Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 14 (3.4.1896)
- Date
- 1896-04-03
- Page
- Seite 252 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 252. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 14. Feuilleton. Das Lied am Mcerk. Der Herr hat gerichtet — Der Feind ist vernichtet, Nun steig in gewaltigem Jubelchor Dieser Lobgesang zn Gott empor: Es überfällt sie Zagen und Bangen, Dein Schrecken erstarret sie zu Stein, Bis daß Dein Volk vorübergegangen. Das Volk, das Dein Eigen soüte sein! Tu führest und pflanzest Dein Eigentum An den Berg, von dem einst wunderbar Ein Tempel erglänzen wird Deinen Ruhm: Der Herr wird regieren immerdar! * * * Drum tönt Dir, Ewiger, mein Lied, Denn Du bist hoch erhaben! Die Rosse und Reiter Pharaos Hast Du im Meere begraben! Lemgo. F. Saphra, Rektor. Dir Ewiger ertönt mein Lied, Denn Tu bist hoch erhaben! Die Rosse und Reiter Pharaos Hast Du im Meer begraben! Mein Sieg und Sang ist Gott, Er hat sich als Hort erwiesen! Er ist mein Gott. — Er sei gepriesen, Ter Väter Gott, wir wurden nicht zum Spott! Der Ewige ist ein Kriegesheld! Die Wagen und die Mannen Schlang das Meer hinein; Der Edelsten versanken wie ein Stein Von Deiner starken Hand gefällt! Deine Rechte, o Herr, ist herrlich an Kraft, Sie hat den Feind hinweggerafft — Du fährst daher — die Feinde sinken nieder. Gleich dürren Stoppeln lohen seine Glieder. Vor Deinem Hauche türmten sich die Wogen Und standen aufrecht wie ein fester Wall — Das Herz des Meers glich härtestem Krpstall Und jubelnd kam Dein Volk hindurchgezogen! * -ft * Es sprach der Feind: Ich verfolge, ich erreiche, Ich plündere, und ich sätt'ge meine Wut! Es zuckt mein Schwert, ich bade mich in Blut, Ich stürme an! — Wer ist's, der mir nicht weiche? Da blies Dein Hauch-die Feinde deckt das Meer, Sie sanken in die Tiefe wie das Blei, Vernichtet ist das stolze Kriegesheer, Verhallt der Siegesrus, das Kampfgeschrei! * Wer ist wie Du in der Schar der Götter, Wer ist wie der Heil'ge so mächtig und hehr? An Lob unerinessen, Du größter Erretter, An Wunder so reich, dem Schwachen zur Wehr! — Du reckest Deine Hand - den Feind verschlingt die Erde! Allmächtig führst Du Deine Heerde Zu jenen Stätten, die Du auserkoren Und ihren Vätern zugeschworen! Es hören's die Völker und sie erbleichen, Unb Edoms Fürsten saßt Schrecken an. Es zittern die Mächt'gen in Moabs Reichen, Es erbeben die Beivohner von .Kanaan! Das iHnrtiininii der spanischen Inden. Von Prof. Dr. H. Graetz.*) I. Vorbemerkung: In einer Zeit, da der rüde Antisemitismus bereits Siegesgesänge anstimmt, ist es wohl angezeigt, zur gerechten Abwehr der brutalen Angriffe einerseits und zur Aufmunterung andererseits aus der Rüstkammer wohl erprobte, schneidige Waffen hervorzuholen. Solche Waffen liegen aufgespeichert wie in einem großen, unerschöpflichen Arsenal in der nahezu sechstausendjährigen Geschichte des jüdischen Volkes. Leider wurden bis jetzt wenige der stahlfesten Waffen ins Treffen geführt. Wäre dies in ausgiebiger Weise geschehen, so hätte so mancher antisemitische Schreier seinen Knüppel zur Erde sinken lassen müssen, und gar viele Inden, welche, durch das wüste Gegröhle des Antisemitismus eingeschüchtert, über die Not der Zeiten klagen, würden frischen Mutes und ruhigen Blutes den antisemitischen Kapriolen zusehen. Das jüdische Volk hat viel ärgere Wetterstürme über sich ergehen lassen müssen, als es die Wetterstürme von heute sind, und hat trotz alledem seine Kraft, Ausdauer und Widerstandsfähigkeit aus das heldenhafteste in tausend und abertausend Fällen erwiesen. Wir wollen hier auf eine geradezu heroische Periode des jüdischen Martyriums Hinweisen, aus einen hundertjährigen Kampf, welchen das Judentum gegen übermächtige Gegner führte, und aus dem es schließlich trotz aller Not und Gefahr als Sieger hervorging: es sind dies die Kämpfe der Inden im westgothischen Reiche gegen ihre lyrannischen Unterdrücker. Bekanntlich war die westgotische Gesetzgebung eine der härtesten für die Juden, ntelche in so früher Zeit entstanden war, und die weit über die Härten der im Codex Theodosianus enthaltenen und im christlich-römischen Kaiserreiche geltenden Gesetze hinausging. Das Ringen und Kämpfen, Dulden und Leiden der spanischen Juden in .der Zeitepoche des westgothischen Regimentes hat im Jahre 1858 Dr. H. Graetz im Jahresberichte des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau unter dem Titel: „Die westgothische Gesetzgebung betreffs der Juden" in anschaulicher Weise dargestellt. Bei dem Umstande, *) Nach einem ungedruckten Aufsatze.