Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 15 (10.4.1896)
- Date
- 1896-04-10
- Page
- Seite 267 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 267. cprenensischen Bodens komnit der Thätigkeit des Menschen sehr entgegen, er ladet, wie selten nur, zum Ackerbau und zur Viehzucht ein, auch die Anlagen von Plantagen, beispielsweise solche von Oelbäumen, wäreir hier leicht durchznführen und erweisen sich weit dankbarer als in Palästina. Eugen Doctor. $ c u 111 e t o n. Der t'dipfc Altschritt. (Eine Ansprache an Israels Jugend.) Von Zadoc Cahn, Groß-Rabbiner von Frankreich. „Den Weisen führt der Weg de? Lebens zur geistigen Höhe." (Sprüche 15, 2 t.) Eine schöne talmudische Sage erzählt, daß in jener Zeit, als Gott Israel zu erwählen beschlossen, er von unseren Vorfahren Bürgschaft dafür verlangt habe, daß sie der gevffenbarten Lehre für ewige Zeiten treu und ergeben bleiben würden. „Tie heiligen Erzväter werden für uns bürgen," versicherten unsere Vorfahren, „sie, die ihr ganzes Leben, ihr ganzes Sein der Verbreitung dieser erhabenen Ideen gewidinet, die stets in der Erfüllung ihrer übernommenen Pflichten gelebt haben." „Nein," erwiderte der Schöpfer, „ich kann diese Männer als Bürgen nicht annehmen, da sie trotz ihrer Ergebenheit und Frömmigkeit auch ihre Schwächen und Fehler hatten." — „Nun, so sollen die Propheten für uns bürgen — jene heiligen Männer, die Tu, o Gott, dereinst erleuchten wirst und welche in ihrem Eifer für die göttliche Lehre flammende und zündende Worte stnden werden, um uns, wenn nötig, zu ernmhnen und zu belehren." — „Auch diese Bürgen genügen mir nicht," sprach der Schöpfer, „denn auch die Propheten werden sich nicht immer bewähren und ihrer Mission stets eingedenk bleiben." — „So bringen wir Dir unsere Kinder," sprachen unsere Ahnen, „sie, in ihrer kindlichen Unschuld, bürgen Dir, daß wir Deiner Lehre für ewige Zeiten treu uud anhänglich bleiben." Diese Bürgschaft habe nun Gott angenommen, erzählt jene talmudische Sage, und offenbarte darauf die Zehn Gebote, die der Menschheit neue Bahnen der Sittlichkeit eröffneten, sie in der Erkenntnis der menschlichen Rechte und Pflichten belehrten. Das feierliche Versprechen, das unsere Vorfahren am Sinai gaben, wurde später aus ihre Nachkommen vererbt, von diesen wiederum auf die kommenden Generationen. „Es bestätigte sich das Zeugnis in Jakob und die Lehre blieb in Israel, die Gott unseren Vorfahren gab, um sie ihren Kindern zu verkünden" (Psalm 78, 5). In wenigen Wochen feiern wir das Fest der Offenbarung. Die Zehn Gebote haben für uns in unseren Gebetstätten dieselbe Bedeutung, dieselbe Wichtigkeit, wie einst für unsere Vorfahren in der Wüste. Das Bündnis, das Gott damals mit unserm Volke geschlossen, erneuern wir alljährlich in unserer Erinnerung. Und bei dieser Gelegenheit dürfen wir wohl die Frage anfiverfen, ob ivir vor Gott erscheinen und sagen dürfen: „Wir haben, o Gott, das Gelöbnis gehalten, das unsere' Vorfahren vor mehr als drei Jahrtausenden ausgesprochen; ebenso wie unsere Eltern auf uns die heilige Lehre unvermindert vererbt haben, so ist es unser innigster Wunsch, sie auch ungeschmälert auf unsere Nachkommen zu vererben. Da sind sie, unsere geliebten Kinder, sie sind vom Bewußtsein der Pflicht durchdrungen, die sie gegen Dich, unfern Schöpfer, haben. So weit es in unserer Kraft war, haben wir dafür Sorge getragen, sie in der Lehre und dem Glauben zu unterweisen, die Du unfern Ahnen auf Sinai geoffenbaret hast. Wir dürfen sagen, daß wir das Versprechen, das unsere Vorfahren in unserm Namen gegeben, getreulich gehalten haben." Und wenn dem so wäre, wenn die Eltern Israels dies mit gutem Gewissen von sich sagen dürften, nun, da müssen wir an euch, ihr Jünglinge und Jungfrauen Israels, die Frage richten: Ist es euer Entschluß, euer fester Wille, in den Wegen zu wandeln, die euch eure Väter gelehrt haben? Wollt ihr die ehrwürdigen Ueberlieferungen Israels in Pietät und Ehrfurcht sortsetzen, die geschichtlichen Ueberlieferungen, achten, die unsere Vergangenheit mit der Gegenwart und diese mit der Zukunft verknüpfen? Seid ihr fest entschlossen, unsere heilige Lehre mit allen materiellen und moralischen Kräften zu verteidigen? Wollt ihr euch in eurem Lebenswandel und in all eurem Thun des Namens würdig machen, den ihr führet? Die Jugend Israels müßte von dein Gefühl, von dem Bewußtsein durchdrungen sein, daß ans einem jeden von uns eine sehr große Verantwortung ruht; in eurem Namen, ihr Jünglinge und Jungfrauen Israels, ist ein Gelöbnis abgegeben, zwischen Gott und unserm Stamme ein Vertrag abgeschlossen worden für ewige Zeiten; mit euch beginnt die Geschichte Israels, ihr bürgt für die Zukunft und für den Fortbestand des Judentums. Möge sich die jüdische Jugend dessen stets bewußt bleiben, daß sie für die Ehre ihrer Eltern bürgt, indem sie für den Fortbestand unsres heiligen Glaubens Sorge trägt und begeistert eintritt. Diese Pflicht, die Lehre Israels ungeschmälert den künftigen Geschlechtern zu erhalten, liegt uns allen ohne Unterschied ob. Meine Pflicht ist es außerdem, die Jugend zu belehren, sie aus die erhabene Mission aufmerksam zu machen, die Israel freiwillig in einem Moment der Begeisterung und des sittlichen Aufschwunges übernommen hat. Gewiß ist dies eine ebenso schwere wie heilige Aufgabe: das Reich der religiösen und moralischen Begriffe ist sehr groß und ausgedehnt; die Pflichten, die ich euch in Erinnerung zu rufen habe, die unvergänglichen Wahrheiten unseres Glaubens, über die ich euch belehren will, sind zahlreich und unermeßlich. Aber ich will es dennoch versuchen; mögen meine Worte ans einen fruchtbaren Boden stallen. * * * Wenn ein Heerführer seine Mitkämpfer und Mitstreiter am Vorabend eines verhängnisschweren Kampfes mustert, so so teilt er in einem solchen feierlichen Moment das Losungswort aus, das im Kamps für das Vaterland und für die soldatische Ehre begeisternd und entflammend wirken soll. Ebenso machte es einst der israelitische Held Gideon, als er mit einer kleinen Schar den Entscheidungskampf gegen einen mächtigen und zahlreichen Feind aufnahm; in dem Augenblicke, in dem er sich dazu anschickte, gab er das Losungswort aus: „Für Gott und für Gideon!" Auch ihr, meine jungen Freunde, tretet bald in den Kampf des Lebens, ihr werdet bald eure Kräfte messen müssen mit den verschiedenartigen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten des Lebens, mit unzähligen