Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 8 (21.2.1896)
- Date
- 1896-02-21
- Page
- Seite 141 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 8. Allgemeine Israelitische Wochenschrift Seite 141. durch Zahlung aller Kosten das durch den Freihandel allzusehr angeschwollene Portemonnaie etwas zu erleichtern." — Es ist uns nicht bekannt, wieviel Katholiken beim Lesen dieses Berichtes erröten mußten — Der Kompetenzstreit am Rhein ist, wenigstens für unsre Leser, erledigt, weil wir Rede und Gegenrede nicht mehr bringen. Die Gemüter sind doch gar zu sehr erregt, so daß sie sich in diesem Zustande nicht gut an die Oeffentlichkeit wagen dürfen. Das haben wir den inbetracht kommenden Lehrern geschrieben und das sagt ihnen jetzt auch ein Lehrer in einem Blatte, dessen Liebe Herr Dr. Singer sich nicht zu erfreuen hat, gegen dessen Angriffe er sich oft hat wehren müssen. Der Korrespondent schreibt über die Petition des Herrn Lehrer Ransenberg, die wir unverändert iviedergegeben, weil sie ein Aktenstück ist wie jedes andere: „Ihr Korrespolldent muß gestehen, wenn er auch in der Sache aus seiten der angegriffenen und nun ihrerseits angreisenden Lehrer steht, so hätte er doch eine gemäßigtere Sprache für wirkungsvoller gehalten. Weniger wäre hier mehr gewesen". — Stimmt! — Noch ein „Kornpetenzstreit". In Myslowitz protestierte in der General-Versammlung der Chewra Kaddischa der Vorsitzende des Gemeindevorstandes gegen die Entlastung des Kassierers mit der Begründung, daß die Prüfung der Jahresrechnungen nicht nach den Bestimmungen des § 51 des Vereinsstatuts, in welchem es heißt, daß znr Prüfung der Rechnungslegung von der Plenarversammlung zwei Vereinsmitglieder durch Zettelwahl für drei Jahre als Revisoren gewählt werden sollen, die im Verein mit einem Mitgliede des Gemeindevorstandes die Rechnung zu prüfen und Decharge zu erteilen haben, erfolgt sei, weil dieselbe nicht unter Zuziehung eines Vorstandsmitgliedes geschah. Der Vereinsvorsitzende entgegnete hieraus, daß der Kaufmann M. Centawer als Mitglied des Gemeindevorstandes ersucht worden sei, der Prüfung der Jahresrechnungen beizuwohnen, er sei aber in der hierzu anberaumten Sitzung ohne Angabe eines Grundes ausgeblieben. Hierauf entgegnet der Gemeindevorsteher, daß die an den Vorsteher Centawer ergangene Einladung nicht korrekt sei, die letztere hätte an den Gesamtvorstand gerichtet werden müssen und er als erster Vorsteher der Gemeinde hätte dann von seinem Rechte Gebrauch gemacht und ein Vorstandsmitglied zur Rechnungsrevision abgeordnet. Dieser Ansicht widerspricht der Rechtsanwalt Dr. Mattesdorff, wobei er hervorhebt, daß das Verfahren des Vereinsvorstandes voll und ganz den Bestimmungen des § 51 des Vereinsstatuts entspricht; in demselben sei davon nichts gesagt, daß ein derartiges Ersuchen an den Gesamtvorstand der Gemeinde gerichtet werden müsse, es heißt darin nur „unter Zuziehung eines Gemeindevorstandsmitgliedes". Dies sei geschehen. Wenn nun aber dieses Mitglied nicht erschienen sei, trage der Vereinsvorstand keine Schuld daran, die Prüfung sei rechtlich erfolgt, und es stehe der Dechargeerteilung nichts im Wege. Der erste Gemeindevorsteher erwiderte, daß es im vorliegenden Falle sich um einen Verwaltungsstreit handle und hierüber werde der Regierungs- Präsident entscheiden. Es wurde beschlossen, die Decharge noch nicht