Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 8 (21.2.1896)
- Date
- 1896-02-21
- Page
- Seite 144 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 2× ep/1000834
- Oran 1× ep/1048048
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Seite 144. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 8. industriellen und finanziellen Kreise. Allgemeine Aufmerksamkeit erregte die lange Konversation, welche der jüngst zum Kardinal ernannte griechisch-katholische Erzbischof von Lemberg mit dem konservativen Rabbiner führte. — (Ein Wunderkind). Wir haben schon einmal über den jüngsten jüdischen Wunderknaben Bronislaw Hnbermann (so nennt er sich romantisch, wie er bürgerlich heißt, wissen wir nicht) berichtet. Da der junge Geigenmeister jetzt in Wien über die Maßen gefeiert wird, wollen wir ihn noch einmal nennen. Vor furjem gab der kleine Bronislaw in der österreichischen Hauptstadt sein erstes diesjähriges Konzert mit Orchester im großen Musikvereinssaale und spielte u. a. die schwierigste aller für die Geige geschriebenen Kompositionen: das Brahmssche Violinkonzert. Und gerade der Vortrag dieses Werkes rief einen förmlichen Enthusiasmus hervor und wird von allen Beurteilern als vollendet gepriesen. Brahms selbst wohnte dem Konzert bei und zeichnete in das Autographen-Albnm des jugendlichen Geigers den Ansangstakt seines Konzerts mit der Widmung ein: „Dem genialen Violinvirtuosen Bronislaw Hubermann zur Erinnerung an seinen vergnügten und dankbaren Zuhörer Johannes Brahms". — sBaron Hirsch-Stiftung.) Das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung in Wien hat in seiner Plenarsitzung am 5. d. M. beschlossen, mit Beginn des nächsten Schuljahres mindestens fünf neue Stiftungsvolksschnlen in Galizien zu errichten. Es wurden hierbei Orte in Aussicht genommen, wo der Schulbesuch bei der zahlreichen schulpflichtigen Jugend ein äußerst spärlicher ist. Die Stiftung wird demnach mit Beginn des nächsten Schuljahres neben den von ihr subventionierten Schulen rund vierzig eigene Volksschulen erhalten. Der aus einem Stammkapitale von circa 116,000 fl. bestehende Pensionssonds wurde für die Lehrer um weitere 40,000 fl. erhöht, wodurch dieser Fonds aus eine Reihe von Jahren hinaus eine vollständig allsreichende Dotierung erhielt. — In Großwardeirl fand der erste Uebertritt einer Katholikin znm Judentum statt. Die Erzieherin Elisabeth Engel wurde von Rabbiner Dr. Kecskemeti in den Bund Abrahams und alsdann von dem Oekonomiebeamten Leopold Hillinger in den Bund feiner Familie ausgenommen. — (Preisfrage). Das Kuratorium der jüdischen Schulen in Livorno hat nachstehende Preisfrage zur öffentlichen Bewerbung gestellt: „Ob der Hebraismus nach Art der übrigen Religionen des Altertums nur das Volk, welches sich zu ihm bekannte, im Auge hatte, oder vielmehr im Gegensatz zu dem gesamten Altertum, allein eine wunderbare Ausnahme bildend, das ganze Menschengeschlecht in seiner Konzeption umfaßt hat." An der Preisbewerbung können die Gelehrten aller Länder teilnehmen; die Arbeiten müssen bis zum 16. November bei dem Direktorium der jüdischen Schulen eingereicht rmd in französischer oder italienischer Sprache abgesaßt sein. Der Preis beträgt 2700 Franks. — Bei Eröffnung des Herrenhauses in London am 11. Februar wurde Lord P irbright (Baron Henri de Worms) vereidet und nahm als Mitglied des Hauses seinen Sitz ein. — Nach den Nachrichten aus Algier hat die antijüdische Strömung, die hier von der radikalen Presse unterstützt, von der sozialistischen und kobektinistischen vertreten wird, einen großen Erfolg davon getragen, indem in der That sehr zahlreichen jüdischen Wählern, die hier allgemein gegen die Radikalen stimmen, das Wahlrecht entzogen wurde. So wurden allein in Oran 1200 jüdische Wähler gestrichen, obwohl selbst zahlreiche gediente Soldaten der französischen Armee dabei waren. — In Ro m hat der Gemeinderabbiner Dr. M. Ehrenreich seines hohen Alters wegen sein Amt niedergelegt. Die Gemeinde-Vertretung hat beschlossen, ihm den Titel eines Oberrabiners honoris causa weiter zu belassen. Leider liegen die Verhältnisse der Gemeinde so, daß sie zunächst an eine Wiederbesetznng der Stelle nicht denkt. Einige ehemalige Rabbiner aus der Provinz, welche in Rom ihren Aufenthalt genommen haben, sollen die geistliche Consulta bilden, welcher für erforderliche Fälle die Ausübung der rabbinischen Funktionen zu übertragen sein wird. - (Sie hielten Wort, die Armenier,) deren Führer während der Unruhen in Zeitun den Juden die Versicherung gegeben hatten, daß ihr Leben, ihre Ehre und ihr Eigentum vollständig unangetastet bleiben sollen. Diese Zusage wurde während der ganzen Zeit streng innegehalten. Der armenische Klerus schärfte den Aufständischen besonders scharf ein, gegen die armenischen Inden nichts zu unternehmen. Es verdient dabei besonders erwähnt zu werden, daß viele armenische Kinder die Schulen der Alliance in der Türkei besuchen. - (Einen Vorgeschmack) des in den Köpfen schwärmerischer Zionisten längst fertigen zukünftigen jüdischen Reiches Palästina bekommt man beim Lesen der folgenden Nachricht: In der Hauptstraße des jüdischen Viertels ist ein türkisches Postamt errichtet worden, an dessen Spitze unser Glaubensgenosse Elias Honig steht. Die in diesem Postamt, welches am Sabbat geschlossen ist, aufgegebenen Briefsendungen tragen den hebräischen Stempel Jerusalem. —- Herr Perlmann (Israelit) in Odessa, Mitglied des „Kaufmännischen Vereins", beantragt eine Petition gegen das Verbot, welches den Juden auf Grund einer Verfügung des Finanzministers den Besuch der Odessaer Handelsschule verbietet. Herr Novikov (Christ) unterstützt den Antrag mit der Begründung, daß es infolge der heute geltenden Bestimmungen, welche den finanziellen Stand der Schule bedeutend geschädigt haben, an der Anstalt freie Plätze im Ueberflnß giebt. c- — Ter Bericht über die öffentliche Stadtbibliothek in Odessa weist für das abgelaufene Jahr 8140 Subskribenten nach, von welchen 6r% Juden, 35,4% Christen und 3,6% verschiedenen Sekten angehören. c- — Der jüngst in Petersburg verstorbene Staatsrat Dr. Wiwotzkoff hat während seiner Amtsdauer sowohl dem Staate als auch seinen jüdischen Glaubensgenossen hervorragende Dienste geleistet. 1837 in Winiza geboren, erhielt er 1863 in Moskau sein Doktordiplom. Auf Staatskosten setzte er dann an einer ausländischen Universität seine Studien fort und wurde nach seiner Rückkehr in die Heimat zum Professor der Chirurgie an der Petersburger Universität ernannt. Dr. Wiwotzkoff zog es jedoch vor, sein reiches Wissen in den Dienst des Heeres zu stellen und wurde 1878 beim Ausbruch des russisch-