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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-03-13 · 11 (13.3.1896) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
Seite 200 (sequence 16)
Language
German
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Seite 200. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. I I. vor, das eine musikalische Beilage (eine Komposition des Gebets Magen-Aboth) enthält, über deren Wert ich mir natürlich als Laie kein Urteil erlaube. Hingegen muß ich dem textlichen Inhalt ob seiner Reichhaltigkeit und Gediegenheit alles Lob spenden. Der Herausgeber (Herr Kantor A. C. B. Birnbaum in Czenstochan in Russisch-Polen) führt eine kräftige Sprache und beschränkt sich nicht nur auf den mnsikalischen Teil des jüdischen Gottesdienstes, vielmehr finden wir in seinen Aufsätzen sowohl kulturhistorisch wichtige Bemerkungen wie auch eine freimütige Beleuchtung der gegenwärtigen Zustände in unseren Synagogen. Tie Zeitschrift verdient nicht nur von Kantoren gelesen zu werden, da sie nebst dem musikalischen Teil auch das wissenschaftliche und kulturhistorische Interesse befriedigt. Offen gesagt, ich begrüße diese Erscheinung mit Freuden, trotzdem, daß der Herausgeber für Gebete in der Landessprache, Reformen im Gottesdienste re. mit Verve eintritt. Es ist erfreulich, daß dies nicht in jener seichten Weise geschieht, mit der „unsere" Reformer für jene Ideale eintreten. Immerhin werden unsere Reformatoren, falls sie einen Parteigenossen aufzuweisen haben, der leidlich Hebräisch versteht, gut daran thun, aus jener Zeitschrift Material für ihre Bestrebungen zu holeu. Ihnen wie jedem Freunde der hebräischen Litteratur kann ich die Zeitschrift nur bestens empfehlen. _ S. B. Personalien. — Versetzt: Herr A. Strauß aus Burghaun (zuletzt in Brüssel) an die Jacobsonschule in Seesen. — Herr N. Jäger von Gnesen nach Pudewitz. — In Schlappe ist Herr Fillo nur provisorisch angestellt. Definitiv gewählt ist Herr S. Cz y zyk aus Wormditt. — Die infolge Erkrankung des Lehrers sreigewordene Stelle zu Wolfenbüttel wird am 15. April durch den Lehramtskandidaten Herrn Moritz Sorge aus Kassel wieder besetzt werden. — An der südafrikanischen Universität zu Capstadt wurde Rev. A. P. Bender zum Professor des Hebräischen ernannt. Ferner wird von dort berichtet: Am Freitag Abend den 7. Februar sprach Rev. Bender vor zahlreicher Versammlung über „die ideale Seite der häuslichen Sabbatseier" und wurde der allgemeine Wunsch ausgesprochen, daß am ersten Freitagabend eines jeden Monats ein ähnlicher Vortrag gehalten werde. — Der Kolonial - Bericht des Staates Jangira in Indien wurde soeben veröffentlicht. Ter Herrscher dieses Staates ist Nawab Sir Sidi Ahmed Khan und es verdient bemerkt zu werden, daß einer seiner ersten Räte ein Mitglied der Gemeinde Beni Israel, Herr Shalom Lapuje ist, welcher aus die vortreffliche Leitung der öffentlichen Angelegenheiten einen bedeutenden Einfluß übt. Brief- und Lragekaften. — Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir inbezug auf die Anmerkung auf Seite 173, Nr. 10 der „Allgemeinen Israelitischen Wochenschrift" eine Berichtigung und eine Frage. 