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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-10 · 15 (10.4.1896) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
15 (10.4.1896)
Date
1896-04-10
Page
Seite 266 (sequence 6)
Language
German
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Seite 266. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 15. (Petersburg, 1892, zwei Bände) und seine zahlreichen Monographien über die Geschichte der Inden, die Juden in Polen und Saul Wahl. Fast alle seine Werke erschienen ursprünglich in den litterarischen Beilagen des russisch-jüdischen Blattes „Woschod", dessen Januar-Nummer die erste einer Reihe, leider unvollendeter Skizzen über „die srühesten Jeschiboth in Alt-Polen" enthält. In Anerkennung seiner verdienstlichen Leistungen, wählte ihn die Gesellschaft für die Förderung von Kultur unter den russischen Juden zum Ehrenmitgliede. Diese Gesellschaft hielt einen Trauergottesdienst für Professor Berschadski in der großen Synagoge in Petersburg und beabsichtigt zur Erinnerung an den Heimgegangenen Gelehrten ein bedeutendes Stipendium für arme Studenten zu gründen. — Die russischen Juden haben nirgends energischere Verteidiger als in der Mitte derer, die sie „ausgesogen" haben sollen — in der Mitte des Bauernstandes. Wie die Leser sich erinnern werden, haben im vorigen Jahre einige Banerngemeinden aus dem Gouvernement Kischinew dem Ministerium des Innern eine Denkschrift überreichen lassen, in welcher sie um die Zulassung von Juden zum ständigen oder zeitweiligen Aufenthalte in den Dörfern baten. Diese Bitte hatte Erfolg. Das Ministerium des Innern übermittelte die Denkschrift dem Dirigierenden Senate, und dieser verfügte, daß den Juden der Aufenthalt in den Dörfern und Marktflecken Bessarabiens wieder gestattet werde. — Von einer weiteren Kundgebung ähnlicher Art weiß der „Woschod" zu berichten. In Beresna versammelten sich die Bauern, um den auf einer Inspektionsreise begriffenen Bezirksvorstand zu begrüßen, und riefen, als sie seiner ansichtig wurden, wie Ein Mann: „Herr, erlaube, daß die Juden wieder zu uns fahren dürfen: sie kaufen uns unser Getreide um gute Preise ab, während wir, seitdem sie ausgewiesen wurden, unser Getreide an die orthodoxen Ausbeuter fast umsonst verkaufen müssen." Dabei zeigten die Bauern auf die in ihrer Mitte stehenden Getreidespeknlanten. DieForderungderBauerngemeinden überhaupt nachRückberufung der ausgewiesenen Juden bewog indessen die Vertreter der Stände, einen Kongreß eiuzuberufen, auf welchem die wirtschaftliche Lage des Landvolkes besprochen und die Mittel zur Hebung des ökonomischen Wohlstandes in den Dörfern ausfindig gemacht werden sollten. Dieser Kongreß fand in Lochwitz (Gouv. Poltawa) statt,, und die von demselben gefaßte Resolution wirft ein helles Licht aus die Verlogenheit und Fälschungskunst unserer Judenfeinde. Denn die Resolution, die übrigens dem Ackerbauminister übersandt worden ist, lautet: „Die Lage der Juden ist eine anormale. Alle redlichen Wege zur Erlangung eines Erwerbes werden ihnen verschlossen. Unter anderen Verhältnissen aber könnte die orthodoxe Bevölkerung die den Juden von der Natur verliehenen Fähigkeiten vorteilhaft ausnützen. Die Heranziehung der jüdischen Bevölkerung zur gleichberechtigten Teilnahme an dem ökonomischen Leben des Reiches würde auf den Wohlstand der Gesamtbevölkerung einen günstigen Einfluß üben, denn die Juden weisen die glückliche Vereinigung von Arbeitsamkeit, Ehrlichkeit und Unternehmungslust auf, welche Eigenschaften gegenwärtig zum