Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-02-28 · 9 (28.2.1896) · p. Seite 154

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
Seite 154 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4794838-9609712-9609877--1207-9609883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

W; ELM i ■■ Tu-;- Seite 154. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 9. Es erfolgt nunmehr eine Anzahl von Geldbewilligungen bezw. Nachbewilligungen. Es werden bewilligt: Für Pflasterungen auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee 149,27 Mk., für die Vergitterung des Chorraumes der neuen Synagoge 640 Mk., für Klosetanlagen in der Turnhalle der Knabenschule 2552 Mk., für eine Kesfelanlage im Quellbade 1300 Mk., für Ausbau der Grundstücke Rofenstraße 2 und Kaiserstraße 29 1937,87 bezw. 3982,79 Mk., für Reparaturen auf den Gemeindegrundstücken 538,80 Mk., für Predigten bei den Jugendgottesdiensten 200 Mk. Bei diesem Punkte hielt Herr Professor Levin seinen Maklen-speech. Er bemängelte, daß man zur Abhaltung dieser Jngendgottesdienste junge Kandidaten heranziehe ohne praktische Lebenserfahrung, während doch von den angestellten Predigern 2 kontraktlich verpflichtet seien zur Abhaltung dieser Gottesdienste, lleberhaupt sei es notwendig, unsere Prediger zu größeren Leistungen heranzuziehen, es sei ein nobile officium derselben, an jedem Sabbat zu predigen. Redner kündigt einen dementsprechenden Antrag für die nächste Sitzung an. Nach einer kurzen Entgegnung des Herrn Justizrat Meyer wird der Gegenstand verlassen. Im übrigen kommen wir in einem besonderen Artikel aus diesen Punkt zurück, lieber die Gottesdienste an den letzten hohen Feiertagen berichtet Herr Leonhard Sachs, daß bei denselben die Einnahmen 33374,25 Mk-, die Ausgaben 51 836,24 Mk. betragen haben. Die Vermietung der Plätze in der Synagoge Lindenstraße habe eine Einnahme von 37475,50 Mb. erbracht. lieber die Verlängerung des Pachtvertrages mit dem Inhaber der Gärtnerei aus dem Friedhof Weißensee berichtet Herr Louis Sachs. Tie bisherige Summe betrug 25000 Mk. Tie Kommission beantragt, den Vertrag mit dem bisherigen Inhaber aus weitere 9 Jahre von 1. April 1897 an gerechnet zu erneuern und zwar zu einem Pachtzins von 27500 Mark steigend von 2 zu 2 Jahren um je 2500 Mk. Nach kurzer Debatte stimmt die Versammlung diesem Anträge zu. Es folgen Ersatzwahlen in verschiedenen Verwaltungskommissionen, und zivar werden gewählt: in das Kuratorium des Erziehungshanses zu Pankow Herr Emil Moste, in das Kuratorium des Krankenhauses Herr Baumeister L. Rinkel, in das Kuratorium der Tr. Ephraim-Stiftung Herr Bodenstein, in die Schätzungskommission Herr Löwenberg, in die Kommission für gottesdienstliche Veranstaltungen Herr Tr. Kirstein, in die Kommission für Beschaffung des Koscherfleisches die Herren Sieskind und Bodenstein, in die Kommission zur Subventionierung von Religionsvereinen die Herren Jastrowitz und Levin, in das Kuratorium der Altersversorgungsanstalt Herr Mecklenburg, in das Kuratorium des Reichenheim'schen Waisenhauses Herr Professor Levin. Alle diese Wahlen vollzogen sich glatt auf dem Wege der Akklamation. Nur bei der Wahl zur letzten Kommission mußte Zettelwahl stattfinden, und das ging so zu. Bislang hatten dieser Kommission angehört Herr Geheimrat Boas in seiner Eigenschaft als Repräsentant, und Herr Geheimrat Marcuse als Mitglied der