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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-03-27 · 13 (27.3.1896) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
13 (27.3.1896)
Date
1896-03-27
Page
Seite 238 (sequence 14)
Language
German
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Seite 238. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 13. Versuche müßten an dem Umstande scheitern, daß jeder Herausgeber sein Lesebuch nach einem bestiminten Plan verfasse, der durch solches Hineinarbeiten durchbrochen werde. Wenn nun von verschiedenen Seiten die Herausgabe eines Lesebuchs für jüdische Schulen beabsichtigt sei, so könne man sich der Befürchtung nicht entschlagen, daß, wenn mehrere Bücher erscheinen, kein einziges genügenden Absatz stnden werde. Einer- Zersplitterung vorzubeugen, sei nur der Verband jüdischer Lehrervereine imstande. Daher hält es Redner für eine der vornehmlichsten Aufgaben des Verbandes, eine Kommission zu ernennen, die die Bearbeitung eines allgemeinen Lesebuchs in die Hand nimmt. . Die nun folgende Debatte beschäftigt sich mit der Frg-«^b konfessionelle oder interkonfessionelle LesebüAev-eklvunscht seien und führte zu dem Ergebnis, daß im allgemeinen d^Ansichten des Redners als richtig anzuerkennen seien. -y^5te Versammlung stattete dem Herrn Vorsitzenden ihren 'Dank für seine geistvollen Darlegungen durch Erheben von den Plätzen ab. Rach Schluß der Debatte wurde eine Kommission, bestehend ans dem Vorstand und den Mitgliedern der Vereinigung, welche an städtischen Gemeindeschulen thätig sind, eingesetzt, um darüber zu beraten, welche Maßnahmen die Wissenschaftliche Vereinigung gegenüber den Verfügungen der Behörde zu treffen habe. — In vorgerückter Stunde trat man in die Diskussion über die Frage der Gründung eines brandenburgischen Provinzialvereins jüdischer Lehrer ein; es wurde beschlossen, die Debatte auf eine außerordentliche Generalversammlung zu vertagen und den Vorstand aufzufordern, bestimmt formulierte Vorschläge über die Frage zu machen. Nachdem der Herr Vorsitzende noch auf das Erscheinen zweier Hefte der israelitischen Jngendbibliothek „Talisman" und „Horeb" aufmerksam gemacht hatte, wurde die Sitzung geschlossen. Königsberg i. Pr., 18. März. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteralur hielt am letzten Vereinsabend Herr- Prediger Gallandt aus Lötzen einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über Manasse ben Israel. Der Vortragende gab ein Lebensbild dieses seltenen Mannes und großen Philanthropen, welcher zu den einflußreichsten, gelehrtesten und bedeutendsten Männern des 17. Jahrhunderts zählte. Manasse ben Israel war ein ebenso biederer- Charakter wie eine imposante Persönlichkeit, er bildete nicht allein den Mittelpunkt der gebildeten Juden seiner Zeit, sondern zog, wie etwa Moses Mendelssohn im 18. Jahrhundert, vermöge seines umfassenden Wissens die Aufmerksamkeit der christlichen Gelehrten in solchem Maße auf sich, daß sein Ruf von Amsterdam, wo er seinen Wohnsitz hatte, bis Paris, London, Schlesien und Polen drang. Er galt als ein Polyhistor, denn er stand in der Bildung auf der Höhe seiner Zeit, las und korrespondierte in zehn Sprachen und hatte genaue Kenntnis von der jüdischen Litteratur wie der christlichen Theologie. — Von drei Seiten unterzog der Vortragende das Leben dieses Mannes einer näheren Würdigung: von wissenschaftlicher Seite, vom menschlichen Standpunkte