Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 8 (21.2.1896)
- Date
- 1896-02-21
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 134. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr 8. Selbst das Süßholz verfassungsmäßiger Freiheit hals nichts. Wir sind wieder nach Marah gekommen. „Dort wurden Gesetz und Recht gegeben." Wenn wir nun in Marah angelangt sind, dann verleihe man uns doch Gesetz und Recht, damit der arge Mangel, den wir durch Hintansetzung und Verkürzung so bitter fühlen, durch das Bewußtsein versüßt werde, daß wir Gesetz und Recht aller Staatsbürger besitzen. Doch wir sind offenbar nicht einmal in Marah, wir sind in Rephidim. Unzweifelhaft wir stehen beiRephidim. Wir hören Amalek sprechen: „Die Juden sind ein gottverstuchtes Volk". Amalek verstand kein Latein, er hätte sonst mit einem modernen Abkömmling seines Stammes, der Hamans Konkurrent sein will, gesprochen: „Ceterum censeo Judaeos esse comburendos“. Damals gab es noch kein Parlament; Amaleks ganze Sippe würde hineingewählt. Wir sind also in Rephidim; sind matt und müde. Müde des unseligen hoffnungslosen Kampfes gegen verschlagene Niedertracht, heimtückischen Haß; wir sind matt, schachmatt durch niedriges Volk gesetzt. Verloren haben wir die Partie, will's Gott, nicht ganz. Unsere Gegner spielen nicht ehrlich. Rephidim nannten wir ein geschichtliches memento. Die Bibel befiehlt ausdrücklich von Jahr zu Jahr Amaleks und seines Raubzuges zu gedenken, der aus gemeiner Beutegier unternommen worden war; nicht aus nationalem Hasse, wohlgemerkt. Wenigstens von Heuchelei muß man Amalek sreisprechen. Dieses Volk schwindelte nicht vor, aus sozialen, nationalen Gründen gegen Israel zu Felde zu ziehen; Amalek hielt nicht erst wohlgedrechselte Reden über Volksbeglückung; er kam, sah und raubte. Israel war zwar matt und müde, doch Amalek nicht gottesfürchtig; er hatte keinen Begriff von Glaube, Moral, Menschlichkeit und heiligem Recht. Die Sonne sank und mit ihr Amalek. Dieser Sieg mußte dem Gedächtnisse zu ewiger Erinnerung eingeprägt werden, nicht weil es ein Sieg war, sondern damit wir wissen, daß der Kampf gegen Amalek nie aushört. „Du warst matt und müde", wir können wohl sagen: „Du bist matt und müde, aber gottesfürchtig, und deshalb wirst du siegen." Die Hände des Mose, die um göttlichen Beistand flehen, ermüden nicht. Von diesem Mose-Standpunkte aus, hoch über dem Schlachtfelds und' Kampfgetümmel, überblicken wir auch heute den Kriegsschauplatz. Die Parole ist: „Krieg führt Gott gegen Amalek." Unser geschichtliches Gedächtnis ist treu; wir wissen, daß wir Jahrtausende überdauert haben trotz Amalek und Haman, wir werden auch dieses überleben; wir sind nur matt und müde, um uns, hoffen wir recht bald, kräftig zu erholen. Dr- F-i Zur Klärung und llerftündiguug. Von A. Treu, Münster. I. In Nr. 47, 48, 49 und 51 der „Israelitischen Wochenschrift" 1894 von Rabbiner Dr. Rahmer gelangte unter dem Titel: „Beitrag zur Geschichte des Vereinswesens israelitischer Lehrer in Deutschland" eine Artikelserie zur Veröffentlichung, die einige irrige Ansichten, welche in der Presse wie in Lehrerkonserenzen zum Ausdrucke gebracht waren, berichtigensollte. DerVersaffer jener Artikel glaubte auch sürden„Verein israelitischer Lehrer Westfalens und der Rheinprovinz" eintreten zu müssen, da 1894 zu Köln in der Generalversammlung dieses Vereines, — die von mehr als hundert israelitischen Lehrern besucht war, — das große Wort leichthin ausgesprochen wurde: „ein Verein israelitischer Lehrer für Westfalen und die Rheinprovinz giebt es nicht", eine kurze Zwischendebatte veranlaßt hatte. Der Irrtum jener Ansicht dürfte in dem angeführten „Beitrag" überzeugend nachgewiesen sein. Inzwischen hat sich von Köln ausgehend im Anfänge des vorigen Jahres ein: „Verein von Rabbinern und jüdischen Lehrern in Rheinland und Westfalen" gebildet, an dessen Spitze Herr Rabbiner Dr. Lazarus steht. Die erste Kundgebung von dem Plane dieses Vereines schloß die Annahme ans, als beabsichtige derselbe ein Konkurrenzverein gegen den 1856 gegründeten Verein für Westfalen und die Rheinprovinz zu werden, vielmehr stellte er es sich, wie es hieß, zur Aufgabe, die Jnreressen des so viele Jahre bestehenden und segensreich wirkenden Institutes zu fördern. Diese schöne Absicht aufrichtig genommen, mußte man sich füglich fragen: Warum denn ein zweiter Verein gleichen Namens, nur mit dem Unterschiede, daß ein Rabbiner als Mitglied vorangeht? — Haben doch die Lehrer stets die Teilnahme der Herren Rabbiner an ihren Verhandlungen mit Freuden begrüßt und sind wir denselben für die wertvolle Förderung unserer Bestrebungen dankbar. Ist doch der bewährte Verein allumfassend, für jeden zum Unterrichten berechtigten Lehrer, ohne dessen Parteirichtung nach rechts oder links behufs Eintritt zur Gewiffensfrage zu machen. In der Thal kann eine Unklarheit inbetreff beider Vereine leicht Verwechselung oder Irrtum zur Schädigung des Unterstützungswerkes des Vereins für Lehrer re. herbeisühren — und gewiß, einer solchen Verantwortung will sich der Verein für „Rabbiner und jüdische Lehrer" nicht schuldig machen. — Von der Verwechselung oder dem Jrrtume geben aber mehrfach laut gewordene Fragen von Privatleuten Zeugnis, als: „Besteht denn der frühere Verein nicht mehr? Wohin sind jetzt Spenden oder Sammlungen zu senden?" rc. rc. Ist nun auch in jenem „Beitrage" die Existenz des „Vereins für israelitische Lehrer für Westfalen und die Rheinprovinz" klar nachgewiesen, so erscheint doch eine summarische Zusammenstellung der Beweismomente als eine unabweisbare Pflichterfüllung im Interesse einer hochwichtigen mit vieler Mühe und vielen Opfern ins Leben gerufenen Lehrerangelegenheit und als Schuldigkeit gegenüber den edlen Gönnern und Wohlthätern des Vereins. — Infolge eines von drei Lehrern erlassenen Ausrufes zur Stiftung eines „Israelitischen Volkslehrerkursus" fand am 12. März 1856 zu Hamm a. d. Lippe eine sehr stark besuchte Konferenz statt, in welcher der „Verein israelitischer Elementarschullehrer für Westfalen und die Rheinprovinz" ins Leben gerufen, und die Statuten;u demselben entworfen wurden. Unter den zu erstrebenden Zielen war eines der Nächstliegenden die Gründung einer Unterstützungs- resp. Pensionskasse, zu welcher die Satzungen dem ganzen Statut als besonderer Titel eingefügt werden sollte. Dieses geschah