Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 7 (14.2.1896)
- Date
- 1896-02-14
- Page
- Seite 124 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 124 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 7. bei ihm von rechts ironisch Beifall geklatscht wurde: Es kann niemand aus seiner Haut heraus.?robawm e3t. X-S. — Juden in königlichen Familien. Es dürste wohl nicht allgemein bekannt sein, daß eine Stiefnichte der Königin von England Jüdin von Geburt ist, und doch ist das der Fall. „Prinz Leopold von Sachsen-Koburg, Neffe des verstorbenen Prinzgemahls, hat nämlich eine Tochter ^Joseph Geigers, eines Wiener Musikers, zur Gemahlin. Prinz Ludwig von Bayern, Bruder der Kaiserin von Oesterreich, heiratete ebenfalls eine Jüdin, namens Henriette Mendel. Daß die Fürstin von Monaco eine geborene Heine ist, ist bekannt. — Bonaparte-Bibliothek in London. Die großartige und weltberühmte philologische Büchersammlung, welcher der verstorbene Prinz Lucien Bonaparte viele Jahre seines Lebens, einen großen Teil seines Vermögens und sein reiches philologisches Wissen gewidmet hat, hat über 25 000 Druckwerke und eine große Anzahl wertvoller Handschriften, worunter eine kostbare KollektionbaskischerManuskripte wohl als Unikum gelten dürste. Der handschriftliche Katalog der Bibliothek umfaßt 718 Quartseiten und giebt einen Beweis von der Reichhaltigkeit derselben. Zum Zweck der Erwerbung und Erhaltung dieses Bücherschatzes für England hat sich ein-Komite gebildet, welches am 19. Juni v. I. seine erste Sitzung hielt, in welcher auf Antrag des Herrn Israel Gollancz und des Bischofs von Portsmouth folgende Resolution angenommen wurde: „Es ist wünschenswert im Interesse der philologischen Wissenschaft unseres Landes, daß die Bonaparte-Bibliothek ungeteilt bleibe und ein Komite ernannt werde, die Werke zu prüfen und über deren Wert Bericht zu erstatten". In neuester Zeit fand der Plan eine kräftige Unterstützung von einer großen Anzahl hervorragender Spezialisten, als Prof. Max Müller, Pros. Sayce, Prof. Jos. Wright, Dr. Leitner u. a. Sie alle meinen, daß die Bibliothek, die in London gegründet und viele Jahre aufbewahrt wurde, keinen würdigeren Platz finden können als im Herzen der City von London. Tie Genannten haben sich ferner bereit erklärt, die Leitung der Bibliothek zu übernehmen, falls diese der Stadt überwiesen werden würde. Unter dem Vorsitze des Bischofs von Stepney hat sich ein Exekutiv-Komite gebildet, um Beiträge zum Ankauf der Bibliothek zu sammeln. Zu diesem Komite gehört auch Rev. Dr. Löwy, welcher den Katalog der Bücher, die Herr Philipp Salomons der Korporation zum Gelenk machte, angefertigt hat. Außer von Lord Rothschild, welcher bereits einen höhern Beitrag zum Fond zugesagt hat, sind von mehreren Seiten weitere Beiträge in Aussicht gestellt und die Juden Englands werden es gewiß als eine Ehrenpflicht ansehen, dieses Unternehmen nach Kräften zu unterstützen und zwar schon allein aus dem Grunde, weil viele jüdische Familien Englands zu diesem Werke schon in stetiger Beziehung stehen. Außer der bereits erwähnten hebräischen Sammlung des Herrn PH. S alomons hat auch Lady Louisa Goldsmid die Sammlung der Korporation wesentlich bereichert;auch SirDavidSalomons, 1856 Lord Major in London hat ihr eine Schenkung von 20 000 Mark gemacht. Der verstorbene Baron Lionel von Rothschild hat ein kostbares Fenster für das Lesezimmer und Alderman Fände! Philipps, Herr F. O. Mocatta u. a. haben wertvolle Geschenke gespendet. I. C. — Childers. Der am 29. Januar zu London verstorbene Herr Childers war ein Abkömmling unseres Volkes. Sowohl von väterlicher als auch mütterlicher Seite gehörte er zur Familie der Abu diente und stammte von dem berühmten Financier Sampson Gideon, welche zu Anfang des 18. Jahrhunderts dasselbe bedeutete wie der Name Nathan Rothschild ein Jahrhundert später. Hr. Childers war der Sohn des Rev. Eardley Childers, welcher mit seiner Keusine Marie, Tochter des Sir Culling Smith verheiratet war. Hrn. Eh. Mutter, Charlotte Smith und des Rev. Eh. Mutrer, Selena Childers waren Schwestern. Ihr Vater war Sampson Gideon, der erste und einzige Lord Eardley und einziger Sohn des Financiers Sampson Gideon, welcher unter Königin Anna, als ein Orakel in der Börsenwelt galt und ein Freund Sir Robert Walpoles war. Dieser Sampson war ein Enkel des berühmten Grammatikers Moses b. Gidhon Abudient e aus Hamburg, der als erster der aus Portugal Vertriebenen nach Nordenropa einwanderte, Hr. Childers hatte bis an sein Ende ein warmes Interesse für jüdische Angelegenheiten. I. C. — In voriger Woche fand die formelle Uebergabe des Herrenhauses zu Nizza, welches Madame Furtado-Heine der Regierung als Erholungsheim für verwundete und kranke Offiziere sowohl des Landheeres als der Marine geschenkt hat, statt. Madame Furtado-Heine hat außer diesem großherzigen Geschenke auch einen Beitrag zur Unterhaltung desselben gespendet. General Verrier als Vertreter des Präsidenten der französischen Republik, General Gebhardt, Gouverneur von Nizza und Vice-Admiral de Slane nahmen an der Zeremonie teil und statteten der patriotischen Geschenkgeberin ihren herzlichsten Dank ab. — Wir lesen in der in Cincinnati erscheinenden „Deborah": „Der Freitag Abend-Gottesdienst mit Predigt und Chorgesang hat nicht blos in vielen Gemeinden den Sabbat, sondern auch die Gemeinden gerettet, wie das nur noch die Religionsschule zu leisten im stände war. Das sind die Waffen gegen den leidigen Jndifferentismus, der besonders die Geschäftsleute ergriffen und der Gemeinde entfremdet und die arbeitende Klasse gänzlich abgestoßen hat." — In Berlin hat man das immer noch nicht eingesehen. Hier ist der Freitag Abend-Gottesdienst nichts als ein Chor- und Orgelkonzert, das, außer den Choristen, keinen erwärmt. — Literarische Notiz. In mehreren Exemplaren meiner neuesten Schrift: „Ueber den Einfluß des ersten hebräischen Buchdrucks auf den Kultus und die Kultur der Juden" ist S. 15 oben der erste Satz nicht ganz korrekt enthalten. Derselbe muß richtig lauten: „Es stimmen nun alle jene Gelehrten überein, daß mit zrc, schreiben, nur Relief (mnn pn), nicht aber das Eingravieren (n’C'n'1 pn) auszuschließen und somit die Druckschrift auch als „Schrift" im biblischen Sinne anzusehen sei." Zur Litteratur über die Sedarim S. 49 ist noch A. Epsteins Buch Mikadmonijoth ha Jehudim S. 57 nachzutragen. Dr. A. Berliner.