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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-03 · 14 (3.4.1896) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
14 (3.4.1896)
Date
1896-04-03
Page
Seite 258 (sequence 14)
Language
German
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Seite 258. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 14. devot vor ihm das Haupt entblößt, ein Greuel. Er schreitet darum, die große Bäreumütze auf dem Kopfe, wütend im Zimmer auf und ab — die Mütze des Juden iveicht nicht von der Stelle. Er streckt sich, ingrimmig fluchend, ans das Sopha — die Mütze des Juden lveicht llicht von der Stelle. Er hustet, daß die kleinen Fenster klirren — die Mütze des Juden weicht nicht von der Stelle. Das war zu viel. Glühend vor Zorn donnert er: „Woher bist Tn, Jnd'?" — „„Ans Wilna."" — „Aber — die — Mütze!!" - - „„Auch ans Wilna,"" lautet phlegmatisch die Antwort und die Mütze des Inden iveicht nicht von der Stelle. Zier und dort. ,H Berlin, 24. März. Am 22. d. M. fand die 3. General- Versammlung des im Jahre 1894 begründeten „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin" unter Leitung des Vorsitzenden Herrn Alb. Phil. Meyer statt, welcher den erfreulichen Fortschritt in der Entwickelung des Vereins bestätigte, wie solcher bereits in dem ausführlichen Jahresbericht zur Kenntnis der beteiligten Kreise gebracht ivorden rvar. Einige hervorragende Aerzte, rvelche an der General-Versammlung teilgenommen und die Schwestern verschiedentlich in der Privatpflege zu beobachten Gelegenheit hatten, bestätigten, daß sich dieselben nach jeder Richtung bewährt haben, ihren Pflichten in vorzüglicher Weise Nachkommen, und daß nur zu bedauern sei, daß bei der noch geringen Zahl von 10 ausgebildeten Schwestern soviele Wünsche, Vereinsschwestern für die Außenpflege zu erhalten, unberücksichtigt bleiben müssen. "Nachdem dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen die Rechte einer juristischen Person Allerhöchst erteilt morden sind, erklärte sich die General-Versammlung einstimmig zirr Annahme der Louis und Rosa Sachsschen Schenkung, betreffend die Zuwendung des Hauses Auguststr. 17 als Schwesterheim des Vereins bereit. Ebenso wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder die Herren M. Metzenberg, Alb. Ph. Meyer, Geh. Medizinal-Rat Professor Dr. Senator, sowie die Damen Frau Tr. Frankl und Frau Stadtrat Dr. Weigert wiedergewählt. © Berlin, 27. März. Der Hilfsverein für jüdische Studierende blickt ans eine 55jährige Thätigkeit zurück. Nach dem letzten Jahresbericht zählt der Verein 782 Mitglieder. Der Zweigverein für Gewerbe-, Bau- und Knnstakademiker zählt 162 Mitglieder. Vom Hilssverein wurden 25 010 M. an 86 Mediziner, 4 Zahnärzte, 5 Tierärzte, 12 Juristen, 16 Philologen, 1 Theologen, 1 Mathematiker, 1 Chemiker, vom Zweigverein wurden 6745 M. an 1 Kunstgewerbeschüler, 6 Chemiker, 6 Ingenieure, 3 Musiker, 1 Elektrotechniker, 11 Techniker, 5 Architekten, 1 Maler, 1 Malerin Unterstützungen gewährt. Das Gesamtvermögen einschließlich der Stiftungen beträgt 821861 M. 61 Pf. * Berlin, 27. März. Die Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützllng in Krankheitsfällen hat im vergangenen Jahre, wie der am 25. d. M. abgehaltenen Generalversammlung im Saale der Gesellschaft der Freunde mitgeteilt wurde, einen reichen Zuwachs erhalten. Es traten der