Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 10 (6.3.1896)
- Date
- 1896-03-06
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 176. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 10. „Es ist nichts. Ich weine vor Freude, daß Ihr mit Eurem widerspänstigen Sohne so viel Nachsicht habt, mir den Segen nicht zu verweigern." „Tn sollst in mir mehr den altern Freund, als den strengen Vater sehen. Aber warum fällt Dir heute gerade der Segen ans?" „Ich dachte, Ihr zürnt mir noch von vorgestern! C, vergebt mir, ich konnte nicht anders." «Fortsetzung folgt) * Ein berühmter jüdischer Maler. Herr Bruck-Lajos, der ungarische Maler, welcher längere Zeit in London wohnte, hat sein Domizil wieder zu Budapest anfgeschlagen, von wo ans er jedes Jahr während der Saison die Hauptstadt Englands wieder besuchen will. Von seinen Gemälden wurden verschiedene, u. a. seine „Hometimes" in der Königl. Akademie ausgestellt. In seiner Heimat hat er nun durch den ehrenvollen Auftrag, die Portraits Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin von Oesterreich für die ungarische National- Gallerie zu malen, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Diese Portraits sollen vorher in der bei Gelegeicheit des bevorstehenden Milleninms zu eröffnenden Ausstellung zur Schau gestellt werden. In dem königl. Schlosse zu Budapest wurde dem hervorragenden Künstler ein Atelier zur Verfügung gestellt. Eh. * Ein 82 jähriger Tondichter. Im Jahre 1836 trat ein junger Mann, welcher als musikalisches Wunderkind schon früher die Zeitgenossen in Erstaunen gesetzt hatte, in die Reihen der schöpferischen Tonkünstler Englands und bezauberte durch seine großartigen Leistungen Kunstliebhaber und Kritiker. 60 Jahre sind seitdem verflossen und noch derselbe frische, trotz der Last der Jahre nngeschwächte Geist, denkt und arbeitet in einer Weise, wie sie einem begabter: Künstler in der Kraft der Jahre Ehre machen würde. Herr Charles Salomo«, so heißt der Begnadete, übertrifft sogar durch seine heutigen Schöpfungen die früheren in mancher Beziehung. Am 5. März, seinen: 82. Geburtstage, werden zrvei reizende Lieder des ehrwüroigen Virtuosen erscheinen, dessen melodisches Gefühl noch so frisch, so sanft, so charakteristisch ist wie vor 50 Jahren. „The Resigned Lover" «der entsagende Liebhaber) für Tenor und „The Concealed Love" (Stille Liebe) für Bariton, gedichtet von seinem Sohne, Herrn Malcolm Salomo::, sind die Gaben, mit welchen der ehrwürdige Greis seine Landsleute erfreuen wird. Eh. Wochen-Chronik. Berlin, den 5. März 1896. - Synagogcnwcihc. An: 23. Januar, vorletzten Sonntag, ist im Westen Berlins (Passauerstraße 2) eine neue Synagoge eingeweiht worden. Daß nicht die Großgemeinde sie errichtet hat, ist äußerlich an iyrer geschmackvollen Einfachheit und bescheidenen Ausstattung, innerlich daran erkennbar, daß ihr Ritus sich dem der Heidereutersynagoge anschließt. Es sind wiederum Anhänger der positiven Richtung gewesen, die sich znsarnmengelhan, um das zu leisten, was die Großgeineinde versagte, die zu einer Privatgemeinde sich vereinigt haben, um ihren religiösen Bediirfnissen Befriedigung zu verschaffen, nicht auf den Pfaden einer verflachenden Reform, sondern in Anlehnung an überlieferten Brauch. Religiöser Sinn, nicht Neigung zum Prunk hat hier eine Andachtsstätte geschaffen, die, in einem zweiten Hofe gelegen und dem Lärm der Straße entrückt, Raum fiir etwa 800 Andächtige giebt. Der Religionsverein „Westen", an dessen Spitze die Herren Dr. L. Kohn, D. Davidsohn, C. Lasch und L. Zomber stehen, hat die Synagoge durch den Baumeister Föchte errichten lassen. An der Einweihungsfeier beteiligten sich vom Vorstand und der Repräsentanz der Gesamtgemeinde die Herren L. M. Bamberger, S. Leichtentritt, Leonhard Sachs und Louis Sachs. Auch der Stadtverordnetenvorsteher von Charlottenburg — die Passauerstraße liegt auf Charlottenburger Boden — war erschienen. Die erhebende Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Kroner, dessen gedankenreicher Vortrag darlegte, daß das Gotteshaus die Stätte sei, von der Friede, allumfassende Menschenliebe und religiöse Erkenntnis ausgehen. Eine Zierde des neuen Gotteshauses bildet ein kostbarer Paroches mit kunstvollen Goldstickereien aus dem Atelier von Jenny Bleicherode. — Lchrervereitt. Am 22. Februar hielt die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" eine außerordentliche, zahlreich besuchte Versammlung ab, welche teils der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten galt, ihre besondere Aufgabe aber als wissenschaftliche Sitzung zu erfüllen hatte. Bei Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten teilte der I. Vorsitzende, Herr Dr. Adler, unter anderen: die Antwort mit, welche auf die von der Vereinigung an das Königl. Provinzial-Schnlkollegium gerichtete Petition eingegangen war; sie hat folgenden Wortlaut: „Auf Ihre Eingabe vom 5. November v. I., betreffend Erteilung des Unterrichts in Geschichte und deutscher Lektüre in den Berliner Gemeindeschulen seitens jüdischer Lehrkräfte, erwidern wir Euer Wohlgeboren, daß diese Frage durch Erlaß des Herrn Ministers vom 27. Dezember v. I. U UI. D. Nr. 4455 ihre Erledigung gesunden hat. Wo wegen einer erheblichen Zahl jüdischer Kinder die mit Erteilung des Religionsunterrichts betrauten jüdischen Lehrer und Lehrerinnen angestellt werden, sind sie auch künftig zur Erteilung des Unterrichts in anderen Fächern heranzuziehen. Wenn in dieser Hinsicht auch keine bestimmten Vorschriften gegeben und die jüdischen Lehrkräfte nicht von dem Unterrichte in gewissen Fächern ausgeschlossen werden, so wird doch die Erwartung ausgesprochen, daß die mit der Aufstellung der Lektions- und Lehrpläne betrauten Personen jüdischen Lehrern und Lehrerinnen nicht solchen Unterricht zuteilen werden, welcher ihnen in ihrem eigenen und im Interesse der Schule nicht übertragen werden darf. Was die Verleihung eines Ordinariats anlangt, so sind jüdische Lehrkräfte prinzipiell nicht ausgeschlossen. Es soll aber vermieden werden, daß jüdische Lehrpersonen das Ordinariat einer Klasse erhalten, in welcher sich keine oder nur ganz wenige jüdische Kinder befinden." Hierauf begann der wissenschaftliche Teil der Sitzung, mit dem Vortrage des Vorsitzenden: „lieber die Lesebuchfrage in jüdischen Schulen" Aufgrund eingehender Studien und eines