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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-02-21 · 8 (21.2.1896) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 13;"). in der Konferenz am 12. und 13. Mai desselben Jahres, wobei der Oberrabbiner Bodenheimer s. A. den Ehrenvorsitz führte, und übernahm dieser es auch, das Statut an die Oberpräsidien beider Provinzen zu senden. Erst 1858 gelangte dasselbe vom Ministerium der Unterrichts-, geistlichen- und Medizinal-Angelegenheiten mit vielen Abänderungsvorschlägen zurück, und erst nach vielen Verhandlungen erfolgte die Allerhöchste Bestätigung auch des Ministeriums des Innern am 15. April 1862 unter dem Titel: „Verein für israelitische Lehrer für Westfalen und die Rheinprovinz". Dieser Titel findet fast in jedem Paragraphen des Allerhöchst genehmigten Statuts seinen Ausdruck. 8 1 lautet: Der Verein israelitischer Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz gründet unter sich eine Kasse unter der Bezeichnung rc.: Rach § 38 müssen alle Urkunden der Pensionskasse den Titel: „Verein für israelitische Lehrer für Westfalen und die Rheinprovinz" führen und mit dem Vereinssiegel versehen sein, der Verein rc. hat die Rechte einerjuristischen Person und sein Domizil in Essen a. d. Ruhr. — 8 13 scheidet die finanzielle Seite von der übrigen Thätigkeit, und dem entsprechend befaßt sich die Tagesordnung der jährlichen Generalversammlung mit den finanziellen Angelegenheiten, nach deren kurzer Erledigung die Punkte der Tagesordnung, als Vorträge, freie Besprechungen rc. folgen, woran auch Nichtmitglieder der Kasse teilnehmen und wobei sie mitstimmen. Seit 39 Jahren haben die jüdischen Blätter durch Bekanntmachung der Tagesordnung der Generalversammlungen, durch die Veröffentlichung der Spendenliste und der Bekichterstattmrg über Referate und Verhandlung die Pädagogik und die Funktion des Lehrers als Kultusbeamten betreffend, die Bestrebungen, resp. die Wirksamkeit des Vereins bekundet. Neuerdings wird nun das Projekt in Fluß gebracht und von einer Preßstimme dafür Stimmung gemacht, der bewährte alte Verein solle sich mit dem jungen für „Rabbiner und Lehrer" verschmelzen. Wenn schon jede Statutenveränderung die größte Vorsicht erheischt, so ist eine solche unseres Vereins, der im Besitze der Rechte einer juristischen Person unter Allerhöchster Bestätigung sich befindet, nach den beiden Schlußparagraphen unausführbar (88 42, 43). Die Mitglieder des Vereins im großen und ganzen und der Vorstand besonders können und dürfen nicht daran denken, mit einem Institute, welches einen Grundfonds von über 82000 Mk., das seit mehr als 20 Jahren Pensionen gesetzlich zu zahlen imstande ist, leichter Hand und leichter! Herzens umzuspringen. Allerdings sind einzelne Mitglieder unseres Vereins, die zudem Kassenmitglieder sind, auch Mitglieder des jungen Vereines geworden, (wem fällt hier nicht das Sprichwort ein von der Erziehung der Kinder, die an zwei Tischen essen wollen) aber solche Steigungen, wenn auch gut gemeint, dürfen nicht zur folgenschweren Saat der Zerstörung eines segensreichen Werkes Wurzel fassen. So weit zur Klärung und nun zur ansgleichenden Verständigung. vas jüdische Weib. (Schluß.) Und wer endlich zählt, wer gedenkt jener Märtyrerinnen des Alltags, die, früh verwitwet, sich und ihre Kinder durch das Leben bringen und immer noch etwas für Aermere übrig behalten? Denn die Jüdin giebt gerne und nach Kräften. Es lebt unter diesen Hausiererinnen, unter den Handelsweibern Polens, denen der Mann lebt und, in seinen Forschungen versunken, des Erwerbes nicht achtet, manch' eine, der wirkliche Ehrfurcht gebührt; denn sie müht sich, um den Gatten dem zu erhalten, was ihr, ohne daß sie's klar begreift, das Höchste, Köstlichste erscheint: dem Studium der Schrift und der Lehre Gottes. Man wird ihresgleichen auch anderswo finden und Kompert hat in seiner Pauline Blüthenstern, die mit alten Sachen handelt, wahrhaftig kaum idealisiert. Diese kleinen Gestügelhändlerinnen, die in derselben Stube, welche sie bewohnen mit ihren Kindern, den beweglich-lärmenden Kram halten, der sie erhält, die hungern und nie die Hand nach einem Almosen ausstrecken und selbst „sprechen vor den Reichen" wie's ihnen ums Herz ist. Sie schreiten unter uns, während der Sohn vielleicht zur Hochschule geht, denn sie alle streben Bildung für ihre Kinder an, bietet seine Mutter in Schänken und Gasthäusern ihren armen Kram feil — hier bespöttelt, dort auch fortgewiesen — denn gerade diesen Aernfften, und ihnen allein erschwert diese fluchvolle Bewegung, die nicht genannt sein soll, das bischen Erwerb. Immer unermüdet und froh, wenn sie nur „ihr Leben gelöst" haben . . . Eine Abschweifung. Und so, ehe wir schließen, sei noch einer der leuchtendsten jüdischen Frauen gedacht: Sara Koppelia Sullnm, der Venetianerin. Das Gedicht eines Geistlichen, die Esther des Abbate Ceba, greift ihr ins Herz und zwischen ihr und dem Priester eines anderen Glaubens entspinnt sich ein Briefwechsel, der immer' inniger, selbst leidenschaftlich wird. Er will sie zu seiner Religion hinüberziehen; umsonst, obzwar auch sie ihm zugethan ist, ob sie ihn gleich in Betrübnis innigst tröstet. Niemals sehen sie einander, er weilt in Genna, sie bei ihrem Gatten in Venedig. Endlich stirbt er im Schmerze, von der Geliebten ewig getrennt zu sein. Eine Anklage gegen sie wird von der Inquisition erhoben wegen Gotteslästerung. Sie verteidigt sich in einer Schrift, die ihr Ruhe schafft, solch ein Meisterstück an Klarheit und Verstandesschärfe ist sie. Ihre Briefe an Ceba sind vernichtet, wir besitzen nichts von ihr als diese ihre Verteidigung und ein Sonett, das selbst in italienischer Sprache nicht viele seines Gleichen an Schönheit hat. Sonst blieb all ihr Dichten auf das Haus beschränkt, das sie mit ihrer reichen Bildung adelte und verschönte. Der Schriftstellerinnen, Künstlerinnen, die sonst aus dem Judentum hervorgingen, wollen wir nicht gedenken, Flüchtigkeiten, wie sie unvermeidlich sind, nicht rügen. So ist Karoline Bettelheim nicht die Gattin des Universitätsprofessors, Josephine Wessely war nie Jüdin und vom Berliner Königlichen Schauspielhaus nach Wien — an die Burg! — für erstes Fach kommen, bedeutet durchaus nicht, wie Frau Remy anzunehmen scheint, ein Niedersteigen. Wäre das Buch vollkommen, so bedeutete es die „bessere Hälfte" der immer noch nicht nach Gebühr behandelten Kulturgeschichte des Judentums.

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