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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-17 · 16 (17.4.1896) · p. Seite 281

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
Seite 281 (sequence 5)
Language
German
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Nr H>. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 281. wird demnächst auch ein siebenter ausländischer Rabbiner in Berlin angestellt werden.*) Im Privatverkehr mit einem simplen Feld-, Wiesen- und Wald-Kultusbeamten fiitb übrigens gerade die ausländischen Rabbiner viel man verzeihe das harte Wort! - kollegialischer, als die deutschen Rabbiner, die mitunter nicht wissen, ivelchen Ton sie uns gegenüber anschlagen sollen. So wurde ich vor einigen Jahren von einem Kantor einem Rabbiner, echter Germane! -- und dessen Frau vorgestellt. Gr hatte „mir nichts zu sagen." Frau Tr. aber behandelten mich zu seinem sichtbaren Entsetzen wie einen veritablen Kollegen. "Rach der Audienz wurde natürlich die Frau über meinen wahren "Wert ansgeklärt, und als ich das ehrwürdige Ehepaar am "Rachmittag in einer Gesellschaft traf, war „sie" so ehrlich mir zu gestehen, sie hätte niich für einen Rabbiner gehalteir! „Ich bin sogar auch - Lehrer!" antwortete ich. Resümieren wir uns nun: Unsre Seelsorge ist gleich "Rull: unsere Predigten verhallen nach Schluß des Gottesdienstes. "stur was wir in der Schule leisten, hat Bestand. Und ob man ilns Tr., Rabbiner oder Lehrer nennt — wir alle werden nur nach dem Werte unserer Leistungen in der Religioitsschnle beurteilt und gewogen! Air Schulintb ijitiiöliilifl-friicir. Bon Rabbiner Dr. L. Tr eitel, Laupheim. ll. Soll denn aber doch und der Versuch muß immer wieder gemacht iverden die Bibel sich wieder in der Familie einbürgern, zu einem „Blatt fürs Hans" in dem bestell Sinne iverden', so muß - ich möchte sagen — so manches in ihr dem modernen Geschmack auch erst mundgerecht gemacht werden, und das geschieht am besten durch Bearbeitung, die ohne das Kolorit, den Herzton der Sprache der Bibel zir verwischen und zu unterdrücken, doch im einzelnen den veränderten Geschmack der Feit Rechnung tragen kann, und das viel eher, als es bei schwerfälligem Uebersetzungsdentsch möglich ist. Haben es ja auch unsere Alten nicht anders gemacht; ich erinnere nur an die Art, wie ganze Bibelabschnitte in unseren Midraschim verarbeitet wurden, entsprechend dem Geschmacke jener Zeit. Für die Schule kommt nur noch besonders dazu, daß bloßes Aneinandcrreihen von Bibelversen wie bei bloßer Uebersetznng noch nicht Geschichte, auch nicht biblische Geschichte im heutigen Sinne ist, wie wir sie für Schulen brauchen, denn da ist manches anders zu ordnen,;u gruppieren, da Kürzung und Zusammenziehung, dort Ausführung oder auch ein Uebergang und dergleichen mehr nötig, vollends so in der späteren Königsgeschichte, die ihren Stost bekanntlich mehreren biblischen Büchern entnimmt, der Chronik, den Propheten, ebenso wie den Büchern der Könige, wo erst ein Ineinanderverweben und Ineinanderarbeiten der Erzähliuigen von der einen und anderen Quelle dem Geschichtsbilde Fülle und Abrundung giebt. Ein Verweisen der Stücke ans Chronik, Iesaia, Ieremia u. a. in *) Vorderhand wird wohl gar keiner angestellt. Denn einer, der allen Richtungen genehm, ist nicht so leicht gefunden, und einen Schützling der Protektionen wird sich die Gemeinde nicht mehr auf dränge» lassen. Red. Fußnoten, wie ja das auch geschehen, wäre alles eher denn eine kunstgerechte Darstellung, die Zusammengehöriges in einander zu verweben hat, abgesehen davon, daß durch lange Fußnoten der Fluß der Darstellung unterbrochen wird, was für Schule und Hans immer störend. Daß die Bearbeitung an Stellen auch breit werden kann, soll nicht bestritten werden, aber nur da sott es geschehen, wo ohne ein erklärendes, übrigens in die Geschichtserzählnng selbst einzuflechtendes Wort, das Bibelwort nicht verstanden wird. Beim Buche Jona dünkt mir solche Bearbeitung statt bloßer Uebersetzung geradezu Pflicht gegen das Laientum, da dieses um gewisser Stellen willen nur gar zu leicht die Zielscheibe von Spott und Hohn wird, wie mancher mit mir im Leben erfahren haben wird, und dies alles bei sonstigem Respekt und Pietät der Lentegegen dies heilige Schrift. Sagen doch auch die Alten zu gewissen Schriftstellen: m rn irr'sb pic£ n:?rc.“ Zur Frage der „Bibelsprüche" im Religions-, spez. biblischen Geschichts-Unterricht hier nur so viel. Eine jede biblische Geschichte, da sie in erster Reihe dem Gesinnnngsunterricht zu dienen hat, soll mit einem den ethischen Kern in sich fassenden Bibelspruch abschließen. Auch eignet sich so die Jugend fast spielend, was garnicht zu unterschätzen ist, einen Schatz von „geflügelten Worten" oder Aussprüchen der Klassiker der Bibel an, und die systematische Religionslehre, bei der Lehrende wie Lernende nur zu oft und gerechterweise über Langeweile klagen, erfährt bei solchem Verfahren einen erfrischenden, verlebendigenden Hauch, in dem Lehre und Leben oder Handlung, die vor allem das jugendliche Gemüt interessiert, wie im Bibelspruch und der voraufgehenden Erzählung eins werden. Aus dem gleichen Grunde soll auch die Ueberschrift biblischer Geschichten, wo es irgend angeht, gleich auch den ethischen Kern der Erzählung andeuten. Zum Schluß noch ein Wort über die poetischen Abschnitte der Bibel bezw. deren Bearbeitung in eine)? Schul- und Hansbibel. Was poetisch in der heiligen Schrift, sott, um den Genuß der Lektüre auch genußreicher zu machen, auch rhythmisch wiedergegeben nnd solches auch schon äußerlich durch Einrücken der Zeilen erkennbar gemacht werden. Es dürfte ja nachgerade Zeit sein, auch ästhetischer Würdigung der Bibel die Wege zu bahnen bei Jung und Alt. Aber wohlverstanden: nur rhythmisch, nicht gereimt, wie längst das Herder (Geist der hebr. Poesie) imd de Wette in seinem Kommentar der Psalmen überzeugend dargethan. In solchen rhythmisch bearbeiteten poetischen Bibel-Abschnitten ist zugleich willkommener Stoff zum sogenannten Bibellesen in der Schule gegeben. Qb ich noch hinznznfügen habe, was bereits bekannt sein dürfte durch Publikation der Verlagsbuchhandlung I. Bensheimer in Mannheim, daß nach den im Vorstehenden erörterten didaktischen und ästhetischen Grundsätzen auch bereits der erste Teil solcher Bearbeitung von Schul- und Hansbibel, enthaltend biblische Geschichten nach dem Wort der Bibel, von mir selbst und bei größtmöglicher Billigkeit im Preise da ist? Und ob danach das Gesagte ans eine Art Selbstanzeige hinanslänft? Und wenn dem so wäre? Zn rechter Zeit eröffnet die bestrenommierte Zeitschrift „Zuklinft" eine Rubrik Selbstanzeigen, die sie mit einer beherzigenswerten

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