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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-03-27 · 13 (27.3.1896) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
13 (27.3.1896)
Date
1896-03-27
Page
Seite 237 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 237. genden Festmahl teilnahm. Der Verein, der im Jahre 1868 begründet wurde und die landesherrliche Genehmigung am 24. Juli 1894 erhielt, gewährt seine Unterstützung zur Abwendung materieller Not an solche würdige und unterstützungsbedürftige Personen, welche entweder selbst oder deren Eltern oder Großeltern der Stadtgemeinde Lissa in Posen angehören oder angehört haben und in Berlin sich dauernd aufhalten. Für diesen Zweck gab der Verein im verflossenen Jahre 4251,30 Mk. aus, außerdem wurden die Zinsen der Stiftungen gemäß deren Bestimmungen verteilt. Die statutenmäßige Wahl ergab die Wiederwahl des bisher fungierenden Herrn Max Kann zum Schriftführer, Herrn Rechtsanwalt Louis Cohn zum Schriftführer-Stellvertreter, Herrn Dr. Otto Mankiewicz zum Beisitzer und der Herren Theodor Bernhardt, Rechtsanwalt I. Bischofswerder, Staatsanwaltschafts-Sekretair Ferd. Nürnberg zu Mitgliedern der Prüfungs-Kommission. Der Verein zählt 4 Ehrenmitglieder, 45 immerwährende Mitglieder und 178 jährlichen Beitrag leistende Mitglieder in Berlin, sowie 101 ebensolche auswärts wohnend, im ganzen 328 Mitglieder. Der Mitgliederbeitrag ist mindestens zehn Mark jährlich; als ordentliches Mitglied kann jede unbescholtene Person beitreten, das Ausnahmegesuch ist an den Vorsitzenden, Herrn Herm. A. Seegall, Altonaerstr. 17, Berlin, zu richten, wohin sich auch Unterstütznngsuchende schriftlich zu wenden haben. . . nn . Berlin, 22. März. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen versendet seinen zweiten Jahresbericht, der von der schönen Entwickelung des neuen Zweiges am Baume jiidischer Wohlfahrtseinrichtnngen Zeugnis giebt. Der Verein, der vor einem Jahre nur drei Schwestern und elf Schülerinnen aufwies, hat heute elf Schwestern, die sich der Privatpflege widmen und zehn Schülerinnen, die in den Stationen des jüdischen Krankenhauses und alsdann in der königlichen Charitee ihre Ausbildung erhalten. Die Gesuche um unentgeltliche Krankenpflege waren im verflossenen Jahre besonders zahlreich. In 109 Fällen hat man sich an den Verein gewandt; davon wurden 57 voll bezahlt, 21 waren ermäßigt und 31 unentgeltlich. Seitens des Vorstandes sind vielfache Gesuche aus anderen großen Städten um Neberlassung von Schwestern behufs ständiger Ausübung der Krankenpflege aus inneren Gründen abgelehnt worden, dagegen hofft der Vorstand mit dem Krankenhause der jüdischen Gemeinde und ebenso mit dem neuen Siechenhause eine Vereinbarung treffen zu könne», die eine dauernde Verwendung der Schwestern herbeiführt. Das Schwesternheim ist am 1. April 1895 eröffnet worden. Am selben Tage hat die Oberin, Fräulein Rose Blau, ihre Wirksamkeit begonnen. Tie Mitgliederzahl des Vereins hat die stattliche Zahl von 1156 erreicht mit 11816,50 Mark Jahresbeiträgen. Jahreseinnahmen und Ausgaben deckten sich mit 25 100 Mark. Dagegen hat der eiserne Fonds (Schwesternfonds) sich von 4 432 Mark ans 17 435,10 Mark durch reiche Zuwendungen in diesem Jahre erhöht. * Berlin, 23. März. Gestern und vorgestern fand in der Religionsschule der Adaß - Jisroel - Gemeinde eine öffentliche Prüfung statt, der beizuwohnen wir zu unserem Bedauern