Gesellschaft, deren ordentliche Mitglieder ausschließlich dem Handwerker- und Künstlerstande airgehören, im verflossenen Jahre fünfzig neue Mitglieder bei. Herr Moritz Manheimer hat der Gesellschaft, wie seit zehn Jahren, so auch jetzt eine Summe von 1000 Mark zugewendet. Auch die Bodensteinstiftung hat in diesem Jahre reiche Zuwendungen erhalten. An die Generalversammlung schloß sich diesmal ein Fest an, da die Gesellschaft in dieseni Jahre ans ein fünfzigjähriges Bestehen znrückblicken kann. O Berlin, 81. März. Man schreibt uns: In der Synagoge der Adaß-Jisroel-Gemeinde wirkt seit dem ersten Peßach-Abend ein Doppelguartett mit. Diese Neuerung hat nicht den Beifall gefunden, den man erwartet hat. Es giebt Mitglieder dieser Gemeinde, die sich des Eindrucks nicht erwehren können, als sei durch die Mitwirkung der Sänger der Gottesdienst in der genannten Synagoge denaturiert worden. Das Gotteshaus in der Gypsstraße hat nur Existenzberechtigung, solange es in seinen Räumen den Gottesdienst, wie er in alter Zeit gewesen, zeigt. Hinter dem Almömor — dem Zeichen des Alten — auf einem Podium .bekappte Sänger — ein Zeichen der "Neuzeit; — ans den letzten, von dem greisen Rabbi in uralter Weise vorgetragenen Abschnitt des Sch'ma, ein rauschendes „Eines" folgend: mitten unter "Andächtigen, die wirklich andächtig beten, ein Dirigent, der bei jedem aus zwei Tönen bestehenden „Omen" seinen Stab schwingt, als gälte es der Nennten Symphonie — das ist „Schatnes" und nimmt der Synagoge ihre Eigenart. Bleibt der musikalische Genuß. Nun wird aber der größte Optimist nicht behaupten, daß dieser Gesang ein hiesiges Publikum befriedigen kann, — denn auch die Gypsstraße liegt bekanntlich in dem musik- und sangesreichen Berlin! — sodann ist das Gotteshaus kein Konzertsaal, lvo man musikalische Genüsse sucht. Ich bitte Sie im Namen mehrerer Freunde um gefl. Aufnahme dieser Zeilen. Vielleicht trägt deren Veröffentlichung dazu bei, daß der Sang den Jomtow nicht überdauere. rP Breslau, 27. März. Die hiesige Industrieschule für Mädchen hat während des letzten Schuljahres eine beständige Zunahme der Schülerinnenzahl erfahren, insofern sie bis 164 stieg. Ter Unterrichtsplan der Anstalt hat im abgelaufenen Jahre nach zwei Richtungen hin eine Erweiterung erfahren: der Zeichenunterricht, der früher nur in den beiden oberen Klassen erteilt wurde, ist jetzt auch in der dritten eingeführt worden. Desgleichen ist in dieser Klasse eine hebräische Unterrichtsstunde eingeführt worden. Beide Einrichtungen haben sich schon trefflich bewährt. Am 21. April wurde das Schuljahr mit 157, das Wintersemester mit 158 Schülerinnen eröffnet. Tie gegenwärtig der Anstalt angehörenden Schülerinnen verteilen sich in die einzelnen Klassen wie folgt: Die 1. Klasse zählt 32, die 2. Klasse 53, die 3. Klasse 53, die 4. Klasse 26 Schülerinnen. Die Proben weiblicher Handarbeiten, welche von den Schülerinnen aller vier Klassen unter der Leitung der Lehrerin Frl. Amalie Peiser angesertigt sind, wurden am 25. d. M. im kleinen Saale des Cafö Restaurant ausgestellt. Heute um 11 Uhr wurden die Schülerinnen, rvelche die 1. Klasse absolviert haben, feierlich entlassen. *> Kassel, 26. März. In hiesigen evangelischen Kreisen blickt man — es ist unglaublich! — mit "Neid auf die „Bevorzugung" der Juden bei der Errichtung bezw. Erhaltung

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