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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-03 · 14 (3.4.1896) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
14 (3.4.1896)
Date
1896-04-03
Page
Seite 257 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 14. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 257. Je mehr Daniel in Samnel drang, desto weniger wollte dieser von einem Verkauf der Peitsche wissen. Was sich aber Daniel einmal in den Kopf gesetzt hatte, das mußte er durchsetzen. „Weißt Tu was?" sagte er endlich kurz und entschieden; „ich gebe Dir vier Groschen und im nächsten Wirtshaus ein Schnäpschen. Abgemacht! Doch Du sollst sehen", fügte er nach einer Weile hinzu, „daß ich ein guter Freund von Dir bin. Wenn ich einmal ein reicher Mann werde — was ich über zwanzigtausend Thaler habe, soll Dir gehören." Samnel lachte laut auf. „Du, ein reicher Mann! Barmherziger Gott, darüber kann Meschiach kommen. Du und zwanzigtansend Thaler! Woher? Weil Tu aber auf die Peitsche so versessen bist, sollst Du sie haben." Stolz trug sie Daniel wie eine Siegestrophäe; er hatte seinen Willen wieder einmal dnrchgesetzt. - Das wenig lukrative Geschäft des Viehhandels behagte Daniel Jtzig nicht lange. (Lines Tages faßte er den heroischen Entschluß, nach der Stadt zu übersiedeln. Er legte den blauen Kittel ab, zog seine Sabbatkleider an und schlug den Weg nach Berlin ein. Was er bei seiner Ankunft in der damals noch jimgen und unbedeutenden Königsstadt ansing, das wissen wir nicht; doch schon nach wenigen Jahren war „Herr Daniel Jtzig" der Besitzer einer, wenn auch kleinen Blechfabrik; später legte er eine Oelfabrik an, verheiratete sich mit seiner Miriam die, eine biedere, fromme Frau, eine Urenkelin des Moses Jsserle war und ihm auch etwas Vermögen mitbrachte. Mit der geringfügigen Mitgift und dem kleinen Kapital, das er sich erspart hatte, verband er sich zu einem großen Unternehmen mit dem alten Ephraim, dem Vater der berüchtigten Ephraimiten, und mit dem — großen Friedrich. Bei den schlechten Münzen, welche im siebenjährigen Kriege kursierten, mnßte der alte Ephraim die Vaterschaft übernehmen: im Grunde war der König selbst der Urheber und Anstifter der ganzen Finanzoperation. Daniel Jtzig wurde der Dritte im Bunde und war auch der Ehrlichste. Das hat ihm Friedrich der Große noch dreißig Jahre später urkundlich bezeugt, indem er dem „Banquier Daniel Jtzig", wie es in dem Patent der Familie heißt, „wegen seines bekannten beständigen Wohlverhaltens und uneigennützigen Betragens als ein verdientes Merkmahl der höchsten Gnaden für sich und seine ehelichen Deszendenten beiderlei Geschlechts zu naturalisieren und ihnen dadurch alle Rechte christlicher Bürger in unseren gesamten Staaten und Landen zu verleihen geruhete." Daniel Jtzig war der erste Jude in Berlin, der den Christen in allen Rechten gleichgestellt war, und bekleidete viele Jahre das Ehrenamt eines Jndcn-Aeltesten, was so viel sagen will, als eines Vorstehers der Berliner jüdischen Gemeinde. Er war seinem ganzen Wesen nach eine seltene Erscheinung. Alles Wissens bar, war er ein Freund der jüdischen Wissenschaft, er ehrte ihre Träger und unterstützte gern jüdische Gelehrte. Dabei gehörte er schon zu den Aufgeklärten, er war der Erste, der ans seinem Haus einen Blitzableiter anbringen lies; und kümmerte sich wenig um das Geschrei, das die Frommen darüber erhoben. Und in demselben Hanse waren zwei Zimmer für einen jüdischen Gelehrten eingerichtet. In diesem Hause mit dem unjüdischen Blitzarbeiter lernte und studierte mehrere Jahre der „Pri Megodim" und benutzte nicht allein die reichhaltige Bibliothek Jtzigs, er war auch, so lange er in Berlin lebte, sein ständiger Tischgenosse. Ohne Jtzigs Geld wäre der „Pri Megodim" schwerlich je gedruckt worden. Jtzigs Wohlthätigkeit kannte keine Grenzen. Jeder Arme, der ihn ansprach, wurde reichlich von ihm unterstützt. In Ermangelung des Geldes soll er, so erzählte man noch lange nach seinem Tode, manchmal einen seiner goldenen Rockknöpse abgerissen haben, um ihn einem ihn aus der Straße ansprechenden Armen als Almosen zu reichen. — Eines Tages saß Daniel Jtzig in seinem Komptoir, als ihm einer seiner Buchhalter einen Mann meldete, der ihn zu sprechen wünsche. „Er scheint ein Anliegen zu haben," fügte der Buchhalter hinzu, „als ich ihn nach seinem Flamen fragte, da bemerkte er, er wäre aus Arnswalde, ein alter Freund des Herrn Jtzig." „Ein alter Freund aus Arnswalde," murmelte Jtzig vor sich hin, „laß ihn einen Augenblick warten." Es dauerte nicht lange, und Jtzig öffnete die Thür, den Fremden bittend, näher.zu treten. „Ich weiß nicht," sprach der Fremde sichtbar verlegen, „ob ich die Ehre habe, von Herrn Jtzig erkannt zu werden. Vor vielen Jahren waren wir gute Bekannte. Ich heiße Samuel . . ." „Samuel, mein alter Chawer? Willkommen in Berlin. Ich freue mich, Sie wieder zu sehen." Er erkundigte sich nach seiner Familie, und indem er sich bei ihn; entschuldigte, ihn jetzt nicht länger sprechen zu können, entließ er ihn mit den Worten: „So lange Sie in Berlin bleiben, sind Sie mein Gast; um zwei Uhr erwarte ich Sie zu Tisch, dann werde ich Sie auch meiner Frau und meinen Kindern vorstellen." Mit diesen Worten reichte er dem Fremden, der kein reicher Mann zu sein schien, die Hand und ging in sein Zimmer zurück, wo mehrere vornehme Herren seiner harrten. (Schluß folgt.) * Der ewige Jude. In Odessa lebte — lebte in der That, denn die Episode ist keine Erfindung — ein wohlhabender Kaufmann, der auch ziemliches Ansehen in der Gemeinde genoß. Ich weiß nicht, was ihn dazu bewogen, — allein er faßte den Entschluß, zur griechisch-katholischen Kirche überzugehen und wählte sich zum Taufpaten — Se. Majestät den Kaiser aller Reußen, Ricolaus I. Alle Welt war gespannt, wie die Antwort des Kaisers ausfallen würde. Die Antwort ka;n, und lautete wörtlich: „Besagter Täufling darf sich während seines ganzen Lebeils in keiner Kirche im russischen Reiche taufen lassen." Dies war zwar ein Ausspruch, der stark in die Rechte der Kirche eingriff, bei einem russischen Imperator aber in seiner Eigenschaft als Cäsar Pontifex schon zu begreifen ist. Der Volksmund aber nannte fortan den unglücklichen Taufkandidaten bezeichnend: Der ewige Jude. * Prompter Bescheid. Szene in einem polilischen Wirtshause. Polternd und fluchend tritt ein Schlnchziz (Kleinadliger) ein. An; Ofen sitzt ein Jude, die Mütze auf den; Kopse, die auch beim Erscheinen des Schlachziz ans ihren; Platze bleibt. Dem Landjunker ist aber jeder Jude, der nicht

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