und in seinem ausgeprägten Gemeinsinn, in seiner Wirksamkeit für das Heil seiner unterdrückten Brüder. □ Frankfurt fl. M., 23. März. Die humanitären und Wohlsahrtseinrichtnngen unserer Gemeinde wetteifern mit den gleichen Einrichtungen der Berliner Gemeinde — ein edler Wettstreit, bei dem die Dürftigen beider Städte nur gewinnen können. Wie in Berlin, so besteht auch hier ein Verein fürjüdische Krankenpflegerinnen, der jetzt seinen Jahresbericht erscheinen läßt. Ter Verein weist jetzt 13 ausgebildete Schwestern auf, von denen eine zur Armenpflegerin bestimmt wurde. Sie hat die Aufgabe, ans Wunsch der betreffenden Aerzte bei Kranken aller Konfessionen die nötigen Dienst- und Hilfeleistungen zu verrichten. Diese Einrichtung hat sich sehrbewährt; im ganzen haben 90 Kranke (43 jüdische und 47 christliche) die Hilfe dieser Pflegerinnen genossen. Die Einnahmen des Vereins betrugen 11 582,61 Mark, die Ausgaben 1012 Mk. Der Pensionsfonds hat an Spenden 6 622,27 Mk. erhalten. © Aus Anhalt, 22. März. Am 6. April findet die erste Versammlung der jüdischen Lehrer und Knltusbeamten unseres Ländchens in Dessau statt. Zweck dieser Versammlung ist die Gründung eines Vereins für Anhalt. Referate haben übernommen: Dr. Frendenthal-Dessau über: Normal-Lehrplan, Rose-Gröbzig über: Gebetübersetzen, Horwitz-Dessau über: Disziplin, sowie eine Lehrprobe über ein Thema aus der „Königsgeschichte". ■i Düsseldorf, 23. März. Mit dem 1. April stellt das hiesige Antisemitenblatt „Deutschnationale Zeitung" sein Erscheinen ein. Das Blatt, 1893 gegründet, erschien zuerst täglich, dann nur noch dreimal wöchentlich; dasselbe hat große Zubußen wohlbegüterter- Antisemiten verschlungen. Die Antisemiten ivurden und werden hier überhaupt nicht ernst genommen. *** Labischiil, 19. März. In Nr. 5 vom 31. Januar berichteten wir über die Verurteilung der beiden Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herren Aronsohn und Rynarzewski, und des Kantors Rosenblum zu 60 Mk. Geldstrafe wegen Vergehens gegen § 71 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 über die Verhältnisse der Inden. Infolge des Gnadenerlasses vom 18. Januar d. I. ist Herrn Aronsohn, der sich bei dem Urteile beruhigt hatte, die Strafe erlassen worden. Die Strafe des Herrn Rynarzewski dagegen, der Berufung eingelegt und dieselbe am 19. Januar wegen des Gnadenerlasses wieder zurückgezogen hatte, fiel, da sie am 18. Januar noch nicht rechtskräftig war, nicht unter den Gnadenerlaß, ebenso nicht die des Rosenblnm. Dem letzteren wurde das Urteil, da er vom Erscheinen in der Hauptverhandlung entbunden war, in Berlin am 11. Januar zugestellt, mithin wurde es erst am 19. Januar rechtskräftig. Beide, Rynarzewski und Rosenblnm, wandten sich nun mit einem Gnadengesuche an den Kaiser. Daraufhin erhielten sie seitens des ersten Staatsanwalts in Bromberg, dem das Gesuch zur Prüfung und weiteren Veranlassung zugefertigt worden war, einen abschlägigen Bescheid mit der Begründung, daß „nach Lage der Sache kein Anlaß gefunden werden könne, von amtswegen höheren Ortes das Immediatgesuch zu befürworten." A Pest, 20. März. Ein heiteres Intermezzo wird hier viel besprochen und viel belacht. Dieser Tage wurde im Ofener- Theater Mosenthals altes Rührstück „Deborah" gegeben. Bei der Stelle, wo der alte Lorenz seinen Sohn in väterlichen! Tone daran erinnert, daß das Gesetz eine Ehe zwischen Christen

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