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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-03 · 14 (3.4.1896) · p. Seite 259

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
14 (3.4.1896)
Date
1896-04-03
Page
Seite 259 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 14. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 259. eigener Volksschulen. So teilt das „Pastoralblatt für den Konsistorialbezirk Kassel" folgendes mit: „Seit 1866 sind die Juden, welche bis dahin keine Freizügigkeit besaßen, ans den Dörfern und kleinen Städten vielfach in die größeren Städte und von dort, wenn es ihre Mittel erlaubten, nach Kassel, Frankfurt, Mainz oder Berlin gezogen. Infolgedessen schmolz die Zahl der Schulkinder au manchem Ort so zusammen, daß die Schulen aufgelöst wurden. Merkwürdigerweise besteht in einem Orte des Bezirks eine schon lange schwach besuchte jüdische Schule, welche gegenivärtig drei Kinder zählt, von denen zwei dein Lehrer selber gehören, so daß das ganze etwa 1800 M. (800 Ai. zahlt der Staat) betragende Gehalt eigentlich für eilt Kind der Schulgemeinde gezahlt wird. Es wäre gewiß für manche Kreise lehrreich, zu wissen, wie viel Kinder vorhanden sein inüssen, wenn eine religiöse Gemeinschaft eine eigene Schule errichten will, oder aber, wie tief die Schülerzahl derselben sinken darf, ohne aufgelöst zu werden. 9iach Zeitungsberichten über die letzte General-Synode der Provinz Westprenßen war es trotz aller Bemühungen den Evangelischen nicht gelungen, für die 40 bis 50 evangelischen Schulkinder der Gemeinde Pelplin eine eigene, öffentlich anerkannte Schule zu bekommen, angeblich weil es der Bischof nicht wollte. Hier ivird eine jüdische Schule mit sehr geringer Schülerzahl aufrecht erhalten, obgleich dem Vernehmen nach ein Mitglied der israelitischen Gemeinde, welches sehr hohe Schulsteuer zahlen muß, selber die Auflösung beantragt hat." — Jh*.. Korrespondent ist Laie und kann diese Auslassung aus ihre Wahrheit und ihren Wert nicht prüfen. Vielleicht erfolgt eine geeignete Darlegung von berufener Seite. m Ostrowo, 25. März. Seit einigen Jahren geht das Streben des hiesigen israelitischen Schulvorstandes dahin, die dreiklassige israelitische Volksschule in eine zweiklassige umznwandeln, weil die Schülerzahl beständig abgenommen hat. Tie Regierung lehnte die bezüglichen Gesuche bisher ab, weil Aussicht auf einen Zuwachs von Schülern dadurch vorhanden sei, daß die verschiedenen Privatunterrichtsinstitnte hier eine größere Anzahl von Kindern israelitischer Konfession beherbergten, die zu jeder Zeit der öffentlichen Schule zugeführt werden könnten. Nunmehr bestätigt sich die Annahme der Aufsichtsbehörde, da zum neuen Schuljahre ein Zugang von etwa 30 Schülern zu erwarten steht und nur 10 Schüler die Anstalt verlassen. Durch diesen Zuwachs ist die Zahl der Kinder wieder ans mehr als 100 gestiegen; es dürfte somit der Schulvorstand sich mit dem Bescheide der Regierung zufrieden geben. ESU Pest, 26. März. Das Geschworeren-Gericht verurteilte den Priester Fuß zu vierzehntägigem Arrest und zu einer Geldstrafe von fünfzig Gulden, weil er den Kaufmann Adler in böswilliger Weise des Ritnalmordes beschuldigt hatte. — Ausführliches hierüber siehe „Wochen-Chronik." Red. 6b Pest, 27. März. In Gyüngyüs war der frühere Bürgermeister suspendiert worden, daher für die Stellvertretung Sorge getragen werden mußte. Die Wahl fiel ans einen Israeliten, den Magistratsrat Adolf Dndar (früher Deutsch). Gyöngyös ist eine