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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-02-14 · 7 (14.2.1896) · p. Seite 114

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
7 (14.2.1896)
Date
1896-02-14
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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Seite 114. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 7. In Mosesville unterrichtet einer der von der Alliance Jsraelite dahingesendeten jungen Professoren, wie auch einige Lehrer russischer Nationalität; ein detaillierter Bericht über die in dieser Schule erzielten Resultate ist uns bis jetzt noch nicht zugekommen.. Dasselbe ist der Fall in der Schule zu San Antonio, in welcher eine Lehrerin und zwei Lehrer des Hebräischen unterrichten. Der Bau der Tampsmühle in Clara, dem Mittelpunkte der Entre Rios-Kolonie, schreitet seiner Vollendung entgegen und wird selbe in kurzer Zeit zu arbeiten beginnen. Die Kolonisten haben das Mehl bis jetzt sehr teuer bezahlen müssen und erwarten nunmehr bedeutend billigere Preise. Die Ziffern der Bevölkerung stellen sich wie folgt: 1894 1895 Zunahme Abnahme Mosesville 49 Familien 90 Familien 41 Familien — Mauricio 213 „ 208 „ — 5 Famil. Clara 245 „ 481 „ 236 Familien — San Antonio 56 „ 68 „ 12 „ - Gruppen 206 „ 375 „ 169 „ - Summa 769 Familien 1222 Familien 458 Familien 5 Famil. Das bebaute Land in den Kolonien hatte eine Ausdehnung von: 1894 1895 Weizen, Anderes Getreide. Weizen, And. Getreide. Mosesville 1.882 Hekt. 400 Hekt. 1.790 Hekt. 1.361 Hekt. Mauricio 5.328 „ 269 „ 2.291 „ 18 „ Clara 4.402 „ 519 „ 5.467V4 „ 844-/4,, San Antonio 1.189 „ 52 „ 875 „ 354'/2„ Gruppen 3.714 „ 1.495 „ 13.801 Hekt. 1240 Hekt. 14.137-/4H. 4.072^H. Der Verein besitzt gegenwärtig in Argentinien in dem Gebiete von Entre Rios 150.786 Hektar „ „ „ „ Santa Fee 13.237 „ „ „ „ Buenos-Aires _25.000 „ Summa 189.023 Hektar von denen die Kolonisten 90.000 Hektar innehaben. Ans dem Berichte von Kanada ist zu ersehen, daß die Verhältnisse der dortigen Hirschschen Kolonie eine Wendung zum besseren genommen haben, dank der gründlichen und sorgfältigen Ausscheidung. Nicht nur hat die außerordentlich günstige Ernte die Erhaltung der Kolonisten und ihrer Familien bis zum nächsten Jahre gesichert, sie ermöglicht es ihnen auch, nun ihre landwirtschaftliche Ausrüstung zu vervollkommnen und ihren Vorrat an Vieh zu vergrößern. Das St. Petersburger Hauptkomite sowohl als auch die lokalen Komites setzen ihre Bemühungen fort. Ihren Anstrengungen ist es zu verdanken, daß die Beförderung russischer Auswanderersamilien nach Argentinien auch im verflossenen Jahre in befriedigender Weise vor sich gegangen ist. SchHtnhaukr und das Judentum. Von Robert Kuttner. (Schluß.) Nach dem bisher Gesagten könnten wir auf eine Erörterung des Punktes 3 verzichten; sie würde das gleiche Bild ergeben. Der Verfasser hat ein sehr scharfes Auge für Ereignisse und Charaktere, über die vergangene Jahrtausende ihre dunklen Schwingen ansgebreitct, dagegen keinen vergleichenden Blick für geschichtliche Vorgänge, die in der Tageshelle späterer Jahrhunderte sich kenntlich machen. Wer denkt hier nicht an die Eule, das Symbol , der Wissenschaft am Helm der Pallas Athene! Aber die blauäugige Tochter des Zeus wurde auch als Göttin der Weisheit verehrt, der tiefe Sinn der Alten bewehrte sie mit der Lanze, und in der Rechten trug sie das Bild der Siegesgöttin. Und in der That, hat doch namentlich alle geschichtliche Wissenschaft einen Wert erst da, wo sie mit dem weisen Bestreben ausgerüstet ist, die Ereignisse in ihrem ursächlichen Zusammenhangs und die daran beteiligten Charaktere in dem Lichte (Kulturznstande) ihrer Zeit zu beurteilen, um so der Wahrheit nahe zu kommen, die allein sieghaft ist! — Nachdem also die Ebräer Egypten geräumt, war die Notwendigkeit für sie gegeben, sich irgendwo anders niederzulassen, und da höchstwahrscheinlich schon zu ihrer Zeit ein herrenloses ihnen bekanntes Land ebensowenig vorhanden war wie heute, so waren sie darauf angewiesen, sich eine ^Niederlassung zu erkämpfen und den Boden, wie der Verfasser sagt, dem rechtmäßigen Besitzer zu entreißen. Das war die Lage einer kleinen Volksschar, die sich notgedrungen Raum aus Erden schaffen mußte. Wie charakterisieren sich dagegen die meisten Kriege, die geführt wurden und nicht nur in der alten Welt? Gingen sie alle aus gleicher Notwendigkeit hervor? In Befolgung des väterlichen Rates, die Grenzen seines Reiches ju erweitern, trat Alexander seine Eroberungszüge an; auch lag den Kriegszügen Cäsars in die ganze ihm bekannte Welt keine gleich zwingende Ursache zu gründe, wie dem des kleinen ebräischen Volkes, und kein Historiker ist bekannt, der für beide ein anderes Wort, als das der Bewunderung hätte. Wie sieht es endlich mit den eigentlichen Kriegszwecken der von der Kultur beleckten modernen Welt aus? Quälen sich hierbei die gegeneinander kämpfenden Völker mit Skrupeln über den „rechtmäßigen Besitzer", die schließlich durch das Schwert des Siegers — beseitigt werden? „Es traten, — so fährt der Verfasser fort, — die Ebräer ebenfalls auf Jehovas ausdrücklichen Befehl ihren Erobernngszug unter Mord und Ausrottung in das verheißene Land an." Sicherlich war Mose von der Ueberzengung erfüllt, daß es zur Erziehung seiner in langer leiblicher und zum Teil auch geistiger Verkommenheit niedergehaltenen Stammesgenoffen einer höheren Autorität bedürfe und er verkündigte ihnen deshalb die Lehren und Befehle eines höheren Wesens. Seitdem haben die größten Denker aller Zeiten ihr bestes Können daran gesetzt, unseren Gottesbegriff zu veredeln, und wenn der Verfasser die Hand an seine eigene Brust gelegt hätte, würde er es vielleicht geahnt haben, wie schwer es noch heute ist, einem wahren Verständnis des göttlichen Willens Eingang in unser Herz zu verschaffen, und wie gar so oft, indem wir Gott zu dienen vorgeben, geht es uns nur um eine Befriedigung unserer eigenen sinsteren Leidenschaften. Welch' traurige Ereignisse haben sich nicht fort und fort im Laufe der Jahrhunderte zur Verherrlichung Gottes abgespielt!

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