zu erteilen, vielmehr nochmals ein Gemeindevorstandsmitglied znr Einsichtnahme einzuladen. — Sie scheinen in Myslowitz viel Zeit zu haben. — Aus den Littcratur-Vereinen. JnFrankfurt a. M. sprach jüngst Oberlehrer Tr. I. Kracauer über den Kampf um die Schriften des Judentums in den Jahren 1509 bis 1510. Die Angriffe gegen diese Schriften gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück; Ludwig IXließ auf Betreiben des getauften Juden Nikolaus Donin die hebräischen Bücher der Juden verbrennen. In Deutschland traten die Bedrohungen erst 2 '/2 Jahrhunderte später ein. Auch hier war es ein getaufter Jude, Pfefferkorn, der die Hetze inszenierte. Das Frankfurter Archiv besitzt eine Anzahl Schriftstücke von ihm, die von erstaunlicher Unbildung Zeugnis ablegen. Die Frankfurter Juden ließen es an der Abwehr der Pfefferkorn-Umtriebe nicht fehlen. Sie schickten Jonathan Zion Oppenheim an das Hoflager des Kaisers Maximilian in Roveredo, während ein anderer Abgesandter, Gumprecht, den Erzbischof non Mainz, Uriel von Genuningen, in Aschaffeuburg aufsuchte. Auf der Seite der Juden und ihrer Religionsschriften stand Reuchlin mit seinem Anhang, auf der Seite der Gegner befanden sich neben Pfefferkorn die Dominikaner unter Johann von Hoogstraten. Die im Herbst 1509 in der Synagoge zu Frankfurt konfiszierten 168 Bücher hatten indes dem Rat Unannehmlichkeiten bereitet, weil sich darunter auch Eigentum ausländischer Juden befand, für die deren Landesherren reklamierten. Nur ungern ließ er sich dazu gebrauchen, 1510 auch die in den Häiffern beflndlichen hebräischen Bücher zu konstszieren. Auf Intervention des Herzogs Erich von Braunschweig, der seine Kleinodien bei Frankfurter Juden verpfändet hatte, wurden die 1500 Bücher den Eigentümern wieder ausgehändigt. Damit hatte dieser Akt des mittelalterlichen Fanatismus ausgespielt. - Aus Königsberg i. Pr. wird uns geschrieben: In den Wochenversammlungen des hiesigen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur sprachen in diesem Winter bisher: Rabbiner Dr. Pick über „Zwei Geistesheroen aus dem alten Judentum" (R. Jochanan den Napcha und Resch Lakisch), Rabbiner Tr. Rippner aus Glogau über „Das Schrifttum Israels im Lichte Johann Gottfried Herders" (vor Herren und Damen), Herr cand. med. Keilsou über „Jüdische Mediziner im Mittelalter", Rabbiner Dr. Pick über „Die Ethik des Judentums vom Moralprinzip Kants aus betrachtet" (vor Damen unb Herren), Herr Kaufmann Rabinowitz über „Jochanan ben Sakkai", Universitäts-Professor Dr. Saalschütz „lieber Zeitrechnung und Kalender der Hebräer und anderer Völker" (vor Damen und Herren). — Außerdem wurden mehrere Diskussionsabende abgehalten, in denen Inden und Judentum berührende Zeitfragen und Ereignisse behandelt wurden. In einem der nächsten Diskussionsabende wird über die Bedeutung Mendelssohns an der Hand der in diesem Blatte veröffentlichten Aufsätze debattiert werden. —n. — Sticrkämpfc im Jahre 1895. Wir lesen in einem Antisemitenblättchen: „Nicht weniger als 731 Stierkämpfe fanden im Jahre 1895 in Spanien, Portugal und Frankreich statt. Tie Zahl der getöteten Stiere beläuft sich auf 3657, die der dabei zerfleischten Pferde auf 8000." — Die antisemitischen Andächtigen werden aus der lehrreichen Zusammenstellung wohl die Ueberzeugung schöpfen, daß auch an diesen mit empörender Vergeudung von Nationalvermögen