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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-10 · 15 (10.4.1896) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
15 (10.4.1896)
Date
1896-04-10
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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Seite 264. Allgcmcinc Israelitische Wochenschrift. Nr. 15. Quelle dient. Auf diese Weise werden nützliche Wahrheiten unter das Publikum gebracht, wird die Wiederverjüngung des Judentums gefördert. Das ist unsere Wissenschaft und unsere Litteratur fin de siede! Geben Sie,^geehrter Herr Redakteur, diesem meinen Stoß' seuszer in Ihrem Blatte Raum. Unterdessen will ich mich in die Lektüre der klassischen Lustspiele vertiefen, um, wenn ich sie mit Nutzen gelesen haben werde, jene kulturelle Mißgeburt zum Gegenstand eines Lustspiels zu machen. Nur die Hand des allezeit lustigen Bruders Jokus mag hier walten, denn, will man sich nicht mit Späßen über diesen traurigen Niedergang hinwegtäuschen, so ist der Anblick solcher Erscheinungen unerträglich. Aber, dies gestehe ich hier offen und ehrlich ein: um da noch den Humor wahren zu köunen, müßte man ein Aristophanes sein, dem ich mich gewiß nicht gleichstellen darf. Mir fehlt dazu nicht nur das Talent, sondern auch der philosophische Gleichmut. Unsere Vorfahren sind am 21. Nissan von dem Ertrinken im Roten Meere durch ein Wunder gerettet worden*). Wer rettet uns aber von der Gefahr des Ertrinkens in einem Meer von Phrase, Heuchelei, Firlefanz und Geschäftsidealismus? Wenn wir in diesem Meere ertrinken sollten, wahrlich, es wäre besser gewesen, vor Jahrtausenden in den Fluten des Roten Meeres den Untergang zu finden. Das wäre wenigstens ein reinlicher Tod! Berlin, den 20. Nissan 5656. Dr. S. Bernfeld. N)ochen-(Lhroiiik. Berlin, den 4. April. — Der jüdische Referendar. Neben dem jüdischen Assessor, der nicht Richter werden, soll jetzt der jüdische Referendar, der keine Beschäftigung finden kann, für die Emanzipation der Juden in Deutschland Zeugnis ablegen. Denn wie gegnerische Blätter melden, wendet sich ein jüdischer Referendar von einem Oberlandesgerichte an das andere, um als Oberlandesgerichts- Reserendarius eine Anstellung zu erhalten. Obgleich an einzelnen Gerichten augenblicklich an Referendaren besonders im Frühjahr und Herbst während der militärischen Uebungen ein großer Mangel ist, kann der Herr keine Stellung finden, und obgleich der Herr eine Sicherstellung von 7500 Mark gestellt hat. Sicherstellung wird bekanntlich nur dann von den Behörden verlangt, wenn die Verhältnisse des Ansordernden keine günstigen sind. Trotz alledem hat der Referendar Friedmann bei den ablehnenden Bescheiden zur Antwort erhalten, daß die „Verhältnisse" es nicht zuließen, ihn anzustellen. In Breslau, Stettin und Posen ist das Gesuch um Anstellung nicht berücksichtigt worden, jetzt hofft der Referendar noch in Hessen eine Zufluchtsstätte zu erreichen. Triumphierend bemerkt der Berichterstatter des neuen Blattes des ehrsamen Dr. Lange: „Soviel steht aber fest, daß der p. Fried¬ *) In dem auf den Auszug aus Egypten gedichteten Psalm heißt es bekanntlich: „Das Meer sah es und floh." Rationalistischhumoristische Erklärer der Gegenwart meinen nun, das Meer habe sich vor einer wäßrigen Festpredigt geflüchtet. mann als ehemaliges Mitglied des akademisch-juristischen Vereins nicht der einzige Vereinsbruder ist, welcher geschnitten wird, auch ein anderer Koinmilitone jüdischer Rasse teilt dasselbe Schicksal." — Es wäre tiestraurig, wäre das wahr. — lieber den Lehrerbund, der unter Aegide des Gemeindebundes gebildet worden ist, besonders über die Delegiertenversammlung, die am 23. und 24. Dezember v. I. hier getagt hat, verlautet jetzt allerhand Unerquickliches. Die Quelle, aus der wir diese Mitteilungen schöpfen, ist allerdings keine ganz reine. Allein wenn wir zu solchen Quellen Zuflucht nehmen, so trifft die Schuld lediglich die Leitung der Delegiertenversammlung, die beschlossen hatte, über das Wohl der jüdischen Lehrer Deutschlands in geheimer Sitzung zu beraten, und demgemäß Vertreter der Presse, auch solche der jüdischen Fachpresse, nicht zuzulassen. In der jüngsten Nummer des Organs des sogenannten „Deutschen Reichsverbandes" schreibt ein Delegierter über die genannte Versammlung u. a. folgendes: „Der Gang der Verhandlungen hat von vornherein bewiesen, wessen sich die Lehrer von dieser Seite (dem D. I. G. B.) zu verseheu haben. Der Gemeindebund hatte eine Vorversammlung aus den 23. Dezember abends berufen. Kurz vorher hatten sich auf Einladung eines Delegierten auch die Lehrer zu einer Vorbesprechung eingefunden, um sich ungezwungen und nicht unter Aufsicht des Gemeindebundes auszusprechen. Die Versammlung wurde durch das Erscheinen und Auftreten eines Herrn von der Lehrabteilung des D.-J. G.-B. gesprengt, der ausdrücklich erklärte, ohne den G.-B. dürsten die Herren nicht beraten, der hätte eingeladen werden müssen. Noch mehr! Die Vorversammlung fand statt unter Vorsitz des Gemeindebundsvertreters. Die Versammlung schlug einstimmig zum Präsidenten des Delegiertentages Koll. Blumenfeld-Adelebsen vor. Alle einigten sich auf ihn, als den Würdigsten, auch die Opposition. Aber siehe da, eine neue Ueberraschung! Der Gemeindebund erklärt, er habe bereits einen Präsidenten gewählt — den Syndikus Minden. Die Versammlung blieb bei ihrem Beschlüsse. Da zog sich der hohe Bundesrat zur Beratung zurück und erklärte von neuem, — entweder den vom Gemeindebund gewählten oder gar keinen! Selbst Koll. Liepmannsohn-Minden, der sich als treuester Freund des G.-B. bekannte, mußte mit „Bedauern" von dieser Erklärung Akt nehmen. Von einer Unabhängigkeit der Verhandlungen kann unter solchen Umständen weiter keine Rede sein. Dem entsprach auch die Behandlung, welche die opponierenden Redner von den Herren vom Bundesrate erfuhren. Herr Dr. Blaschke warf den Lehrern vor, daß sie vom G.-B. Reisekosten erhalten und den Dank dafür durch Räsonnieren zahlten. Merkwürdige Helfer erwuchsen dem G.-B. gerade in den Lehrern der Lehrabteilung. Während der G.-B. das von allen Vereinen bekämpfte Recht auf Kassen-Revision als aussichtslos preisgab, suchte Herr Dr. Adler dasselbe zu retten und bezeichnete dies als eine Ehrenerklärung für den G.-B. Für die angegriffene Ehre der Lehrer, ihre Kasse nicht selbst, sondern durch einen andern revidieren lassen zu sollen, hatte dieser Herr gar keine Empfindung. Auch eine fabelhafte Unwissenheit in Lehrersachen zeigten diese Herren vom hohen Rate; der eine wollte den Delegierten einreden, daß ein Lehrerverein in Ostpreußen gar nicht existiere, der andere behauptete steif und fest, daß

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