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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-10 · 15 (10.4.1896) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
15 (10.4.1896)
Date
1896-04-10
Page
Seite 275 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 15. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 275. Zusammenleben zurückblicken zu können. Der Jubelgreis erstellt sich eines so guten Wohlbefindens, daß er täglich iloch seinen Spaziergang machen kann; arrch das Mütterchen ist noch von seltener Rüstigkeit. * Wie», 6. April. Graf von Sternberg teilte dieser Tage einiges über seine Reise im Süden Afrikas mit. Der Forschnngsreisende hat mehrere Gebiete des schwarzen Weltteils durchstreift unb seine Studien über die Landstrecke des iil den letzten Monaten oft genannten Transvaal ausgedehnt, um die sozialen unb politischen Verhältnisse und Zustände daselbst eingeheild kennen zu lernen. Jnsonders häufig, erzählte er, habe er mit den dortigen Inden verkehrt. Sein Urteil über diese ist das denkbar günstigste. Seiner Behauptung nach bilden die Juden sowohl in der Hauptstadt Johannesburg rvie ill der gesamten Provinz den gediegensten und iiltelligentesten Bruchteil der gesamten Bevölkerung. X Bern, 0. April. Professor Asser, Mitglied des holländischen Geheimrats, vertritt Holland, und Signor Ottolenghi vertritt Italien bei der internationalen Konferenz der Staaten, welche sich der Berner Konvention angeschlossen haben. % Rom, 5. April. Der ausgezeichnete jüdische Diplomat, Signor Giacomo Malvano, Staatsrat, wurde zum General- Direktor des Kabinets der auswärtigen Angelegenheiten in dem Ministerium Rndini ernannt. Signor Malvano hatte sowohl diesen Posten, als auch den eines Unterstaatssekretärs bereits in früheren Kabinetten inne und entfaltete stets eine so vollendete Geschicklichkeit und Kunst im Verkehr mit den Botschaftern der Mächte, daß er von ihnen als der wirkliche Minister der auswärtigen Angelegenheiten betrachtet wurde. — Eine beträchtliche Anzahl jüdischer Offiziere befindet sich unter den Truppen, die zur Verstärkung des in Abessinien kämpfenden Heeres jüngst nach Afrika abgegangen sind. Erwähnenswert ist vor allem Cavaliere Major Achille Coen, welchem das Kommando über das 40. Bataillon anvertraut wurde. Mehrere jüdische Offiziere nahmen teil an der Schlacht bei Adua, aber das Schicksal der einzelnen ist bis jetzt noch nicht bekannt. — Rabbi Leone Racach, Professor am Rabbiner-Seminar in Rom und Mitredakteur des „Corriero Israeliticoii, wurde zum Prediger bei der hiesigen jüdischen Gemeinde gewählt an Stelle des verstorbenen Oberrabbiners Ehrenreich. M Petersburg, 5. April. Rach dem Berichte, der bei der Verteilung von Diplomen an der Petersburger Universität am 8./20. Februar d. Js. vorgelesen wurde, befanden sich unter all den 3057 Studenten, des letzten Schuljahres nur 92 Juden, oder 3,01 %. Von diesen Letztgenannten erhielten die Folgenden Preise: Moses Sagalow: Silberne Medaille für eine physiologische Abhandlung; Boris Ginzburg: Goldene Medaille für eine Studie über Erkrankungen der Knochen; Grigorig Klein: Silberne Medaille für eine Studie über die Geschichte des römischen Rechts; Moses Friedlyanskiy: Ehrendiplom für eine Studie über Finanzgesetze. Kischinew, 3. April. Tie örtlichen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten, welche ans derKorobka-(Fleischsteuer) unterhalten werden, stehen einer ernsten Krise