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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
Seite 282 (sequence 6)
Language
German
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I "V I rf •V- ’Wv11/ •'• o> i4:. - ■ Seite 282. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 16. Betrachtung einleitet, woraus einige Sätze' als recht zeitgemäß auch hier einen Platz finden mögen. „Seit manchem Jahr — heißt es dasebst — dröhnt die Klage über Mangelhaftigkeit der Bücherbesprechungen durchs deutsche Land. Wenn nun die Verfasser selbst ihre Bücher anzeigen, so ist ja klar, daß der Verfasser nicht sein eigenes Werk loben kann; aber er kailn den Inhalt angeben, sein Ziel bezeichnen, sagen, was er gewollt hat, und dadurch dem Publikum die Möglichkeit schaffen, selbst das ihm Behagende ans der Masse zu wählen. Mit anderen Worten: der Verfasser soll für die Zeitung eine Art zweiten Vorworts Herstellen." Und damit schließe ich auch diesen Aufsatz und soll es mir recht sein, wenn es im Vorstehenden gelungen, das Gleiche in diesem Falle für Interessenten der Sache der Schul- und Hans-Bibel zu leisten. U) o ch e n - (£ I? r o n t k. Berlin, den 15. April. — Hertrogs Krone. Rudolph Hertzog inseriert im „Berliner Tageblatt" — das ist das neueste vom Tage und verdient in der That an dieser Stelle registriert zu werden. In Jonrnalistenkreisen konnte man zwar manches gute Witzwort hierüber vernehmen. Die einen meinten, Hertzog inseriere im Tageblatt, weil der Liberalismus desselben verblaßt sei; andere behaupteten, die Zuwendung von Inseraten seitens der genannten Firma sei eine Art Anerkennung dafür, daß Herr Rudolf Moste keinen llngetauften mehr als Redakteur anstelle. Allein für uns ist diese Thatsache aus einem ande rcn Grunde interessant. Ter verstorbene Gründer dieser Firma hat bekanntlich den Urhebern der „Berliner (antisemitischen) Bewegung" Hunderttansende in den abgrundtiefen Rachen geworfen. Als er später den wahren Wert dieser Ritter von Furcht und Tadel kennen gelernt, soll er sich verstimmt zurückgezogen haben. Nach seinem Ableben brachen die Erben mit den „Traditionen" ihres Hauses, indem einer derselben eine große Summe zu einer konfessionslosen Stiftung schenkte und einen irdischen Anwalt zum Kurator einsetzte. Jetzt wird aber auch der Bann, mit dem alle „Jndenblätter" bei der Verteilung von Anzeigen der viel inserierenden Firma belegt waren, gelöst. Und dieser neue Beweis von Toleranz gegen Andersdenkende darf bezeichnet werden als die Krone des jungen Hertzog. — „Tie Juden sind keine Deutschen" — so sagt Meyer, der Lexikon-Meyer, irr der neuesten Auflage seines Werkes, das nunmehr neben den 27000 Abbildungen auch ein Zerrbild enthält. Bei der Aufzählung der Nichtdentschen im Reiche heißt es nämlich: „Im deutschen Reiche gab es 1890: Franzosen 220000, Wallonen 12058, Dänen 1.89400, Polen u. s. w. 2000010, Wenden 120000, Tschechen 02000, Littaner 122000, Inden 570000, Reichsausländer 438 000, zusammen ca. 4 700000." — Das nämliche Lexikon wird natürlich in einem weiteren Bande einen Artikel über die preußische Staats- und deutsche Reichsverfasfimg bringen, der das strikte Gegenteil besagen wird. Das schadet aber nichts. Das Lexikon wird jetzt von der gesamten Antisemitenpreffe gepriesen — das schadet ihm auch nichts, denn das hat es verdient! — Ferdinand Gumbert, der gemütvolle Komponist