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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-03-20 · 12 (20.3.1896) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
12 (20.3.1896)
Date
1896-03-20
Page
Seite 217 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 12. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 217. fast der gesamten Kinderschar mitwirkten, war eine recht ivürdige. Am meisten und angenehmsten siet nns die Miniatur- Synagoge der Anstalt auf, die etwa 60 Betern Platz bietet und einfach, aber geschmackvoll ansgestattet ist. Sie trägt, vermutlich damit die Namen der Gründer der Anstalt, Herr- Hermann Abraham und Gattin gebührender Maßen verewigt iverden, den Namen Qhel Abraham. ß Berlin, 17. März. In der Sitzung der Repräsentantenversammlnng am 15. d. Mts. bewilligte die Versammlung die Erhöhung der Subvention für das israelitische Knrhospital in Warmbrnnn von 00 auf 150 Mark, desgleichen die Summe von 140 Mark für Anschaffung eines Aktenschranks. Eiire Vorlage, betreffend den Ban der Synagoge in der Lützowstrafte wurde der geheimen Sitzung überwiesen. 3 Berlin, 17. März. Einen schönen und befriedigenden Verlauf nahm das l. Stiftungsfest der Wissenschaftlichen Vereilligung jüdischer Schulmänner. Der vergnügte Abend, den ntan hier verlebte, täuschte ans kurze Weile über die verhäugnisvolle Ausnahme-Verfügung hinweg, deren Gegenstand die Berliner jüdischen Lehrer sind. Fröhliche Reden, schwungvolle Vorträge uitd heiterer Sang riesen eine behagliche Stimmung hervor. Der Vorsitzende Dr. Adler feierte die „Wissenschaftliche Vereinigung", die in der kurzen Zeit ihres Bestehens großes erreicht habe und noch höheres erreichen wolle. Ter „Dentsch-israelitische Lehrerbnnd" bedeute die Verwirklichung eines idealen Traumes, den die Lehrerwelt lange geträumt, und wenn dieser Traum endlich in Erfüllung gegangen, so habe die „Wiffeilschastliche Vereinigung" ein großes Verdienst an dieser kulturgeschichtlichen That. Mit Recht habe die „Vereinigung" die begeisterte Anerkennung seitens der Deputierten der israelitischen Lehrer gesunden, die aus allen deutschen Gauen vor zwei Monaten zusammenkamen. Dr. Blaschke rühmte das unermüdliche Wirken des Verbandsvorsitzenden für die Interessen der jüdischen Lehrer. Herr Tr. Adler habe eine angestrengte und mühevolle Thätigkeit entwickelt, wir sehen vielfältige Frucht gezeitigt. Ist doch die Gründung des „Deutsch-israelitischen Lehrerbnndes" vornehmlich sein Werk. Sein freundliches Wesen, seine reiche Erfahrung, seine stets sachlich-korrekte und mild-entgegenkommende Haltung habe allen Mitgliedern steigende Bewunderung abgerungen. Sein versöhnliches und besänftigendes Auftreten habe manchen Streit, manchen Zankapfel im Keime erstickt. Unter den schönen Genüssen, die der Abend bot, ist Herrn Flanters höchst komische Vorlesung über Zoologie hervorznheben. Seine mit der größten Gelassenheit vorgctragenen neuen zoologischen Theorien, die er an der Hand ulkiger Demonstrationen erläuterte, riesen unbändige Heiterkeit hervor, sticht geringeren Beifall erntete Frau Tichauer mit ihrem von feinem Verständnis zeugenden Vortrag der schönen Dichtung: „Er kommt." Dichterische Spenden lieferten die Vereinspoeten Remak rlnd Jacobsohn in reicher Zahl und gediegener Qualität. Erst der frühe Morgen weckte die Festteilnehmer aus ihrer behaglichen Fröhlichkeit. Das Fest wird ihnen gewiß in angenehmer Erinnerung bleiben. B. Tr. 1 Berlin, 17. März. Der in dieser Woche stattsindenden Generalversammlung des Hikssvereins für jüdische Studierende wird eili zeitgemäßer mxb höchst beachtenswerter Vorschlag unterbreitet werden, mit dessen Annahme die Thätigkeit des Vereins einen größeren und ersprießlicheren Wirkungskreis wird entfalten können. Mit Rücksicht nämlich darauf, daß die beiden gelehrten Bernfszweige, die von den jüdischen Studierenden hauptsächlich ergriffen werden, der juristische und medizinische, überfüllt sind, soivie darauf, daß die technologischen Gewerbe in den letzten Jahren einen ungeahnten Aufschwung genommen, haben die Herren Maurermeister M. Adler, Joseph Fräukel und Landschaftsmaler Julius Bodenstein den Antrag gestellt, die Statuten dahin zu ändern, daß