die grundlegende Idee des Kinder-Sparvereins besteht darirr, daß wir- Kinder, die unter der sorgenden Pflege liebender Eltern glücklich nnd froh answachsen, anregen wollen, auch der Kinder ju gedenken, die, elternlos, in Not und Elend leben und dringend der Hilfe bedürftig sind. Zu diesem Zwecke soll in jedem Kinderzirnmer ein Sparkästchen aufgehängt werden, damit die Killder von ihrem Taschengeld oder von Geschenken nnd Belohnungen, die sie für gute Zensuren oder Anszeichiluilgen erhalten haben, ein Scherflein für die unglücklichen Kinder opfern. Bei dem in den Herzen der Kinder schlnmmernden Wohlthätigkeitssinn, der nur der leisen Anregung bedarf, werden sich die Sparkästchen bald füllen, aber auch die Eltern werden selbst, bei besonderen Veranlassungen, gern der Armen und Waisen gedenken. Dieser ethische Gedanke, von dem wir uns zugleich eine erziehliche Wirkung versprechen, wird jede Mutter veranlassen, in dem Zimmer ihrer Lieblinge ein Sparkästchen aufzuhängen und ihren Kindern ans Herz zu legen, dasselbe wie ein Heiligtum zu wahren imd in Obhut zu nehmen." — Vorsitzende dieses Vereins ist Frau Cäcilie Friedländer, Bellevnestr. 9. 1'. Berlin, l.8. April. „Gegen die Ausweisungsbefehle, welche seitens des königlichen Polizeipräsidiums an eine Anzahl von in Berlin ansässigen Ausländern ergangen sind, haben mehrere der davon Betroffenen, österreichische Unterthanen, sich beschwerdeführend an das Minsterinm des Innern gewandt. Der Bescheid ist nunmehr erfolgt nnd die Maßregel, soweit es sich hierbei um unbescholtene, im Besitz genügendes Subsistenzmittel befindlicher Leute handelt, znrückgenommen worden." So zu lesen in den Tagesblättern. An dieser Nachricht ist aber kein Wort wahr. (-) Berlin, 14. April. Infolge einer Petition an den Kultusminister hat bekanntlich das Provinzial-Schulkollegium verfügt, daß vom 1. April ab für die jüdischen Schüler der hiesigen höheren königlichen Lehranstalten jüdischer Religionsimterricht eingerichtet werde, und zwar für die jüdischen Schüler des Französ'fthen und des Luisen-Gymnasiums in der erstgenannten Anstalt, für die des Friedrich Wilhelms-Gymnasiums und des Königlichen Real-Gymnasinms in ersterer, für die des Wilhelms-Gymnasiums in dieser Anstalt. In jeder dieser drei für den in Rede stehenden Unterricht zu bildenden Gruppe von Schülern sind je drei Abteilungen, eine obere (Prima lind Obersekunda», eine mittlere (Obersekunda bis Tertia), nnd eine untere (Onarta bis Sexta) mit je zwei Wochenstnnden eingerichtet ivorden. Für den Unterricht am Wilhelms-Gymnasium wurden Dr. Dienstfertig und Lehrer Weinbaum, für den am Französischen Gymnasium Jnstitntsvorsteher Dr. Götz und Lehrer Borchardt, für den am Friedrich Wilhelms-Gymnasiuin Rabbiner Dr. Baneth und Lehrer Brinn als Lehrer bestimmt. H. Berlin, 14. April. Ter vor etwa neun Monaten begründete Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens macht ausgezeichnete Fortschritte. Obwohl er nur im Stillen wirkt, hat sich in letzler Zeit seine Mitgliederzahl fast verdreifacht. Freilich ist es noch eil» geringer Prozentsatz der selbständigen jüdischen Handiverker Berlins, die den» Vereine beigetreten sind, da ein solcher Verein hier es leicht auf einige Tausend Mitglieder bringen müßte. Erfreulich ist es, daß auch weitere Kreise anfangen, dem Vereitle Interesse entgegenznbringen nnd geistige Unterstützung angedeihen zu lassen. Der erste, der dies that, war der Herr Redakteur dieses Blattes, der gestern Abend in dein dichtgefüllten Saale bei Lauter (Burgstr. 18) einen Vortrag über Handiverk und Judentum gehalten hat. Mögen jetzt noch andere berufene Männer folgen, damit der Verein auch die geistige Bedeutung erlangt, die er verdient. Beitrittserklärungen sind an den Vorsitzenden, Herrn Joseph, Grenadierstr. 17, zu richten. * Berlin, 15. April. Unsere Stadt steht im Zeichen der Gewerbe-Ausstellung, unb es darf die Leser nicht Wunder nehmen, wenn auch wir dessen, was tont Berlin bewegt, erwählten. Freilich ist es nur eine Seite der Ausstellung, die uns interessiert, nämlich die „koschere", iveil sie unsere Leser, die nach Berlin zur Ausstellung zu kommen gedenkeil, interessieren wird. Auf der weiten Fläche in Treptow ivird ihnen eilt in vornehmstem Schweizer Stil erbauter Pavillon der Firma A. Breslauer auffallen, weil sich dort eine groß angelegte, mit sämtlichen Maschinen der Neuzeit ausgestattete Wurstfabrik befinden wird. Wie uns ans Befragen mitgeteilt wird, werden tu dieser improvisierten Fabrik alle zur Ausstellung und zum Verkauf gelangenden Waren yergestellt-

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