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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-10 · 15 (10.4.1896) · p. Seite 274

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
15 (10.4.1896)
Date
1896-04-10
Page
Seite 274 (sequence 14)
Language
German
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Seite 274. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 15. gegen das göttliche Gebot zu handeln; da sprach das Weib: „Du weißt, daß ich den Tod verschuldet und freust Dich, nach meinem Ableben, aus Deine zweite Frau". Und Adam — aß. _ (Midrasch Rabba.) Hier und dort. * Berlin, 7. März. Die Vorsteher der hier bestehenden fünf größten Vereine zur Unterstützung erwerbsunfähiger und Gewährung von Darlehen an unbemittelte Mitglieder waren neulich zusammengetreten, um eine Konzentration der Wohlthätigkeit dieser Vereine anzubahnen. Wie wir hören, ist der Wunsch nach Konzentration vornehmlich aus der Erfahrung hervorgegangen, daß einzelne arme Mitglieder, die mehreren Vereinen angehören, in Krankheitsfällen die Unterstützung aller Vereine in Anspruch nehmen. Die angebahnten nahen Beziehungen der einzelnen Vereine zu einander sollen eine gewisse Kontrolle ermöglichen. Von verschiedenen außerordentlichen Mitgliedern um ein objektiveAUrteil ersucht, nehmen wir Veranlassung, nns gegen die geplante Neuerung auszusprechen. Die Vereine sind ihrem Namen und Wesen nach Humanitätsvereine. Sie würden diesen Ehrennamen zu Unrecht führen, wollten sie in Zukunft ihr Herz und ihre Kasse den armen Mitgliedern verschließen. Zum Vergnügen wird keiner krank und ans Ueberfluß wünscht niemand Unterstützung. Die Unterstützung, die arme kranke Mitglieder — durch die Krankheit doppelt arm — erhalten, ist zu gering, als daß sie den Ausfall an Verdienst und die Ausgaben für Medizin, Pstege re. decken könnte. Ein Kranker, der von mehr als einem Vereine unterstützt wird, wird demnach trotzdem vor Ueberfluß nicht bersten. — Die Vereine gleichen aber auch gewissermaßen Versicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit. Ich habe das Recht, mein Leben in mehreren Gesellschaften zu versichern, und wofern ich an alle meine Jahresprämie zahle, habe ich von allen die Versicherungssumme zu fordern. Genau so verhält es sich mit unseren Vereinen. Gewiß, sie gewähren dem Kranken mehr als er geleistet; allein dafür sind sie eben Hum an itäts vereine und dazu tritt man ihnen als außerordentliche Mitglieder bei. Die außerordentlichen Mitglieder zahlen ihren Jahresbeitrag, ohne eine Gegenleistung zu beanspruchen, damit man die Armen befriedige, die mehr beanspruchen, als sie zahlen. * Berlin, 6. April. Der Vorstand der „Jüd. Lesehalle" sendet uns einen Aufruf, der dieser Tage au die wohlhabenden und wohlthätigen Mitglieder der hiesigen Gemeinde versandt worden ist. In dem Aufruf wird aus die Nützlichkeit der Lesehalle hingewiesen und um Unterstützung dieses Werkes durch Beitritt als Mitglied oder Ueberweisung eines Beitrages ersucht. Gern schließen wir uns diesem Ausrufe an, und fügen noch hinzu, daß Zuschriften und Beitrittserklärungen an Herrn B. Levy, Klopstockstraße 78 zu richten sind. *** Berlin, 8. April. Unter dem Vorsitz des Herrn Julius Jsaac fand am 7. April die Beratung über die Verwendung der in den Sparkästchen des „Kinder-Spar-Vereins" gesammelten Gelder statt. Es wurde beschlossen, einen Ausschuß, bestehend aus 7 Personen, und zwar 4 