verhindert waren. Die Religionsschnle zerfällt in neun aufsteigende Knaben- und sechs Mädchenklassen, die von 433 Kindern (292 Knaben und 141 Mädchen) besucht werden. Nach dem uns übersandten Schulberichte scheint die Religionsschule ein modernisiertes Cheder in des Wortes schöner Bedeutung zu sein, denn das Verzeichnis der im vergangenen Jahre durchgenommenen Pensa weist eine Menge Pentateuch und Chaje Adam, etwas Mischna und sogar ein wenig Talmud auf — natürlich nur für die Knabenklassen. Weshalb bei dem letztgenannten Unterrichte gerade der erste Abschnitt vom Traktat Makkoth gewählt wurde, verstehen wir freilich nicht. Die unter „Religionslehre" aufgeführten Pensa bewegen sich fast ausschließlich auf dem Boden des praktischen Judentums, getreu dem charakteristischen Ausspruche des genialen S. R. Hirsch: „Der Luach ist der Juden Katechismus". Nachdem aus dem Berichte gewonnenen Eindrücke können wir nur eines sagen: Wird in der Religionsschnle der Adaß - Jisroel - Gemeinde das geleistet, was schwarz aus weiß vor uns liegt, gelingt es den Lehrenden den Weg zum Herzen der Lernenden zu finden und dort unzerstörbare Altäre dem Judentum zu errichten, dann rufen wir der wiederholt genannten Schule 22^ r6s zu! R. Berlin, 24. März. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt ihre Monatssitzung am 14. d. M. in ihrem Vereinslokal unter zahlreicher Beteiligung ihrer Mitglieder ab. Nach Erledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten nimmt der Vorsitzende Herr Dr. Adler das Wort, um in kurzer und anschaulicher Weise das Ergebnis der begonnenen Debatte über seinen wissenschaftlichen Vortrag: „Die Lesebuchfrage in jüdischen Schulen" darzulegen und so die Unterlage für die Fortsetzung der Debatte zu schaffen. Redner stellt als Forderung auf, daß das Lesebuch kein Geschichtsbuch, kein Religionsbuch, sondern die schöne Litteratur des Kindes sein solle, auf die es immer wieder zurückgreifen müsse, um sich zu idealen Zielen zu erheben. Aus diesem Grunde sei es unbedingt notwendig, daß jedes Stück des Lesebuchs das Gemüt anrege, die Kindesseele begeistere und in formvollendeter Sprache dargeboten werde. Ein religiöser Zug müsse das ganze Buch durchwehen, aber nirgends dürfe sich eine konfessionelle Tendenz hervordrängen. Denn das Lesebuch solle nicht zur Unterstützung des Religionsunterrichtes dienen, sondern den deutschen Unterricht fördern und dazu beitragen, daß das nationaldeutsche Empfinden des Kindes belebt und gestärkt werde. Kein Lesebuch genüge allen Anforderungen, die an ein für jüdische Schulen bestimmtes gestellt werden müßten; denn auch das am wenigsten konfessionell gefärbte bringe doch Stücke, die das Gemüt des jüdischen Kindes empfindlich berühren. Es sei aber sehr schwer, ein nach allen Richtungen befriedigendes Lesebuch zu schaffen, da es einerseits so verfaßt sein müsse, daß es für das ganze deutsche Reich in Gebrauch genommen werde könne, andererseits nach der Forderung der Behörden einen provinziellen Teil enthalten solle, in welchen eine Anzahl geschichtlicher und heimatkundlicher Stücke ausgenommen werde. Zwar mache man Versuche, durch Hineinarbeiten in schon vorhandene Lese-, bücher, d. h. durch Ausschneiden solcher Stücke, die für das jüdische Kind nicht geeignet seien und durch Ersetzung derselben durch passende, ein brauchbares Buch zu schaffen; aber diese

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