Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 12 (20.3.1896)
- Date
- 1896-03-20
- Page
- Seite 218 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 218. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 12. seltener Pflichttreue sein Anit verwaltet hat; und noch mehr der Umstand, daß der Verstorbene, obivohl der einzige Bankier und einer der reichsten Männer der Stadt, nicht allein den hiesigen Antisemiten keine Gelegenheit zu Angriffen aus die Inden im allgemeinen und unsere kleine Gemeinde insbesondere gegeben, sondern durch eine sprichwörtliche Redlichkeit der ganzen Bürgerschaft Muster und Vorbild gewesen und dem jüdischen Namen Ehre gemacht hat. Er ruhe in Frieden. Z4Z> Insterburg, 15. März. Eine ehrenvolle Auszeichnung ist Herrn Stadtrat Jsak Eichelbaum zuteil geworden, indem ihm die Vertretung des erkrankten Bürgermeisters übertragen worden ist. Herr Eichelbaum ist auch Vorsitzender des ostpreußischen Gemeindeverbandes und erster Vorsteher unserer Gemeinde, und hat sich in diesen beiden Aemtern viele Verdienste erworben. Besonders ist es sein Verdienst, daß in unserer Gemeinde, die wie die anderen Gemeinden an der Grenze auch ans heterogenen Elementen ziffammengesetzt ist und gewissermaßen einen internationaleil Charakter trägt, Frieden lind Eintracht herrscht und das ganze Gemeindeleben das feste Gefüge und behäbige Aeußere einer Großgemeinde ausweist. j Rosdzin, Oberschl., 15. März. In unserer Svnagoge ist in der Nacht zum 13. d. M. ein Einbruch verübt worden. Ter Einbrecher wurde erwischt und gebunden in das Amtsgefängnis abgeführt. Derselbe ist ein vielfach vorbestrafter Verbrecher. Um sich Geld zu verschaffen erbrach der Dieb den Opferkasten des Gotteshauses, der ihm jedoch abgenommen ivorden ist. r. Wien, 12. März. Dem jüngsten Berichte des Kuratoriums der Baron Hirsch-Stiftung zur Förderung des Volksschulnnterrichtes in Galizien (Wien, Verlag von M. Waizner) entnehmen wir folgende Daten: Zu Beginn des Schuljahres 1894/95 zählte die Stiftung 25 Volksschulen; es wurden in diesem Jahre zehn neue Parallelklassen eröffnet. Die Stistungsschnlen wurden im Jahre 1894/95 von 4500 Knaben besucht, ivährend die Einschreibungen für das neue Schuljahr 1895,96 eine Frequenz von 5597 Schülern ergaben. Das Kuratorium legt auch ein großes Gewicht auf die Ausbildung von Handwerkern und es erhielten 136 bei Gewerbsleuten untergebrachte Lehrlinge den Freispruch. Der Stand des Stiftungsvermögens per 31. August 1895 ist 6,992.850 fl. ch, Pest, 16. März. Der Sohn des von den Antisemiten in den Tod getriebenen Gastwirts Ignatz Adler (siehe Wochen- Chronik. Red.) hat den Rechtsbeistand seines Vaters, den 'Advokaten Dr. Guthi ausgesucht und erklärt, er wolle den von seinem Vater eingeleiteten Preßprozeß fortführen. Dr. Guthi richtete demzufolge an das hiesige Preßgericht eine Eingabe, .worin er um die Fortsetzung des preßgerichtlichen Verfahrens ersucht. In dieser Angelegenheit hat die Schwurgerichtsverhandkung am 26. d. M. stattflnden sollen. * Pest, 17. März. Dr. Gabriel Baliut, ein Mitglied der Expedition Zichys, hat festgestellt, daß die Sprache der Kabarden eine Schwestersprache der ungarischen sei. Bäliut hält es an der Hand seiner vergleichenden Studien für erwiesen, daß die Kabarden Nachkommen jener Kabarden jüdischen G l a u b e n s sind, die als bei der Landnahme mitwirkend erwähnt werden. 