nicht nur wie bisher jüdische Studierende der Universitäten, sondern auch Zöglinge anderiveitiger höherer Lehranstalten (Bauschulen^ Technikum, Veterinär- und landwirtschaftliche Schulen) durch Stipendien unterstützt werden. Ter Antrag bezieht sich nicht blos aus Lehrlinge und Gesellen, welche die notwendige Werkstattlehre genießen oder hinter sich haben, sondern auch aus solche, welche vermöge ihrer guten Schul- und Fachkenntnisse die Fähigkeit, sich weiter anszubilden, haben. Mit der Annahme dieses Antrages würde auch der Verein zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden in Preußen eine kräftige Stiitze erfahren. O Frankfurt a. Oder, 18. März. Tie Feier des 25jährigen Amtsjnbiläums unseres Kantors und Lehrers Herrn Eduard Abraham findet ans Veranlassung des Vorstandes der hiesigen Synagogen-Gemeinde am Sonntag, den 19. April, statt. * Königsberg i. Pr., 10. März. Das Waisenhaus für Stadt und Provinz in Königsberg versendet seinen 35. Jahresbericht. Im Anschluß an die im Vorwort des Vorstandes eröffnete Aussicht, infolge der Vergrößerung, die das Anstaltsgrundstück durch einen zweistöckigen Anbau erhalten, die Mädchenabteilung für die Zukunft nach Bedarf eventuell um das doppelte zu vergrößern, werden Grundsätze für die Erziehung speziell der Mädchen entwickelt, die jeder Erziehungsanstalt zur Nachahmung empfohlen werden können. Der Vorstand macht ferner die erfreuliche Mitteilung von der neuerdings zustande gekommenen kameradschaftlichen Verbindung seiner älteren, bereits in ansehnlichen gefestigten Stellungen befindlichen ehemaligen Zöglinge zur freundschaftlichen und materiellen Hilfeleistung besonders gegen die jüngeren, für den Kampf mit dem Leben noch ungeübten Zöglinge der Anstalt. — Der Anstaltschronik entnehmen wir, daß die Zahl der Zöglinge zur Zeit 32 (23 schulpflichtige Knaben und 5 schulpflichtige Mädchen, 3 Handwerkslehrlinge und ein in seiner beruflichen Ausbildung begriffenes Mädchen), also fünf mehr als im Vorjahre beträgt. Die Anstalt verließen im vergangenen Jahre zwei Handwerksgesellen und zwei beruflich bereits ausgebildete Mädchen. Ein ehemaliger Zögling hat kürzlich seine akademischen und rabbinischen Studien vollendet und ist seitens des jüdischtheologischen Seminars zu Breslau zur llebernahme eines Rabbinats designiert worden. Ein langes Verzeichnis von Geschenken zeigt das liebevolle Interesse, dessen sich die Anstalt erfreut. Ter Kassenbericht führt an verwendbaren Einnahmen 19 607,89 Mk. auf, deuen eine etatsmäßige Ausgabe von 17j784,93 Alk. gegenüberstehen, wozu noch ein Extraordinarium i Teilansgabe für den Neubau) in Höhe von 8188,60 Mk. kommt. Die Verpslegnngskosten betrugen pro Tag und Kopf 48,8 Pfennige und die Gesamtausgabe pro Kind im Jahre 584,82 Mk. Ta sich auch die zu kapitalisierenden Einnahmen trotz der Ausgaben für den Neubau durch Legate und Beiträge behufs Erwerbung der immerwährenden Mitgliedschaft vergrößert haben, so ist das Barvermögen der Anstalt nur 21,14 Mk. geringer als im Vorjahre und beträgt z. Z. 311,528,36 Mk. Die Verwaltung der Anstalt besteht ans den Vorstandsherren: Rabbiner Dr. Bamberger (Vorsitzender), A. Magnus (stellvertretender Vorsitzender und Kassierer), S. Mathias (Schriftführer), A. Aron, Dr. A. Friedländer, I. Lazar, I. Eichelbaum- Jnsterburg, M. Wasbutzki-Tilsit und den Ehrendamen: Frau Rahel Jofephson, Frau Minna Löwentbal und Frau Emilie Magnus. Die Leitung und Qekonomie der Anstalt liegt in den Händen des Herrn Inspektor A. Peritz und seiner Frau. * Sagau, 12. März. Nach kurzem Krankenlager ist heute der königl. Lotterieeinnehmer und Bankier Ferdinand Wiesenthal im Alter von 72 Jahren gestorben. Der Verstorbene bekleidete mehrere Ehrenämter, so war er viele Jahre hindurch Stadtverordueter und bis vor wenigen Jahren Vorsitzender der Handelskammer für die Kreise Sagau und Sprottau. Doch nicht dieser Aemter wegen teilen wir den Lesern sein Ableben mit. Maßgebend für Abfassung und Aufnahme dieses Berichts ist der Umstand, daß der Verblichene länger als ein Viertel Jahrhundert dem Vorstande der jüdischen Gemeinde (17 Jahre als Vorsitzender desselben) angehört und mit

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