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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
Seite 285 (sequence 9)
Language
German
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Ltr. 16. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 285. Jndustriegescllschaften. Zn alleil Zeiten scheinen sie das ganze Menschengeschlecht von China bis Peru überschaut zu haben. Es gab keine entschlosseneren und unerschrockeneren Pioniere als die jüdischen Reisenden des Mittelalters, welche bis in die entlegensten Gegenden Länder und Meere durchkreuzten, um Kienes und Fremdes herbeizuführen. Kolumbus würde schwerlich seine berühnrten Reisen haben unternehmen können, hätten ihn nicht spanische Jllden durch Geld und persönliche Hilfsleistung llnterstützt. Auch Vasco de Gama hatte in seiner Begleitilng einen jüdischen Steuermann. Die spanischen Kolonien Süd-Amerikas vergalten denJuden aber Gutes mit Bösem. Unter den haarsträrrbenden Berichten über die Inquisition in Spanien besinden sich an erster Stelle die blutbefleckten Seiten, ivelche von den unzähligeil jüdischen Märtyrern erzählen, die der Undankbarkeit ihres Landes und dem fanatischen Wahn, als wäre es znm Gewissensrichter bestimmt, zum Opfer fielen. Verlasseil lvir die alte Geschichte, so sehen wir, daß der Fuß jüdischer Reisender bei allen wichtigen Kolonisationsbestrebnngen späterer Jahrhunderte mit in der vordersten Reihe stand. Eiil jüdisches Element offenbart sich in allen Richtungen kolonisatorischer Unternehmnilgeil. In Westindien batieren jüdische Gemeinden ihre Existenz zurück in eine weit entlegene Periode, und die Zeit dürfte nicht mehr fern sein, in welcher eine gründliche Forschung in den Berichten über diese Gemeinden in Angriff geilommen werden wird. Sogar die zerstreuten Fakta, welche nur vereinzelt ans Licht treten, beweisen die Existenz sehr alter jiidischer Ansiedelungen in dänischen Kolonien (St. Thomas), in holländischen Kolonien (Curavao) und in englischen Kolonien (Jamaica, Barbados und Trinidad). Diese Kolonien sind jetzt in Verfall; aber bei Gründung der neuen Ansiedelungen, welche als Abzngskanal für die hemmenden und überflüssigen Kräfte Europas dienen, haben auch wieder Inden gerechten Anspruch auf 'Anerkennung; denn es ist ein Jrrtmn, wenn man glauben wollte, die Inden hätten gewartet, sich nach Victoria und 'Reusüdwales zu begeben, bis diese australischen Städte sich erst entivickelt hatten. Es befanden sich schon Juden unter den allerersten freiwilligen Ansiedlern — wenn auch nur wenige — welche ihre Reise auf öffentliche Kosten gemacht hatten. Es existiert eine wahre Geschichte von einem jüdischen unschuldig verurteilten Sträfling, welcher in dem Lande, wohin man ihn per Schiff transportiert hatte, angesichts des Gerichts feinen edlen Charakter bekundete, als seine Freisprechung erfolgt war. Wir haben auch Kenntnis von Juden, welche sich in Adelaide niederließen, als diese bevölkerte und blühende Stadt noch ein unbedeutendes Dorf war und Aehnliches wissen wir ans anderen Teilen des australischen Festlandes und den meisten Hauptzentren des Handels »nb der Industrie aus Ren-Seeland. Letzteres besonders ist dem jüdischen Unternehmnngsgeiste tief verschuldet und wir sind überzeugt, daß zur Herbeiführung der dieser Kolonie bevorstehenden großen Zukunst die Inden gewiß ihren Teil beitragen werden. Was die Beteiligung der Juden an der jüngsten Entwickelung der südafrikanischen Goldminen betrifft, so haben nur dieser schon erwähnt. Hier waren die Inden wieder die wirklichen Pioniere, nicht die bloßen Nachzügler, die nur gekommen waren, an dem Erfolge früherer Entdecker teilzunehmen. Tie Berichte, welche Nathanael Jsaacs über seine vor einem halben Jahrhundert gemachten Entdeckungen auf dem Gebiete des Geschäftsverkehrs in Natal und Zululand erstattet hat, gehören zu den aberteuerlichsten unserer Zeit. Auch den Familien Mosenthal und de Paß hat Süd- Afrika viel zu danken. Andere Namen ans der jüngsten Zeit, die sich um die Eutwickelung des Gold- und Diamantenhandels verdient gemacht haben, dürften unseren Lesern bereits schon bekannt sein. Vom Zauber der auf diesen Gebieten angehäuften persönlichen Reichtümer geblendet, übersehen die Menschen nur zu oft die Dienste, welche der Welt durch solche Unternehmungen Einzelner geleistet wurden. Der Boer unserer Zeit begreift schwer, daß, wo wenige viel gewinnen, alle etwas gewinnen. — Nachdem der interessante Artikel den englischen Glaubensgenossen mm noch einmal resümierend die hohe Bedeutung der Kolonisationsbestrebnngen ans Herz gelegt hat, schließt er mit den Worten: „Daß in den englischen Kolonien der Antisemitismus keinen Boden gewinnen konnte, hat wohl zum Teil seinen Grund darin, daß jüdische Kolonisten meistens auch gute Juden sind." L. Cohen-Rees. Red Imins Eidam. Eine Trillichauer Geschichte. Von Manuel Schnitzer. (Nachdruck verboten.) Alan konnte sagen, was man Ivollte; man konnte schelten, schreien und in den höchsten Zorn geraten, dies alles rührte Peeritz nicht ini geringsten. Ruhig blieb er stehen, wo er stand, die.Hände in den weiten Taschen seiner in allen Farben schillernden, stellenweise abgeschabten Atlaspekesche vergraben, und schaute nur verwundert um sich, als wollte er sehen, wein der unfreundliche Empfang eigentlich gelte. Und wenn man es einmal über sich brachte, den rotwangigen Burschen zu einer Thür hinanszuwerfen, so durfte man zuversichtlich erwarten, daß er zu einer andern wieder hereinspazieren werde, mit derselben phlegmatischen Würde, demselben unerschütterlichen Lächeln auf dem lüsternen, breiten Munde. Dazu besaß er in solchem Falle so eine Art mit den Augen zu zwinkern, so eine eigentümliche Art, die sich nicht beschreiben läßt; es lag etwas ungemein Vielsagendes darin, eine ganze Kette unausgesprochener Schelmereien — so pflegt ein gutgelaunter Spitzbube einen zweiten, der sich gern vor ihm verstellen möchte, kameradschaftlich anzublinzeln. Es gab inderthat Leute, die ihn für dumm hielten: die gehörten selbst nicht zu den Allerklügstcn in Drillichau. Andere dagegen meinten, er stelle sich nur dumm, was jedenfalls keinen geringen Grad von Schlauheit erfordert. Was Peeritz selbst anbetrifft, so muß der Wahrheit gemäß gesagt werden, daß er sich weder um die einen, noch um die anderen kümmerte; er gab sich gegen jedermann in der gleichen einfältigen Weise, und so ist das Rätsel seines Wesens bis an sein Lebensende nicht gelöst ivorden. War er dumm? — Es konnte so scheinen. Anders wenigstens ließ sich der Umstand nicht erklären, daß er das ' Almosen, ivelches ihm, dem starkknochigen, von Gesundheit

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