manch' stimmungsvollen Liedes, ist hochbetagt gestorben und am letzten Donnerstag auf dem alten jüdischen Friedhof in alt-jüdischer, prnnkloser Weise bestattet worden. Von den zahlreichen Nachrufen, die die Tagespresse dem Entschlafenen gewidmet, heben wir nur einen hervor, weil er bezeichnend ist — nicht für den Charakter des Entschlafenen, der über jeden Zweifel erhaben ist, sondern für die Charakterlosigkeit antisemitischer Blätter, die nicht minder über jeden Zweifel klar ist. Der "Nachruf lautet: „Nun haben wir ihn begraben, den alten Ferdinand Gumbert. Draußen ans dem alten Friedhof in der Schönhauser Allee ist die letzte Ruhestätte, zu der ihn am Donnerstag Nachmittag Verwandte und Freunde begleiteten. Ganz wie es dem Wesen des anspruchslosen Mannes entsprach, war die Feier durchaus prunklos und einfach. Die kurze Ansprache des Geistlichen war eingeleitet von Chorgesang und gefolgt von einem stimmungsvollen Solo mit Harmoninmbegleitung, einer Weise des Entschlafenen selbst. Zahlreiche Kränze deckten seinen Sarg, dagegen war die Zahl der Leidtragenden nicht allzu groß. Wir bemerkten u. a. nur wenige Angehörige der Presse und Kunstwelt. Aber als man seinen Sarg in das kühle Grab senkte, da sangen die Vögelein von den knospenden Zweigen herab, als ahnten sie, daß man hier einen frohen Sänger, ein allzeit heiteres Menschenkind bestatte." Diese Zeilen sind nicht etwa in irgend einem „Jndenblatt", sondern in der antisemitischen „Tägl. Rundschau" zu lesen, deren Musikreferent der Verstorbene jahrelang gewesen. Man beachte nun die Geschicklichkeit, mit der der Nachruf abgefaßt ist, indem mit keinem Worte angedeutet wird, daß Gumbert ein Jude gewesen. Das Blatt, in dessen Spalten die Bezeichnungen „Jude" und „jüdisch" ungemein häufig zu lesen sind, har es über sich gebracht, dem „alten Friedhof in der Schönhauser Allee" das ihm gebührende Beiwort „jüdisch" vorzuenthalten, ans dem Rabbiner einen konfessionslosen „Geistlichen" zu machen und auch den Synagogen-Chor, welcher die Gesänge vortrug, in liebenswürdigster Weise zu umschreiben. Und das ist auch erklärlich. Wäre es denn nicht entsetzlich, wenn die Leser der „Tägl. Rundschau" erführen, daß sie jahrelang ahnungslos durch semitischen Geist vergiftet wurden? — „Ter Kamps ums Dasein und die Juden." Unter diesem Stichwort las ich kürzlich an dieser Stelle (in Nr. 18 dies. Bl., S. 235) einen bemerkenswerten Ausspruch von Pros. Dodel-Zürich. Lebhaft erinnert wurde ich dabei an einen vielleicht nicht minder interessanten Gedanken des in der politischen Geschichte, sowie in der Nationallitteratnr seines Landes gut bekannten italienischen Staatsmannes Massimo d'Azeglio (gest. 1866), den dieser in seinen posthum erschienenen „Denkwürdigkeiten" verzeichnet hat, und der manchem der geehrterr Leser noch neu sein dürfte. „Die jüdische Nation selbst," so schreibt d'Azeglio, „liefert einen der sonderbarsten und bewunderungswürdigsten Beweise für die Wahrheit, daß das Recht wahrhaft unsterblich wird, nicht durch die aktive Kraft, sondern durch die passive. Heutzutage erlangt dieses Religionsvolk allgemein die Anerkennung seiner Rechte, welche ihm von Titus angesangen bis jetzt verweigert worden. Achtzehn Jahrhunderte hindurch standen ans der einen Seite zivei-bis dreihundert Millionen Christen und ungefähr hnndertsechszig Millionen Js- U

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