gegenüber. Tie vom Senat bestätigten Regeln über die Erhebung der Korobka muß zweifellos die Erträge ans derselben herabmindern. Früher wurde die Steuer im Schlachthause erhoben, jetzt ist dieselbe nach der Vorschrift des Senats in den Fleischbuden für jedes einzelne verkaufte Pfund „koscheren" Fleisches beizntreiben. Es liegt ans der Hand, daß infolge dieser Reform der Pächter der Korobka einen ganzen Stab von Kontrolleuren unterhalten muß, um den Handel mit Koscherfleisch zu überwachen; naturgemäß wird der Pächter bei dem nächsten Ausgebot der Steuer einen bedeutend geringeren Betrag bieten können, welcher Umstand dann direkt aus obenerwähnte Anstalten einwirken muß. 8r. New-Pork, 22. März. Herr Ahlwardt bleibt vorläufig noch hier und giebt ein antisemitisches Wochenblatt heraus. Die erste Nummer des Blattes, das nach Angabe seiner abtrünnigen Bundesgenossen Hessel und Schwertseger mit geschnorrtem Gelde hergestellt wurde, ist erschienen. Sie trägt das Motto: „Greif nur hinein in's Wespennest, und wenn Tu greifst, dann greife fest!" Das Schönste ist, daß das von rohen, sinnlosen Jnvektiven strotzende Blatt von einem gewissen Friedow redigiert wird, welcher, wie hiesige Blätter mitzuteilen missen, erst unlängst dem Glauben seiner Väter untreu geworden und vom mosaischen Glauben zum Christentum und von dem Namen Schmuhl in den aristokratisch klingenden Namen Friedow übergetreten ist. 3t. New-^ork, 22. März. Die Gemeinde Schaare Tefilla, oder wie sie sich jetzt nemrt, West End Synagoge, welche am Samstag ihr fünfzigjähriges Jubiläum feierte, veranschaulicht so recht die Wandlung, welche die neue amerikanische Atmosphäre in dem Geistesleben und der religiösen Richtung der Gemeinden zu Wege bringt. Ursprünglich eine der orthodoxesten Gemeinden, folgte die Gemeinde Jahre lang der Führung des Reverend Samuel M. Jsaacs. Mit aller Kraft seiner ehrlichen Seele donnerte er gegen eine jede Neuerung, gegen jede Reform. Als seine neue Synagoge in der West 44. Straße eingeweiht wurde, lud er sich die damaligen Reform- Rabbiner ein mid machte sich das Vergnügen, ihnen ganz gehörig den Text zu lesen und ihr Treiben zu geißeln. Heute ist die Schaare Tefilla-Gemeinde in die West End Synagoge umgetauft, heute ertönt die Orgel ihre schönsten Melodien zur Feier des 50jährigen Jubiläums, heute sitzen Männlein und Weiblein gemütlich beisammen in ihren Kirchenstühlen, lassen sich die meisten Gebete in der Landessprache vorrezitieren und beten aus dem von Jsaac M. Wise eingeführten Gebetbuch, aus dem alles, was an die jüdisch-nationale Vergangenheit erinnert, verbannt ist. Wir leben sehr schnell in Amerika! 7 Tanger, 27. März. Hier starb am 8. d. M. der Pater Jose Lerchundi, eine der populärsten Gestalten Maroccos. Der „Reveil du Maroc“, ein im Geiste und Interesse des Judentums redigiertes Wochenblatt, widmet demselben einen warmen Nachruf, in welchem besonders die Toleranz des Verstorbenen gegen Andersgläubige gerühmt wird. Welcher Beliebtheit derselbe sich in allen Schichten der Bevölkerung zu erfreuen hatte, zeigte die Beerdigung, bei welche/ alle Stufen aller Glaubensbekenntnisse vertreten waren. Wohl alle Europäer und die M ehr z a h l d e r jü d i sch e n G e m eind e (Tanger hat 8000 Inden) waren gegenwärtig. Der Tod des Pater Lerchundi hat den Inden Maroccos einen warmen Freund und Fürsprecher entrissen. Ehre seinem Andenken!

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