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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-02-14 · 7 (14.2.1896) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
7 (14.2.1896)
Date
1896-02-14
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr 7. ^eite 120. nicht gereicht, es wäre denn wenigstens der Rand mit Wermut bestrichen, und wo wir znm festlichen Gelage uns begeben da glauben mir, uns erst init Trauerweiden bekränzen zu müssen." „Juckt Dich heute wieder Deine freigeisterische Laune, daß Tn über eine harmlose Zeremonie so herfällst. Siehe, ich könnte Dir sogar einen schönen erhabenen Gedanken darin zeigen, der gar in vielen unseren Lehren und Gebräuchen ausgesprochen ist. Die trostreiche Lehre, die von der Schöpfung sich herschreibt, daß dem Schoße der Finsternis sich erst das Licht entwand, und die düstere Nacht nur den sonnenhellen Tag gebärt, sie ziehet sich durch das große Drama der Weltgeschichte. Ueberall Entfaltung zum Lichte und zur Klarheit, überall Versagung und Verzichtleistung, überall Entbehrung und Bedürfnis, um den Genuß und die Befriedigung zu erhöhen. Eine sehr sinnige, sehr erhabene Lehre, die eine weitere Auseinandersetzung verdiente." (Fortsetzung folgt.) N) ochen - (Ohronik. — Repräsentantensitzung. In ihrer ersten geschäftlichen Sitzung erledigte die Repräsentantenversammlung nur Wahlen. Es wurden' gewählt: Zum 1. Vorsitzenden Herr Hermann Landsberger, zum 1. Stellvertreter Herr Justzrat Tiktin, zum 2. Stellvertreter Herr G. Löwenberg; zum 1. Schriftführer Geheimrat Marcuse, zum 2. Schriftführer Herr Leichrentritt. In den Finanzausschuß wurden gewählt die Herren Fränkel, Löwenberg, Manheimer, Marcuse, Louis Sachs, Leonhard Sachs, Martin Simon, Stadtrat Tr. Weigert und Louis Sieskind. Der Ausschuß für Religionsangelegenheiten setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Prof. Baginsky, Bodenstein, Jastrowitz, Leichtentritt, Mosse, Oppenheim, Leonhard Sachs, Sieskind und Simon. In den Ausschuß für allgemeine Angelegenheiten wurden entsandt die Herren Blumenthal, Bodenstein, Kirstein, Marcuse, Moste, Oppenheim, Leonhard Sachs, Tiktin, Senator und Levin. Tie übrigen Ausschüsse und Kommissionen werden erst in nächster Sitzung gewählt werden. Damit war die Tagesordnung erledigt. — Aufruf. Das augenblicklich sich in der Kommission befindende Lehrer - Besoldungsgesetz wird, wenn es in Kraft tritt, durch Gewährung höherer Altcrszulagen den Kollegen Vorteile bringen, die nach dem Austritte ans dem Seminar gleich in den Staatsdienst eintreten. Vielen jüdischen Kollegen ergeht es aber so, daß sie erst einige Zeit im Privatschuldienst znbringen müssen. Wir verlieren dadurch eine Reihe von Jahren. Jetzt, wo diese Materie gesetzlich geordnet werden soll, wäre es angebracht, wenn wir Schritte thun, um unsere Ansprüche geltend zu machen. Die jüdischen Privatschulen dienen ebenso dem allgemeinen Interesse wie die öffentlichen. Das Zentrum hat im Plenum beantragt, daß den Lehrern, welche an Privatschnlen der Religionsgemeinden eine Zeitlang angestellt waren, diese Zeit angerechnet werden soll. Unterstützen wir diesen Antrag, indem wir an das Abgeordnetenhaus eine Petition um Anrechnung der an einer von einer Religionsgemeinde unterhaltenen Schule zugebrachten Dienstzeit richten. Wer den von mir vorgeschlagenen Weg für richtig hält, der sende sofort selbst eine Petition ab, oder ermächtige mich durch direkte Zuschrift seinen Namen unter die von mir einznreichende Petition zu setzen. Die Kommissionsberatungen werden beschleunigt, wollen wir Erfolg haben, so muß unsere Petition spätestens bei der zweiten Lesung in den Händen der Abgeordneten sein, darum nicht gesäumt! Mit amtsbrüderlichem Gruß A. Kadisch, I. Lehrer an der jüdischen Stadtschule in Gollub W.