1. Ich habe in der „sogenannten" Montags-Vorlesung nicht behauptet, daß in Cäsarea griechisch gebetet wurde. Meine Worte lauteten: „Alexandrien und andere hellenistische Gemeinden hatten bereits vor 2000 Jahren ihre Reformsynagogen, in welchen die Sprache des Gebetes rein griechisch war." 2. Woher weiß Herr Dr. S. Bernfeld, daß ich zu den Herren gehöre, welche den jerusalemischen Talmud im Original weder gelesen haben noch auch lesen können? Hochachtungsvoll Dr. N. Samter. — Herrn I. H. Z., Neutomischel. Das Adressenbureau von A. Brode ist absolut zuverlässig und empfehlenswert. Herrn F. S., Lemgo. Das Gedicht wird erscheinen, sobald wir wieder etwas freien Raum haben. Herrn L. K., P. Erst sehen, dann drucken. Herrn Dr. K., Frfrt. a. M. Die bezeichnete Art von Berichterstattung erinnert lebhaft an die bekannte Erzählung: In Leipzig oder wo Hat neulich oder wann Ein Maurer oder wer Seine Frau oder wen Mit einem Hammer oder wie Erschlagen oder was. — In Nr. 7 und 8 dieser gesch. Zeitschrift erschien ein Aufsatz des Seminarlehrers a. D. Treu, lieber den sachlichen Inhalt der Artikel im allgemeinen kein Wort. Trotz mehrfachen Durchlesens weiß ich heute noch nicht, was Herr Treu eigentlich will. _ Es ist möglich, daß die Schuld nur an mir liegt. Leider ist es mir trotz aller Bemühungen nicht gelungen, jemanden ausfindig zu machen, der den Verfasser verstanden hat. Klar geworden ist mir, was ich gern bezeuge, Herrn Treus Liebe zum Lehrerstand, der ihm so vieles verdankt. Aber der Aufsatz thut mir auch die Ehre an, sich mit meiner Persönlichkeit zu beschäftigen. Weder im guten noch im weniger guten Sinn, sondern heides. Neben Lobsprüchen, die mindestens in ihrer Ueberschwenglichkeit ganz unverdient sind, findet sich die Behauptung, ich hätte auf der Konferenz in Hörde „namhaften Personen das Versprechen gegeben, die von mir gesammelten Gelder der Unterstützungskaffe in Essen zufließen zu lassen." Herr Treu ist falsch berichtet worden. Seine Behauptung entspricht nicht den Thatsachen. Die Wahrheit ist folgendes. Damals wie heute von dem Wunsch beseelt, innige freundschaftliche Beziehungen zwischen Unterstützungs- Kasse und unserem Verein herbeizuführen, äußerte ich Herrn Steinweg-Rheda gegenüber, wenn dadurch dieses Ziel erreicht werden könne, so würde unser Vorstand wohl einige hundert Mark von seinem Vermögen der Unterstützungskasse zur Verfügung stellen. Was Herr Treu mir aber in den Mund legt, kann man nur als lächerlich bezeichne». Denn erstlich kann ich nicht selbständig über unsere Gelder verfügen, wenn sie auch zum größten Teil von mir gesammelt sind, und zweitens brauchen auch wir Geld zur Durchführung unserer Zwecke, die sich mit denen der Essener Kasse durchaus nicht ganz decken. (Siehe Inserat). An verschiedenen Stellen der Treuschen Artikel blickt der Vorwurf durch, ein Rabbiner solle sich nicht an die Spitze eines Lehrervereins stellen lassen. Kein klar und deutlich erkeunbarer Vorwurf, das gebe ich zu, aber leider ist außer der Tendenz überhaupt nichts klar in der ganzen Arbeit. Nun, ich stehe nicht, weil ich Rabbiner und Mitglied des rheinischen Rabbinerverbandes bin, sondern als Lehrer an der Spitze unseres Vereins. Ich bin stolz darauf, mich einen Lehrer nennen zu dürfen, habe das Recht dazu mir durch mehrere höhere Lehrerprüfungen erworben und lasse es mir von niemandem bestreiten. Das Vertrauen unserer Vereinsmitglieder hat mich an ihre Spitze berufen und keiner, nach den von ihnen mir gespendeten Lobsprüchen, Herr Treu zu allerletzt, wird mir vorwersen wollen, daß ich dieses Vertrauen getäuscht, daß ich nicht nach bestem Können die heilige Lehrersache zu fördern gesucht habe. Zum Schluß sei noch ein Irrtum des Herrn Treu berichtigt. Unser Verein führt seit dem 1. Januar 1896 den Namen „Verein jüdischer Lehrer im Rheinland und Westfalen." Das ist mein erstes und letztes Wort in dieser „eignen Angelegenheit." Sowohl Herr Treu als auch ich haben jetzt, wo die wichtigsten Interessen der Lehrerwelt Preußens auf dem Spiele stehen, besseres zu thun, als uns in Zeitungen zu loben oder zu tadeln. Dr. F. Lazarus-Köln.

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