Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 16 (17.4.1896)
- Date
- 1896-04-17
- Page
- Seite 287 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4794838-9609712-9610012--1347-9610023- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. Iß. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 287. „Daun laßt es in Gottes Namen bleiben," erwiderte der Gemaßregelte sehr gelassen, indem er den Kreuzer wieder zu sich steckte. Peeritz, welcher den Bewegungen Bandmachers funkelnden Auges gefolgt war, stotterte jetzt ergrimmt hervor: „Herr, ich bin Reb Jonüns Eidam . . ." „Was geht mich Jomin an?" „Was er Euch angeht, was er Euch angeht? Sehr glit!" Er schob den Hirt ans sein Hinterhaupt zurück und sah im höchsten Grade verwundert darein. „Was er Euch angeht? Drillichan ist meine Nedan, lieber Herr — und Reb Jomin ist mein Schwäher." „Hört doch endlich mit dem dummen Spaß ans, oder ersinllt einen besseren!" antwortete Herr Bandmacher ärgerlich. „Spaß, Spaß! Was für eill Spaß?" schrie Peeritz aufgeregt. „Daß Drillichan Eure 'Nedan ist." „So, das ist bei Euch ein Spaß? Und ich sage und schivöre cs Euch mit tausend Eiden, Reb Jomin hat mir Drillichan zugeteilt und nichts mehr — hätt' ich's nur nicht genommen! Der Rüben hat Kalwaria und Dziadow gekriegt." „Dann hat er Eilch gefoppt, der Jomin." „Reb Jomin wird foppen! Mich wird Reb Jomin foppen! Lieber Herr, ich bekonrme vier Kreuzer." „Sucht Euch den Starren, der sie Euch giebt!" lachte Herr Bandmacher, indem er den Kreuzer hervorzog und auf den Ladentisch legte. Dainals war Peeritz noch stolz und so ging er denn lllurrend davon, ohne bcu Kreuzer zu nehmen; in der Folge aber mußte er sich dazu herbeilassen, dem: nur eine geringe 'Anzahl der Leute fand es für gut, ihm mehr zu geben. Dieser: Weniger: gegenüber äußerte er sich einmal: „Was nützt mir meines Schwähers Wort, wenn Drillichan es rücht hält?" (Schluß folgt.) Zpittzklliildkr l»is drm jiiiiilchl» {rlirit. II. Ans der Schule. Extemporalien, schwere Plage, Der faulen Schüler größte Pein! Herrt rraht der dunkelste der Tage; Denn ach, ein griechisches soll's sein! Wie arrch des Lehrers Angen spähen. Manch' Blick fliegt in des 'Nachbars Buch, Die schwerer: Formen dort zu sehen: Abschreiber: ist ja kein Betrug! — Nun ist das schwere Werk vollendet, Tie Hefte trägt der Lehrer fort- Und teilt, als sich die Woche wendet, Sie wieder arrs am selben Ort! — Tie Blicke der Sekur:da hangen Starr ar: des Richters Angesicht, Gerechtes Urteil zn empfangen; Und ach, es fehlt ar: Tadel nicht! Zwei Hefte sind zrrrück geblieben:- „Paul Schmidt, Mar Levi, kommt zu mir! Wer von euch Zwei':: hat abgeschrieben? Die volle Wahrheit saget hier!!" Und schüchtern blicket Levi nieder Und saget leise dann: „Ich nicht!" Paul Schmidt hallt laut die Antwort wieder, Schaut keck dem Lehrer ins Gesicht! — Doch dieser blickt sie an gar strenge Und spricht: „Das ist doch wunderbar; Derselben Fehler gleiche Menge, Daß Einer mich belügt, ist klar!" Damit die Wahrheit er erkunde. Läßt er die beiden ganz allein Am 'Nachmittag auf eiue Stunde Sich einer neuen Arbeit weih'::! Tie Wahrheit mußt' sich offenbareu. Dem: Levis Arbeit war korrekt — Nuu mußte Schmidt es wohl erfahre::. Wie herb' die Karzerstrafe schmeckt! — „Das hat der Jude nur verschuldet; Sie waren stets des Unglücks Onell,*) Und was ich Bitteres erduldet. Ich zahl' es Dir zurück. Gesell!" Gar schwer hat Lev: sich vergangen: Er war nicht faul! O, Missethat! Und üppig ist nun anfgegangen In Schmidts Gemüt des Hasses Saat! Antisemit bis in die Knochen Ward er fortan mit vollem Recht, Und was der Levi ihm verbrochen, Das büßet nun sein ganz' Geschlecht! (Lemgo.) . Rektor F. Saphra. Hier und dort. V. Berlin, 9. April. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner in Berlin" hielt am 7. b. M. eine außerordentliche Sitzung im Vereinslokal ab. Nach Verlesung des Protokolls der vorhergehenden Sitzung berichtete der Vorsitzende, Herr Dr. Adler, daß die Kommission, welche über die Maßnahmen gegen den Erlaß des kgl. Provinzial-Schulkolleginms verhandelt habe, zu den: Beschluß gekommen sei, ihn mit dem Entwurf einer Petition an den Herrn Kultusminister zn betrauen. An die Verlesung des Entwurfs knüpfte sich eine längere Debatte, ob überhaupt eine Petition abgesandt und eventuell an welche Stelle dieselbe gerichtet werden solle. *) Frei nach Treitschke.