Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 8 (21.2.1896)
- Date
- 1896-02-21
- Page
- Seite 143 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 148. und wahrscheinlich kriegsrechtlich erschossen werden würde. Am andern Morgen jedoch wurde er nebst seinem Bruder I. Freeman Cohen, welcher ebenfalls gefangen saß, wieder in Freiheit gesetzt. Herrn Cohens Gesundheit hat durch die barsche Behandlung, welche er erfahren, sehr gelitten imd er will daher als britischer Unterthan von der Regierung der Boers Genugthunng fordern, zu welchem Zwecke er bereits nach England abgereist ist. I- C. — Die Wohlthätigkeit der Juden New -?)orks stellt die Wohlthätigkeit aller anderen jüdischen Großgemeinden in den Schatten. Nach dem soeben verausgabten Berichte der United Hebrew Charities belief sich die Zahl der im verflossenen Jahre berücksichtigten Unterstützungsgesuche auf 24750, und ca. 139000 Dollar incl. Verwaltungskosten oder im Durchschnitt 5,50 Dollar sind fürjeden Fall verausgabt worden, während sich die Einnahmen aus den verschiedenen Quellen auf circa 43000 Dollar stellten. Von den während des verflossenen Jahres hinzugekommenen 7508 neuen Applikanten waren 4984 aus Rußland, 1486 aus Oesterreich, 650 aus Deutschland, 202 in Amerika geborene, 86 aus England, während sich die übrigen auf verschiedene andere Länder des Erdballes verteilen. Die Zahl der thatsächlichen Applikanten behufs Nachweis einer Stellung oder Beschäftigung war 6751, von denen auch 6629 untergebracht werden konnten und nur 37 leer ausgingeu, da 41 Personen die Annahme der ihnen offerierten Beschäftigung ablehnten und 44 aus sachlichen Gründen mit ihren Gesuchen abgewiesen wurden. Die Gesamtzahl der in der Zeit vom 1. Oktober 1894 bis zum 30. September 1895 auf Ellis Island eingetroffenen Israeliten bezifferte sich aus 27065, von denen 19518 in New Pork verblieben. Von den Eingewanderten, unter denen sich 8271 Männer, 7534 Frauen und 11260 Kinder befanden, kamen 17371 aus Rußland, 7425 aus Oesterreich, 1161 ans Deutschland, 527 aus Rumänien, 372 aus England, 111 aus Holland, 36 aus der Türkei, 34 aus Dänemark, 17 aus Frankreich und 11 aus Schweden. — Die jüdisch-religiöse Frauenbewegung in Amerika inacht Fortschritte. Unser New-4)orker 8t.-Korrespondent schreibt uns : Die unter dem Namen „National - Rat jüdischer Frauen" während der Ausstellung in Chicago gegründeten Vereine haben sich ungemein rasch verbreitet und entwickeln eine nicht geahnte Thätigkeit. Bis znnl 1. Januar d. I. wurden Vereine in 29 Städten mit einer Mitgliederzahl von 2400 Frauen gegründet. In den sogenannten „Zirkeln" werden biblische Studien getrieben und Vorträge und Besprechungen gehalten, welche den religiösen Gedanken und das religiöse Streben zu verinnerlichen geeignet sind. Das Studium und die Kenntnis der Bibel scheint den größten Anklang unter den Frauen gefunden zu haben. Außerdem wurden unter dem Einfluß dieser Frauen-Vereine Schulen für Religions - Unterricht, Kindergärten, Freibäder, Abend-Schulen errichtet, in Baltimore ein Verein für die bessere Observanz des jüdischen Sabbats und Sonntags-Vorträge über jüdische Wissenschaft. Es ist garnicht fraglich, daß diese Bewegung viel dazu beiträgt, den Geist und den Sinn der jüdischen Frauenwelt für das religiöse Wissen zu erwärmeu und wird ihr Einfluß nicht verfehlen, der herrschenden Apathie gegen religiöse Observanz zu steuern. Hier und dort. — Gelehrten-Bibliotheken. Die Bibliothek des verstorbenen Dozenten Dr. I. Müller, wie die Restauflage seiner eigenen Schriften sind in den Besitz der Buchhandlung M. Poppelauer Hierselbst übergegangen. Der Katalog befindet sich in Vorbereitung. Von eben dieser Buchhandlung ist die dreitausend Bände umfassende Bibliothek des entschlafenen Dr. Wiener-Oppeln erworben worden. Der Verkauf der Wienerschen Bibliothek, die eine große Zahl seltener Schriften enthält, darf als ein Ereignis für die inbetracht kommenden Kreise bezeichnet werden. — Der Humanitätsverein für Gewerbetreibende (gegründet 1868) veranstaltet am 28. d. Mts. im Grand-Hotel ‘ (Alexanderplatz) einen Purimball. Eintrittskarten ä 1 Mk. sind beim Vorsitzenden, Herrn Alex Büchel, Hackescher Markt 2, zu haben. — Aus Mrotschen wird uns geschrieben: Nach kurzem Krankenlager verschied am Freitag der älteste Bürger unserer Stadt, der älteste Mann der Provinz und wahrscheinlich auch der Aelteste in ganz Deutschland, namens Salomon Lewin, der das ungewöhnliche Alter von 114 Jahren erreicht hat. Noch anfangs Winter ging er, wohl schon gebückt, doch fast täglich und der: ganzen Tag in der Stadt umher und suchte seine Freunde, die ihm öfters Almosen gespendet, auf. Oft hörte man ihn sagen: „Alle Menschen sterben, nur ich muß so lange leben! Es ist nicht gut, wenn der Mensch so alt wird. Ich möchte schon gerne in meine Ruhe kommen!" Ja, das Leben ist ihm in den letzten Jahren schon sauer geworden, da ihm das Gehen sehr schwer fiel. Leute, die ihm näher standen, Kinder und Enkel, erzählen, daß er nie krank gewesen sei, auch jetzt konnte man eine Krankheit an ihm nicht wahrnehmen. Altersschwäche machte seinem Leben ein Ende. — Seiner Bahre folgten seine beiden jüngsten Söhne und eine Tochter, die auch schon ein Alter von 70—80 Jahren erreicht haben. Der Entschlafene schaute auf eine Familie von 51 Personen, Kinder, Enkel und Urenkel, zurück. Am Grabe sprach der Rabbiner Dr. Perlitz aus Rakel über den Text: „Das Leben des Menschen währt 70, und wenn es hbch kommt, 80 Jahre." Der Vater des Verstorbenen erreichte ebenfalls ein hohes Alter, 105 Jahr. Liebstädter. (Aufgrund des Aufrufs iu der vorigen Nummer erhielten wir für beii Verstorbenen von den Herren H. u. S. E., hier, 10 Mk. Den Betrag haben wir an den Einsender dieses Berichts gesandt. Red.) — In dein Gemeinde- und Versassungs-Ausschusse des niederösterreichischen Landtages erklärte der Statthalter, daß die Wahlen für den Wiener Gemeinderat voraussichtlich einige Tage vor dem 3. k. M., an welchem Tage die gesetzliche Pflicht abläuft, stattfinden werden. - — Bei der Soirde, welche der Gemeinderat anläßlich der Anwesenheit des Ministerpräsidenten und des Finanzministers in Lemberg veranstaltete, erschienen auch die Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde, die Rabbiner Schmelkes rrnd Dr. Caro, sämtliche jüdischen Gemeinde- und Haudelskammerräte, sowie zahlreiche Vertreter der jüdischen