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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-03-13 · 11 (13.3.1896) · p. Seite 191

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
Seite 191 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 191. Die 3uim, in Rumänien. m. Bukarest, im März 1896. Sie wissen, daß vor einiger Zeit das konservative Kabinet der Herren Lascar Catargiu-Lakovary entlassen und durch ein liberales Kabinet ersetzt wurde, in welchem der Judenfeind Demeter Sturdza den Vorsitz führt. Wie kam es, daß das Kabinet, welches solch eine überwältigende Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments, welches auf seiner Seite die öffentliche Meinung und das diplomatische Korps hatte, welches, von den Kammern unterstützt, während eines Zeitraumes von sieben Jahren mehrere Reformen und dem Lande Vorteil bringende Neuerungen einführte, welches endlich im Rufe tadelloser Ehrlichkeit stand; wie kam es, frage ich, daß dieses Kabinet gezwungen wurde, zurückzutreten und noch dazu während der Parlamentsferien? Eine Anzahl europäischer Diplomaten stellte gleichfalls diese Frage und die offiziellen Vertreter in Rumänien erklärten das Ereignis, das überall gerechtes Erstaunen hervorrief, so gut es eben ging. Aber ich habe Grund, daran zu zweifeln, ob all die ausländischen Gesandten in Bukarest wirklich die volle Wahrheit kenuen. Einzig und allein der Wille des Königs Karl von Rumänien hat das konservative Ministerium zum Rücktritt gezwungen. Ich weiß das aus einer sicheren, unanfechtbaren Quelle, und wenu ich es Ihnen mitteile, geschieht es, damit unsere Glaubensgenossen auf beiden Hemisphären genau erfahren, daß hier in Rumänien votierte und gedruckte Gesetze oft vollständig wertlos sind. Der Wille des Königs ist allmächtig, sowohl für die fünf Millionen Einwohner von Rumänien als auch für die Minister, für die Glieder der gesetzgebenden Körper und für alle politischen Parteien. Die Beweise, die ich anführen könnte, sind zahlreich, aber ich will mich auf wenige beschränken: 1. Der König wünschte, daß der wohlbekannte Finanzier Stroußberg die Konzession zum Eisenbahnbau für den Preis von 270006 Francs für je 10OO m erhalten sollte, obwohl mehrere englische, französische und belgische Bewerber sich erboten, viel wohlfeiler und viel solider zu bauen. Die Kammern mußten ihre patriotische und vernünftige Opposition bald aufgeben und den Willen des Königs geschehen lassen. 2. Rumänien war ein Vasallstaat der Türkei, der es einen jährlichen Tribut von zwei Millionen Francs zahlte, wogegen sich die Türkei verpflichtete, Rumänien im Falle der Invasion einer Nachbarmacht zu beschützen. In einem geeigneten Augenblicke beschloß der König, nicht länger ein Vasall zu sein. Er vereinigte sich mit Rußland, und 1877/78 führten die beiden Staaten gemeinsam Krieg gegen die Türkei. Das Parlament wußte nichts von dieser Kriegserklärung. 3. Tie gebildeten Rumänier hatten sehr tiefe Sympathie für Frankreich, weil es gleichfalls der lateinischen Rasse angehört, und deshalb studierten viele von ihnen in Frankreich. Andererseits waren Deutschland, Oesterreich und vor allem Ungarn bei den Rumänen stets verhaßt. Und jetzt, nach der Bildung des Dreibundes, wurde das gerade am Ruder befindliche Kabinet vom Könige gezwungen, Rumänien, im Gegensätze zu der im Lande herrschenden Strömung, zn einein Anhängsel des Bundes zn machen. 4. Der König bezog nach der Verfassung eine Zivilliste von 100000 Francs monatlich, eine Summe, die für ein armes und kleines Land wie Rumänien groß genug ist. Aber der König fand diese Summe ungenügend nnd verlangte, daß für ihn Krondomänen geschaffen werden sollten wie für die Häupter großer und reicher Monarchien. Seine Minister setzten ihm die prekäre Lage des Schatzes auseinander. „Ich wünsche Appanagen", erwiderte der König, und die Regierung war gezwungen, ihm dem Staate gehörende ausgedehnte Besitzungen zu zedieren, die mit ihren Wäldern ihm mehr als vier Millionen Francs außer der Zivilliste einbringen. Bis ins Unendliche vermehren könnte ich die unanfechtbaren Beweise dafür, daß in dem konstitutionellen Rumänieu das Wort: „Der König regiert, aber er herrscht nicht" keine Geltung hat. Hier ist es anders: der König regiert und herrscht. Ich kann noch hinzufügen, daß diese Allmacht das Land in Schulden gestürzt hat, die eine Milliarde und 300 Millionen Francs übersteigen, und die Rumänien niemals bezahlen kann. Es lag nicht in meiner Absicht, den König Karl zu kritisieren. Mein einziger Zweck ist, zu beweisen, daß er allmächtig ist, und daß nicht nur seine Minister und das Parlament, sondern die ganze rumänische Nation ihm blind gehorcht. Ich wünsche in meiner Eigenschaft als rumänischer Jude zu beweisen, daß die Behauptungen des Königs, die er jüdischen Deputationen, welche sich über Beschränkungen und Verfolgungen beklagten, so oft wiederholte: er könne nichts gegen das Parlament thun, weil er ein konstitutioneller Monarch sei, nicht exakt sind. Dasselbe sagte er auch unseren Glaubensgenossen im Auslande, so oft sie zu unseren Gunsten intervenierten. Und doch liegt es auf der Hand, daß der König hier alles thun kann, aber für die Wohlfahrt seiner so treuen und so friedlichen jüdischen Unterthanen will er eben nichts thun. In dieser traurigen Lage bleibt uns nichts übrig als Mittel zu suchen, die den rumänischen Staat zwingen würden, uns als rumänische Bürger zu behandeln und den ungerechten Artikel 7 der Verfassung von 1866, die ein Unglück für Rumänien ist, abzuschaffen. Und welcher Art sind diese Mittel? Nichts ist einfacher: ein Einvernehmen zwischen den jüdischen Bankiers, dem rumänischen Staate kein Geld zu leihen. Man setze das Oberhaupt des rumänischen Staates von diesem Einvernehmen in Kenntnis, und bei der ersten entschiedenen Weigerung der Geldleute würden wir die rumänischen Staatsmänner selbst die Initiative zur Abhilfe ergreifen sehen, und das den Juden zugefügte schreiende Unrecht würde aufhören. Die rumänische Regierung wird sich bald genötigt sehen, 50 Millionen 4 prozentiger Rente zu emittieren. Wenn all die großen jüdischen Bankiers mit einem „non po88umu8" antworten, würde uns unterdrückten rumänischen Juden bald Gerechtigkeit zuteil werden. Schnpkiihnnkrs Mnlter. Von H. Iard. Eine Reihe von Aufsätzen in diesen Blättern hat Schopenhauers Stellung zum Judentum einer Kritik unterzogen und seine Angriffe widerlegt. Das tiefere psychologische Motiv für Schopenhauers feindselige Haltung, das damals unberührt

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