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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-03-13 · 11 (13.3.1896) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
Seite 198 (sequence 14)
Language
German
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Seite 198. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 11. dagegen eine Appellklage im Departement des Kijewer Appellhofs ein. Die Experten erklärten, daß der Name „Alexander" lange vor der christlichen Aera bei den Juden im Gebrauch gewesen war und noch gebraucht wird. Sender sei nur das Diminutiv dieses Namens. Daß Juden den Namen Alexander führten, lehre z. B. auch die Apostelgeschichte (4, 6 und 19, 91 und 34). Der Appellhof sprach hierauf Alexander Tscherkeß frei. — Eine Wendung in Rumänien? Vor einiger Zeit versprach der gegenwärtige rumänische Ministerpräsident einer jüdischen Abordnung, daß, auf dem Wege der Gesetzgebung, Schritte gethan werden sollten zur Aushebung der Beschränkungen für Juden, welche öffentliche Elementarschulen zu besuchen wünschen. Es ist thatsächlich von dem Unterrichtsminister ein Gesetzentwurf vorbereitet worden, und, nach den Regierungsblättern setzt der Artikel 1 fest, daß der Unterricht in öffentlichen Schulen kostenfrei ist für alle, ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität. Eine genauere Prüfung des Gesetzentwurfs hat jedoch gezeigt, daß er all' die Beschränkungen aufrecht erhält, die durch das Gesetz von 1893 über den Schulunterricht der Kinder von „Ausländern" (d. h. Juden) auferlegt wurden. Es haben bereits jüdische Protestversammlungen stattgefunden, und an die Kammer wurden Petitionen gesandt; wichtiger aber ist, daß eine Sonderpetition, die für die Aufhebung der von jüdischen Kindern geforderten besonderen Schulsporteln eintritt, von 154 christlichen Studenten der Bukarester Hochschule an das Parlament gesandt wurde. Die unabhängigen polirischen Blätter haben einen Feldzug zu guusten der Juden begonnen und heben die unbestreitbaren Rechte derselben hervor. — Für den Sabbat! Die New-Porker Gesellschaft für strikte Sabbat-Observanz hat beschlossen, einen Aufruf an die Rabbiner der bestehenden Gemeinden New-Porks zu erlaffeu, um sie zur Bildung von Zweigvereinen in ihren respektiven Gemeinden zu veranlasseu. Tie Ausführung dieser Maßregel ivird, wie gehofft, die Glaubensgenossen aus die Wichtigkeit des vierten Gebots und dessen strengere Beobachtung aufmerksam machen. Bezeichnend ist, daß der Geistliche der christlichen Sabbatianer, Rev. Dr. A. H. Lewis, in dem Tempel der Gemeinde Sichron Ephraim jüngst einen sehr beifälligen Vortrag über die Wichtigkeit der strikten Beobachtung des jüdischen Ruhetages hielt. Er sagte unter anderem: „Die ersten Christen beobachteten den Sabbat. Es läßt sich keine bestimmte und authentische Quelle Nachweisen, nach welcher Sonntag vor der Mitte des zweiten Jahrhunderts nach d. ü. Z. gefeiert worden wäre. Als das Christentum den semitischen Boden verließ, wurde die Sabbat-Institution auf Grund fundamentaler Auffassung des Christentums angegriffen. Orientalischer Dualismus und griechische Philosophie, nebst anderen untergeordneten Einflüssen gipfelten int Gnostizismus. Der Kernpunkt dieses Systems war die Idee, daß die wahre Gottheit sich allem Wissen entziehe; daß die Offenbarung eigentlich eine Reihe auseinanderfolgender Emanationen waren, daß Jehova, der Gott der Juden und der Schöpfer der Materie, einer dieser untergeordneten Götter war, und daß die Zehn Gebote blos die Verkörperung dieses Gottes wären und daher keine weiteren Verbindlichkeiten für die damalige Welt hätten. Die Beobachtung des siebenten Tages als Feier- und Ruhetag involviert darum die Anerkennung Jehovas als Weltenschöpfer seitens der Juden und Christen." — Verdächtiges Lob. Schon vor einiger Zeit deuteten wir an, daß die häufige Belobigung, welche die Gesamtheit der Juden vonseiten amerikanischer Christen in letzter Zeit erfährt, uns etwas verdächtig vorkommt. Es beweist, daß drüben sich der Antisemitismus regt und daß die Amerikaner, vorsichtig und „smart" wie immer, Löschmaterial herbeischaffen, noch ehe der Brand ausgebrochen. Gleichwohl drucken wir derlei ehrende Zeugnisse für das Judentum und erhebende Worte für seine Bekenner gern ab, und wollen unsere Sammlung solcher Zeugnisse heute um ein neues bereichern. Vor dem Vereine von Predigern der Presbyterianer-Kirche in Baltimore hielt nämlich der Dekan Wm. I. Clendennin einen bemerkenswerten Vortrag: „Die Juden, ihre Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft." Er nahm den Standpunkt ein, daß die Geschichte uns deutlich zeigt, daß die göttliche Vorsehung alle die Völker bestraft hat, welche die Juden verfolgten. Er meinte, eine Krisis in dem Bestand der Juden stehe uns bevor, die Hälfte aller Juden wohne in Rußland und erleide die russische Politik keine Aenderung, so werde wohl über kurz oder lang das Gros der Juden zur Auswanderung gezwungen werden und die Regierungen würden sich gezwungen sehen, den Juden ihr altes Vaterland, Palästina, zu sichern. Er sprach von dem großen Einfluß der Juden in England und den Vereinigten Staaten und schrieb das Gedeihen dieser Länder dem göttlichen Segen zu, der diesen Ländern ob ihrer brüderlichen Behandlung der Juden gewährt wurde. Viele Redner schloffen sich dem Vortragenden an. Ein Kaufmann, Herr D. W. Glaß, sagte, seine Erfahrung im Umgang mit jüdischen Kaufleuten sei, daß dieselben mehr von dem christlichen Geist besäßen, als viele christliche Kaufleute und Herr W. G. Douglaß, der Redakteur des „Baltimore American" machte die Schlußbemerkung, daß er in den Juden das Licht der Welt erkenne und in der Wiedergewinnung Palästinas als Heimatland als Schiedsgericht für Schlichtung aller internationalen Streitigkeiten. — Unruhen in Marokko. Nach Berichten aus Tanger wurde die Ruhe, welcher sich die Juden in Marokko für kurze Zeit zu erfreuen hatten, wieder gewaltsam gestört. Die Barbarei feiert wieder ihre Orgien und hatten in jüngster Zeit besonders die Juden in Azimour, welche schon Jahre lang die traurigen Opfer grausamer Bedrückung und Gewaltthätigkeit waren, viel zu leiden. Die Mauren überfielen das Judenviertel und raubten alles, was ihnen unter die Hände kam, schlugen und verwundeten die Personen und schändeten die Frauen. Die Räuber schleppten sogar eine 14jährige Jüdin mit sich fort, deren trauriges Los schließlich die Sklaverei sein wird. In einem Schreiben an den Rabbiner zu Tanger bitten die Juden von Azimour denselben um seine Intervention bei den Vertretern der fremden Mächte. Hier und dort. — Die „Amicitia", über deren Wirken und Bedeutung wir Ende des vorigen Jahres einen längeren Aufsatz ver-

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