Herren und 3 Damen des Gesamtkomitees zu wählen. Der Vorsitzende dieses Ausschusses tritt mit dem Vorsitzenden der Waisen-! Kommission der hiesigen jüdischen Gemeinde in Verbindung mit dem Ersuchen, alle Anträge von Bittstellern, welche die Waisenkommission selbst aus prinzipiellen oder anderen Gründen ablehnen muß, die indessen sonst für berücksichtigungswert erachtet wurden, zu überweisen und die Gutachten der Rechercheure beizusügeu. Aber auch sonst hat der Ausschuß bedürftige Kinder nach festgestellter Würdigkeit und nach Anhörung der mit den Recherchen beauftragten Personen, welche immer dem Gesamtkomitee angehören müssen, zu unterstützen. Ebenso soll den dazu geeigneten Kindern die Wohlthat der Ferienkolonien, der Blinden- und Taubstummen-Anstalten teilhastig werden. Der Ausschuß wird stets auf ein Kalenderjahr gewählt und ist die Wiederwahl statthaft. Die übrigen Bestimmungen betreffen hauptsächlich die Geschäftsordnung des Ausschusses. Die Satzungen, bestehend aus 17 Paragraphen, die der Vorsitzende zur Beratung stellte, wurden einstimmig angenommen. Es wurde ferner mitgeteilt, daß bis jetzt 1400 Sparkästcheu ausgegeben sind und daß schriftliche Anträge auf Zusendung von Sparkästchen an Frau Cäcilie Friedländer, Bellevuestr. 0 zu richten sind. Die erste Entleerung der Sparkästchen, welche vor dem 1. April ausgegeben sind, findet im Juni statt, die zweite im Dezember, lieber den Modus der Entleerung der Sparkästchen wird den betreffenden Familien seiner Zeit direkte Nachricht zugehen. *** Potsdam, 1. April. Eine ergreifende Feier hat am ersten Peßachtage in unserer Synagoge stattgesunden. Unser allgemein beliebter Rabbiner, Herr Dr. Tobias Cohn, bestieg zum letzten Mal die Kanzel, um von seiner geliebten Gemeinde Abschied zu nehmen. In schwungvoller Rede, mit Zugrundelegung desjenigen Textes, welchen er vor ungefähr 40 Jahren in seiner Antrittspredigt verwendet hatte, entrollte er ein Bild seiner amtlichen Thätigkeit und gedachte in Dankbarkeit der Liebe und des Wohlwollens, die er in Fülle hier genossen, der Ehren, welche ihm zu seinem 70. Geburtstage erwiesen, und der hohen Auszeichnung, die ihm von allerhöchster Stelle zureil geworden sind. Thränenden Auges nahm Herr Dr. Cohn von seiner Gemeinde Abschied und mit thränendem Auge sahen die Mitglieder ihren Seelsorger scheiden. Die herzlichsten Wünsche seiner Gemeinde begleiten ihn in den wohlverdienten Ruhestand. * Hannover, 3. April. Die Volkszählung vom 1. Dezember 1895 hat ergeben, das die Zahl der Israeliten sich auf 4075 beläuft, was 1,94 Prozent der Gesamtbevölkerung beträgt. Gegenüber der Zählung von 1890 ist eine schwache Abnahme des Prozentsatzes der Israeliten und eine fühlbare des Prozentsatzes der Protestanten, dagegen eine Zunahme der Katholiken zu konstatieren. Ci Hannover, 6. April. Die bekannte Prinzipiensrage, ob jüdische Kultusleiter als Geistliche anzusehen und ob ihnen demgemäß die Zahlung der Kommunalsteuer zu erlassen sei, wurde jüngst auch hier im negativen Sinne erledigt. Der Landesrabbiner sowohl als auch etliche andere Kultussunktionäre werden angehalten, hinfort die Kommunalabgaben zu entrichten. □ Dinslaken, 1. April. Die eiserne Hochzeit begehen am 13. April die Ehelente Herr Levi El kan und Frau Sarah geb. Leser Hierselbst. Im Jahre 1804 bezw. 1812 geboren, ist es dem Paare vergönnt, aus ein 65 jähriges

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