-Pr. — Mit der Lage der jüdischen Lehrer sängt jetzt auch die politische Presse sich zu beschäftigen an. lieber die vom Verein in Rheinland-Westfalen herausgegebene Denkschrift, deren wichtigsten Abschnitt wir in der vor. Nr. ans Wunsch des Vorsitzenden reproduziert haben, schreibt u. a. das Berliner Tageblatt: „Das ganze Elend, dem jüdische Lehrer dadurch ausgesetzt sind, daß ihnen alle Beamteneigenschaften und Rechte, deren sich ihre christlichen Kollegen erfreuen, wie geregelte Anstellungsbedingungen, Versorgung in Krankheitsfällen, Sicherstellung der Hinterbliebenen, völlig vorenthalten bleiben, wird in dieser Denkschrift an der Hand einer sorgsames Statistik in einer geradezu entsetzenerregenden Klarheit geschildert. Ist die Lage der Volksschullehrer im allgemeinen schon schlimm genug, so ist die der jüdischen eine in jeder Beziehung qualvolle und entwürdigende. Die Staatsaufsichtsbehörde sollte derartigen Zuständen ein Ende zu machen bestrebt sein — schließlich sind doch die jüdischen Volksschullehrer auch Menschen, so zu sagen." — Die jüdischen Lehrkräfte. Jubelnd berichtet die gesamte Antisemitenpresse: „Jnbetreff der jüdischen Lehrkräfte an den Volksschulen Berlins ist nunmehr beim Magistrat das erwartete neue Reskript des Kultusministers eingetroffen. Der Inhalt desselben beweist, daß die Antisemiten vollständig im Recht sind, zu triumphieren, und daß der Vorstand der jüdischen Synagogengemeinde sich gröblich getäuscht hat, als er aus einigen unverbindlichen Wendungen in einem Schreiben des Kultusministers glaubte, aus eine Aenderung hoffen zu dürfen. Es sollen also künftig in den Volksschulen Berlins jüdische Lehrkräfte nur so weit zur Verwendung kommen, wie der jüdische Religionsunterricht mit sich bringt. Jede jüdische Lehrkraft hat mindestens 12 Religionsstunden zu erteilen. Nur für die darüber hinausreichende Stundenzahl dürfen jüdische Lehrkräfte auch zum Unterricht in anderen Disziplinen verwandt werden. Das Reskript verbietet zwar nicht schlechthin die Verwendung jüdischer Lehrkräfte zum Unterricht in der Geschichte und im Deutschen. Es wird aber verlangt, daß bei der Ausstellung der Lehrpläne die Verwendung jüdischer Lehrkräfte in diesen Disziplinen möglichst vermieden wird. Namentlich fürchtet der Minister, daß bei dem Unterricht jüdischer Lehrer in der geschichtlichen Darstellung der erhebende Eindruck der Kreuzzüge auf die kindlichen Gemüter abgeschwächt werden könnte. Außerdem sollen die städtischen Behörden jährlich die Lehrpläne und die Statistik über die jüdischen Kinder und die jüdischen Lehrkräfte mitteilen." Wir können die Freude der Antisemiten begreifen. — Geschichte einer Postkarte. Ein Mann in Galizien, der gern eine jüdische Zeitung halten möchte, aber nicht weiß, welcher er seine Gunst und sein Geld zuwenden solle, schickt, der Findigkeit der Post vertrauend, eine Postkarte mit der Adresse: „An eine israelitische Zeitung in Berlin." Die Post

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