83» St. Petersburg, 12. März. Am 3. d. M. feierten die hiesigen Gelehrtenkreise das 35 jährige litterarisch-wissenschaftliche Jubiläum unseres berühmten Gelehrten Dr. Abraham Harkavi. Dr. Harkavi ist seit dem Jahre 1877 als Bibliothekar der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek angestellt, hat mehrere Orden, ist Staatsrat und zugleich Mitglied der Pariser Societe Asiatique und Societe des etudes juives, der deutschen morgenländischen Gesellschaft zu Berlin, der königlichen Akademie zn Madrid u. s. w. Seine Werke über jüdische Geschichte und Altertümer sind gediegeir ^und mit einer bemerkenswerten Gewissenhaftigkeit versaßt. Ihm auch gehört das Verdienst, eine vollständige Uebersetzung von Grätz' „Geschichte der Juden" ins Russische besorgt zu haben, die er mit solch wichtigen und gelehrten Anmerkungen versehen hat, daß Grätz selbst sich derselben bei der zweiten Ausgabe seiner Geschichte zu bedienen für angemessen fand. In einer von Baron Günzburg geleiteten feierlichen Sitzung der Gesellschaft zur Verbreitung von Aufklärung unter den Juden wurden dem Jubilar eine Adresse und 5000 Rubel behufs Gründung einer Schule auf seinen Namen überreicht. Eine Deputation der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek, bestehend ans den Herren W. W. Stassow, Professor M. S. Kutorga, A. I. Brauda und I. I. Tresskin gratulierte gleichfalls Dr. Harkavi zu seiuem Jubiläum. 83 St. Petersburg, 12. März. Der Synod hat dieser Tage neue Vorschriften für die Ausnahme jüdischer Konvertiten im Gouvernement Wilna erlassen. In diesen Vorschriften heißt es unter anderem, daß der Geistliche, an den sich der Tauskandidat zuerst wendet, nicht eher mit der religiösen Unterweisung beginnen dürfe, als bis er sich von der Aufrichtigkeit der Absichten des Kandidaten überzeugt hat. Außerdem werden von nun an alle öffentlichen Verhandlungen, welche auf religiöse Frage» Bezug haben, aufs strengste verboten. Denn, wie es in genannten Vorschriften wörtlich heißt, führen solche Streitigkeiten (wie die Erfahrung gelehrt hat) zu Beschimpfungen des Christentums und zu zweckloser Wortmacherei. — Im Senat soll binnen kurzem die Frage über das Wohnrecht der knrländischen Inden in allen Ortschaften des russischen Reiches zur Entscheidung kommen. hj. Kasanj, 15. März. Der jüdische Richter Dillon am Kriminalgericht zu Kasan hat sein Amt niedergelegt und giebt es jetzt in ganz Rußland keinen jüdischen Richter mehr. Im Jahre 1870 fungierten deren noch 18 im russischen Reiche. ööö London, 10. März. Baron Hirsch hat die 3600 Aktien seiner argentinischen Kolonisationsgesellschaft, die bis jetzt im Besitze der Alliance in Paris gewesen, der hiesigen Anglo Jewish Association übergeben, da die Alliance diese Aktien nach französischem Gesetze nicht besitzen darf. Dieselben repräsentieren einen Wert von 9 Millionen Franks. öbb London, 11. März. Der vor einigen Monaten verstorbene Sir Julian Goldsmid hat folgende Legate testiert: für University College Hospital 2000, das königliche Krankenhaus 2000, das jüdische Krankenhaus Lower Norwood 1000, die jüdische Freischule 1000, die jüdische Kinderschule 2000, den jüdischen Board of Guardians 2000, die West-London Synagoge 1000, das ^letropolitan-Krankenhaus 1000, das Bromton- Krankenhaus 500, das Dumbridge-Waisenhaus 2000, das Sussex - Krankenhaus 500 Pfund Sterling. Die gesamten Legate für Wohlthätigkeits-Anstalten betragen 13 555 Pfund (270000 Mark). ÖÖ3 London, 12. März. Im Vordergrund des öffentlichen Interesses steht in hiesigen jüdischen Kreisen ein Artikel der „Quarterlv Review" betitelt: „Der moderne Jude", der von den schmählichsten Angriffen gegen Inden und Judentum überfließt. Es genügt zur Charakterisierung dieser Angriffe darauf hinzuweisen, daß ein Teil derselben den Broschüren und der Zeitung Drumonds wörtlich entnommen ist. Iwar nimmt die „Quarterlv Review" schon längst nicht den früheren Rang ein, sie ist vielmehr wie etwa die Leipziger „Grenzboten" nur eine Ruine aus früheren Zeiten, aber wir englischen Juden sind ungleich empfindlicher gegen alle Angriffe als die Juden des Kontinents, und der Artikel der „Quarterly Review" hat daher eine energische Abwehr in den jüdischen Organen und von den Kanzeln gefunden. öüö London, 15. März. Ter erste Ratgeber des indischen Nabobs Sir Sidi Ahmed Khan, des Herrschers von Jangira, ist ein Jude, Mr. Shaloam Lapnji voll den Beni-Jsrael. Dieser Staat genießt den Ruf, einer der bestregierten in Indien zn sein.