Gemeinde. Nunnrehr ist aber Herr Geheimrat Boas infolge Durchfalls bei den Wahlen dieses Amtes verlustig gegangen, und da die beiden Herren noch immer nicht die Zeiten der entschwundenen liberalen Herrlichkeit vergessen können, so versuchten die würdigen Geheimräte zu retten, was zu retten ist, und begründeten eine Mandatsversicherungsgesellschast auf Gegenseitigkeit, auf der Grundlage einer allerliebsten kleinen Schiebung dergestalt, daß Herr Geheimrat Marcuse gewählt werden solle als Repräsentant, um auf diese Weise ein Plätzchen freizumachen für Kollegen Boas als Vertreter der Gemeinde. Die Mehrheit der Versammlung machte jedoch durch dieses nur zu durchsichtige liberale Hintertreppenmanöver einen dicken Strich und setzte Herrn Geheimrat Boas gründlichst aufs Trockene. Damit war zwar noch nicht die Tagesordnung erschöpft, wahrscheinlich aber die Repräsentanten. Ein Antrag des Herrn Moste ans Vertagung der übrigen Gegenstände wurde angenommen. Es lag noch ein Antrag vor ans der Mitte der Versammlung, betreffend Neuwahl einer Kommission. Gemeint ist damit die Kommission, betreffend Wahl eines Rabbiners. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte dieser Gegenstand zu einen: scharfen Meinungsaustausch führen, und wird dem Herrn Justizrat Meyer wohl die gebührende Antwort auf seine Eröffnungsrede vom vorletzten Montag zuteil werden. Noch eines möchten wir zum Schluß hervorheben: Auf der Tagesordnung der geheimen Sitzung stand u. a. auch eine Interpellation des bekannten Erlasses des Kultusministers hinsichtlich der jüdischen Lehrerinnen. Wozu in diesem Falle das Verhandeln hinter verschlossenen Thüren? Die Stadtverordnetenversammlung hat die Sache vor der vollen Qeffentlichkeit behandelt, und auch die Repräsentantenversammlung hat damals, als sie die Angelegenheit zum ersten Mal behandelte, das Licht der Qeffentlichkeit nicht gescheut. Hoffentlich wird in der neuen Aera mit der Geheimthnerei des Repräsentanten-Kollegiums wie mit manchem anderen Zopf aus der „liberalen" Vergangenheit aufgeräumt. Z»r Klärung u»i> Nerßundigung. Von A. Treu, Münster, ll. Die Ueberleitungssätze von der Klärung zur Verständigung waren bereits ans dem unsichtbaren Gedankenreiche sichtbar schwarz auf das weiße Papier getreten, und die daraus sich aufbauende Friedensepistel in ihren Hauptzügen entworfen, als eine Zeitungsnotiz den ganzen Plan wie eine Seifenblase zerplatzen machte, und eine veränderte Stosfwahl und Tonart sich zu empfehlen schien. In einer der letzten Nummern wurde hier berichtet, daß jetzt auch die politischen Blätter sich mit der Lage der jüdischen Lehrer zu beschäftigen anfangen, und zwar mit Bezug auf eine vom Vereine israelitischer Lehrer in Rheinland und Westfalen veröffentlichten Denkschrift. Das Verdienst dieser Denkschrift ist freudig anzuerkennen; sie ist aber weder von genanntem Vereine noch von seinem Vorstande (wozu auch Schreiber dieses gehört) ausgegangen. Wie in Nr. 6 dieses Blattes zu lesen, ist sie eine dankenswerte Gabe des Vereins für Rabbiner und Lehrer, an dessen Spitze Herr Rabbiner Dr. Lazarus steht. Bei der Erwägung, wie diese verschiedenen Tirel so in Einklang zu bringen seien, daß eine Schädigung des zu Recht bestehenden und fest fundierten Vereines für zwei Provinzen vermieden oder doch möglichst gemildert werde, gedachten wir der ein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.