Stadt mit 16000 Einwohnern, darunter etwa 14000 Katholiken. Es scheint außerdem sicher, daß Dndar auch bei der ordentlichen Wahl gewählt werden wird. — Rabb. Moses Katz in Neutra hat von seiner Gemeinde ein Mißtrauensvotum erhalten. Der Rabbiner hatte an der jüngst in Budapest stattgehabten Konferenz der orthodoxen Rabbiner teilgenommen und die aus dieser erflossene Kurrende, welche Jnvektiven gegen alle dem Fortschritte huldigenden Juden enthält, mit unterschrieben. In der am 25. d. stattgehabten Repräsentantensitzung erklärte die Versammlung, daß sie sich dem Inhalte der Kurrende nicht anschließt und sprach dem Rabbiner einstimmig Mißbilligung ans, wobei besonders zu bemerken ist, daß von den Anwesenden zumindest ein Drittel prononzierte Orthodoxe sind. Es wurde dem Rabbiner u. a. bedeutet, sich in Zukunft aller Handlungen, die Zwiespalt im Judentums Hervorrufen können, zu enthalten. Cincinnati O., 12. März. Die Fakultät des „Hebrew Union College" hat Herrn Professor Dr. Moritz Steinschneider in Berlin, der am 31. März seinen 81. Geburtstag feiert, den Titel und Rang eines Doktor der Theologie verliehen. Das Diplom wird dem Herrn Doktor an seinem Geburtstage überreicht werden. — Dieser Doktortitel hat ebensoviel, d. h. ebensowenig Wert wie der vorn Berliner Rabbinat verliehene Morenntitel; wer ihn nicht schon anderswo erlangt, darf ihn nicht führen. Aber es klingt gut und macht sich ganz nett für die — Auszeichner, darum wollen wir die , „Promotion" gelten lassen. * Personalien und Vakanzen. Dem Rabbiner Dr. Cohn Flr-^otsdam ist anläßlich der Jubiläumsfeier seiner fünfzigjährigen Thätigkeit an der dortigen Gemeinde der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. — Versetzt: HH. L. Kamerase von Belgard nach Kottbus; S. Gelbart von Magdeburg nach Zirke; L. Cohen von Kyritz nach Sandersleben; T. Baumstein von Elbing nach Lobsens. — Bernsen: Kand. I. Bleicherode vom Rabb. - Seminar in Berlin an die Lonisenstädtische Brüdergemeinde Ahawas Reim daselbst. — Vakanz en: Zippnow (Westpr.) Znm 1. 6. od. früher für Privatschnle sem. geb. L. K. Sch. Fix. 1000 Mk., fr. W. u. Heiz. Meid, an M. Mislowitzer. — Düdelsheim (Obhess.) Sos. sem. geb. L. K. Sch. Fix. 900, Nbk. ca. 300 Mk. Meld. an Ferd. Frank. — Hegenheim (Ob.-Elf.). Zum 1. 7. od. 1. 5. senr. u. mns. geb. L. K Sch. Fix. 1200, Nbk. ca. 100 Mk. u. fr. W. Meld. an Max Dreifus. — Schwedt a. O. Znm 1. 5. Gepr. deutscher Rl. K. Sch. Fix. 1000, Nbk. ca. 1000 Mk. Reisek. d. Gew. — Osan n (Bez. Trier). Sos. od. zum 1. 5. Rl. K. Fix. 600—700 Mk., fr. Wohn. u. ")lbl Meld. an Nath. Ermann. Aus dem Leserkreise. — Zur halachischen Frage. Wohllöbliche Redaktion! Hierdurch möchte ich Sie bitten, mir bestätigen zu wollen, daß in der Angelegenheit der Aschaffenburger Affaire Sie mein Eingesandt verkürzt zum Abdruck gebracht. *) In meiner nrsprünglichen Erwiderung habe ich nachgewiesen, daß durch die Redaktion seitens des Remah, der, nachdem er die Vorschrift, den würdigsten und gelehrtesten Vorbeter zu bestellen, brachte, daraus die Bedingung von persona grata folgen läßt, das Entgegengesetzte der Aufstellung, daß nämlich im Falle Aschaffenbnrg „der din von meruza le-Am und Mithpallel 1)0- *) Stimmt. Wir haben aus einer Abhandlung, die eine Druckseite gefüllt hätte, nur einige Zeilen gemacht, in denen blos auf die einschlägigen Quellen und 88 hingewiesen wurde, in der Voraussetzung, daß für den Theologen die Quellenangabe genüge. Red.

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