Bedauern aller dem ökonomischen Leben des Reiches entzogen werden. Der Kongreß errachtet es deshalb für seine patriotische Pflicht, die gleichberechtigte Teilnahme der Juden am ökonomischen Leben des Reiches wärmstens zu befürworten." Die Manifestation des Kongresses gewinnt noch an Bedeutung, wenn man in Erwägung zieht, daß es sich hier um jüdische Händler handelt, gegen welche die Judenfeinde ihre giftigsten Pfeile richten. Man kann daraus wohl ersehen, wie das Volk erst über die jüdischen Handwerker denkt, die im Schweiße ihres Angesichtes ihr kärgliches Brot verdienen und deren Zahl 40 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung Rußlands ausmacht. — Die Juden in Barkn. So nah und doch so unbekannt sind uns Lage und Beschaffenheit eines Ländchens, welches, an den Thoren Europas gelegen, ein kümmerliches Dasein führt. Wir meinen jenes unter türkischer Oberhoheit stehende Gebiet, welches heut Barka genannt wird, im Altertum den Namen „Cyremaika" führte. Ehedem bis Anfang der 30er Jahre unseres Jahrhunderts mit Tripolis unter der Herrschaft einheimischer Fürsten, gelangte dieses Ländchen zufolge innerer Zerwürfnisse unter die Oberhoheit der Pforte. Wer Gelegenheit gehabt hat die Küstengegenden des nördlichen Afrika kennen zu lernen, wird augenfällig auf die kolossale Differenz hingewiesen, die beispielsweise in den Verhältnissen zwischen Tunis und Tripolis herrschte. Weit schlimmer noch sieht es in Barka aus, welches ohne Verkehr und Beziehungen zur Außemvelt jämmerlich dahiusiecht. Türkische Ohnmacht in drastischer Gestalt hat hier einen Wirrwar und eine Oede der Verhältnisse erzeugt, wie nirgends sonst. Unsere Glaubensgenossen, schwach an Zahl, durch Armut gedrückt, seufzen unter der Willkür der Beduinen. In der Hauptstadt des Landes, Baghazi, wo einige Europäer, zumeist Italiener, eine moralische Kontrolle führen, wagen es die arabischen Horden nicht in dem Maße, wie in den abgelegenen Ortschaften, ihrer Willkür die Zügel schießen zu lassen. In Tokia, Mery und Dernah, kleinen, unbedeutenden Plätzen, ist die jüdische Bewohnerschaft rechtlos und befindet sich in äußerst gedrückter Lage. Die Ohnmacht des türkischen Gouvernements ist bei größtem Wohlwollen nicht in der Lage hier helfend einzugreisen, berechtigten Wünschen ihrer Unterthanen Rechnung zu tragen. Es läßt sich denken, daß in solchen Verhältnissen, ohne Fürsorge für Leib und Seele ausgewachsene Generationen der Gefahr entgegengehen, gänzlich zu verkommen. So erzählt ein Kenner des Landes, der Italiener Camperio, daß im Innern des Gouvernements, ich glaube in der Gegend von Slonta, viele Juden in Höhlen wohnen, und, wie erklärlich, den Heerden besitzenden und in leidlicher Wohlhabenheit sich befindenden Beduinen gegenüber eine sehr unwürdige Rolle spielen. Es fehlt die Kenntnis unserer erhabenen Religionsvorschriften, welche unseren Stammesgenossen stets einen Trost und Halt bot: natürlich fehlt es auch gäuzlich au Schulen, welche nach unseren Begriffen das Dürftigste der Jugend lehren würde. — Handel und Verkehr liegt hier zumeist in den Händen europäischer Kolonisten, während einige Juden sich nur auf die Vermittlerrolle beschränken. Ein düsteres Bild fürwahr rollt sich hier vor unseren Augen auf, und es ist unsere Pflicht, in engster Beziehung des Wortes helfend einzugreifen. Die Lage unserer Glaubensgenossen in Marokko ist nicht schlimmer als hier. Es bieten sich uns die verschiedensten Mittel und Wege Hand ans Werk zu legen. Tie allgemeine Fruchtbarkeit des

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