Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 11 (13.3.1896)
- Date
- 1896-03-13
- Page
- Seite 199 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
- Zittau 1× ep/1046085
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Nr. 11. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 199. öffentlich! haben, veranstaltete neulich aus Anlaß ihres Silberjubiläums eine würdige Gedächtnisfeier, in deren Verlauf den drei um den Verein besonders verdienten Vorstandsmitgliedern, den Herren Chaim, Dorn und Wedell, eine besondere Ehrung zuteil wurde: sie wurden zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt. — Ahlwardt soll erklärt haben, er habe viel Geld in Amerika erworben und wolle nach Deutschland zurückkehren. — Das ist zwar nicht wahr, aber Wiedersehn macht Freude. — Dr. Bocket hat sich vom antisemitischen Geschäft, bei dem heutzutage nichts mehr zu holen ist, abgewandt und ist als Statistiker bei einer Aktiengesellschaft eingetreten. — In Sachen Sedlatzek, der bekanntlich von der Anklage der Gotteslästerung und der Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft vom hiesigen Landgericht I (8. Strafkammer) freigesprochen worden, hat die Staatsanwaltschaft Revision beim Reichsgericht angemeldet. Es bleibt nun abznwarten, ob der höchste Gerichtshof Deutschlands sich dem Aufsehen erregenden Urteile der 8. Strafkammer anschließen werde. — Der „Deutsche Verband kaufmännischer Vereine" hat ein Aufnahmegesnch des „Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes (Sitz Hamburg) zurückgewiesen, weil derselbe bekanntermaßen antisemitische Tendenzen verfolge. — Aus Zittau wird uns berichtet: Einen wehmütig heitern Abschluß hat bei uns das Purimfost gefunden. Herr Berthold Kristeller übersiedelt in diesen Tagen von hier nach Braunschweig. In den 15 Jahren seines hiesiges Aufenthaltes hatte er sich mit Eifer und Verständnis dem Dienste der jüdischen Gemeinde gewidmet und gehörte in dieser ganzen Zeit nur mit kurzen Unterbrechungen der Vertretung als Ausschuß-, oder Vorstandsmitglid an und war Mitbegründer und Vorsteher der Chewra-kadischa. Bei dem Abschiedsfeste, welches ihm zu Ehren am Sonnabend abend veranstaltet worden, dankten Herr M. Glaser, der Vorsitzende des Gemeindevorstandes und Herr N. Goldstein, der Vorsitzende der Chewrakadischa dem Scheidenden für seine segensreiche Thätigkeit in feierlicher Weise. Viele der Anwesenden sprachen ihre Wünsche für das fernere Wohlergehen des Gefeierten in gebundener und ungebundener Rede aus. Mögen diese Wünsche in Erfüllung gehen, daß Herr Kristeller auch ferner Zeit und Kraft in Ueberstuß habe, um sie der heiligen Sache zu widmen. — Infolge einer Zeitungsnotiz erklärte der neue bayrische Kultusminister in einer der letzten Kammerverhandlungen in München, daß an den Universitäten in Bayern die Zahl der Professoren katholischer Konfession überwiege. Akademische Lehrer jüdischer Konfession finden sich in München 5, in Erlangen 3, in Würzburg keine. — Ein ungarisches Blatt meldet: In der Gemeinde Gyanta des Biharer Komitats wurde vor kurzem der junge Arzt der Gemeinde, Dr. Bela Vergel, beerdigt. Nachdem der Rabbiner die rituelle Funktion versehen hatte, trat der (christlich-) reformierte Seelsorger Stefan Toth an die Bahre und würdigte in einer schönen Rede die Verdienste des Verstorbenen, für den er zum Schluß ein Gebet verrichtete. — Der „Wjek" teilt mit, es sei beabsichtigt, eine jüdische Ackerbau-Kolonie in der Nähe von Minsk zu gründen. Die Initiative zu diesem Unternehmen stammt von einem reichen Minsker Inden, Benjamin Poljak. Die Kolonie soll einen rein philanthropischen Charakter tragen und soll dem jüdischen Proletariat die Möglichkeit gewähren, sich durch die Praxis mit dem Ackerbau bekannt zu machen. — In Odessa cirkuliert das Gerücht, mehrere jüdische Mäcene hätten im Hinblick auf die zu eröffnende medizinische Fakultät an der dortigen Hochschule den Wunsch geäußert, eine ansehnliche Summe Geldes zum Ankauf von Privathäusern auf dem „Namenlosen Platz", wo die Kliniken errichtet werden sollen, zum Besten der neuen Fakultät zu spenden, unter der Bedingung, daß es den Juden gestattet sei, in unbegrenzter Zahl an der Odessaer Universität für das Studium der Medizin sich immatrikulieren zu lassen. — Die jüdische Gemeinde in Lissabon zählt unter ihrer nicht großen Mitgliederzahl verhältnismäßig viele Arme. Wie aus dem soeben veröffentlichten Jahresberichte des Bereits „Somech - Noflim" ersichtlich, werden diese jedoch von den wohlhabenderen Glaubensgenossen und dem genannten Verein ausreichend unterstützt. Dieser Verein steht unter Leitung von Damen und die Armen erhalten außer regelmäßigen wöchentlichen noch besondere Unterstützungen an Purim und Peßach, sowie in Krankheitsfällen freie ärztliche Behandlung und Arznei. Der Bericht weist 90 Mitglieder und 30 Spender auf. — Die jüdisch e Kolonie, die der Baron Hirsch vor einiger Zeit im kanadischen Nordwest-Territorium gegründet hatte, hat sich aufgelöst. Von den 800 Ansiedlern, welche am Anfang Land erhielten, sind nur 12 in der Kolonie geblieben. So meldet die Köln. Volkszeitung. — Die Regierung in Coolgardie (West-Australien) hat der jüdischen Gemeinde einen Bauplatz gitr Errichtung einer Synagoge geschenkt, und die Gemeinde hofft schon, zu den nächsten Feiertagen im Besitz eines würdigen Gotteshauses zu sein. _ Litterarisches. — Die Schriften des elften Jahrgangs im hebräischen Litteratur-Verein Mekize Nirdamim werden bis zu ineiner Rückkehr nach Berlin so weit fertig gestellt sein, daß mit der Versendung derselben sofort nach dem Peßachfeste wird begonnen werden können. Es erscheinen: 1. Jona ibu Gannachs Wörterbuch, dritte Lieferung. 2. Jehnda ha Lewis Diwan, zweite Lieferung. 3. von Abraham Broda, Denkwürdigkeiten der Synagoge von Aussee (zugleich viel geschichtliches Material über berühmte Zeitgenossen enthaltend). 4. Einleitung in das Machsor Yitry und Indices zu demselben, als selbständige Schrift. 5. Sammelband mit einer Anzahl verschiedener Piecen. Geldsendungen wie Anmeldungen zum Beitritt können auch während meiner Abwesenheit an meine Adresse in Berlin (Krausnickstr. 21) gerichtet werden. San Remo, am 1. März 1896. Dr. A. Berliner. * Eine hebräische Musik-Zeitschrift. Unter dem Titel „Jarchon Hachasanim" erscheint seit Januar dieses Jahres in Warschau eine hebräische Musik-Zeitschrift, die als eine eigenartige und beachtenswerte litterarische Erscheinung bezeichnet zu werden verdient. Mir liegt das zweite Monatsheft