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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-02-07 · 6 (7.2.1896) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
6 (7.2.1896)
Date
1896-02-07
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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Nr. C>. Allgemeine Israelitische Wochenschrift Seite 95. denn anch die Ehre haben, aus dem Sattel gehoben zn werden, und jeder wollte seine Ebenbürtigkeit zeigen. Man studierte, man gewann ihn lieb den Talmud, und da dieser nichts ist, wenn die Religion nicht höchste Achtung genießt, so mußte die Religion um des Talmuds willen, der Talmud der Disputation wegen und diese zur Ehre aller Kombattanten erhalten werden. Wie stehen wir aber jetzt, da der äußere Druck in seiner früheren Gestalt aufgehört hat und niemand mehr einen Ehrgeiz darin setzt, als Theologe zu gelten? Tie Religion ist nach wie vor nicht mit materiellen Interessen bei den Juden verbunden, legt dafür noch immer große Geldopser ihren Bekennern aus. Keine Verfolgung reizt den Fanatismus empor, und das Studium des Talmuds nicht nur — nein, auch das Studium der Bibel beschränkt sich von Tag zu Tag immer inehr auf eine geringfügige Schar von Fachmännern und ihren Jüngern. Es versteht sich von selbst, daß unter diesen Umständen der Jndiffereutismus mehr Raum unter Juden, als in andern Kirchen gewinnt, wenn auch im allgemeinen der Zeitcharakter sich auch unter den Inden offenbart. Hat man keine Hierarchie, gegen oder für die man kämpfen könnte, so erfindet man eine solche; sind keine feudalen Interessen mit dem Ultramontauismus zu verkämpfen, so giebt es doch noch vereinzelte reiche Leute, die gern aristokratische Manieren annehmen und meinen, daß das Frömmellt zum guten Tone und zum vornehmen Stile gehöre. Giebt es keine Veranlassung zum Kriege, so sucht man Vorwand zum Streite, und ist kein Grund vorhanden, einen Jesuitenorden zu stiften, so läßt man doch zur Ehre Gottes die Mittel durch die Zwecke heiligen. Kann man nicht mehr durch Gelehrsamkeit glänzen, so ragt man durch großartige Stiftungen hervor, und überbietet man sich nicht mehr bei theologischen Disputationen, so wetteifert man aus dem Gebiete der Wohlrhätigkeit, stiftet Bünde, Gemeindetage und wehrt sich, so gut man kann, gegen den drohenden Jndifferentismus. Da eine Begeisterung nicht gut auskommen kann, wo ihr keine Gegnerschaft geboten ist, so sorgen etliche rege Geister dafür, daß uns das Feuer nicht ganz ausgehe, und was die aufrichtige Gesinnung nicht wirkt, das bringt die Heuchelei zu Staude, nämlich den edeln Zorn gegen jeden Versuch, das Judentum zu verpfaffen. Was daun geschehen wird, wenn dereinst unsere Reichen die noblen Passionen verwunden haben, unsere Jesuiten entlarvt, unsere Streiter ermüdet sein werden, das wissen wir freilich nicht. Einstweilen aber bewahren 'uns diese Salze doch noch etwas vor der Fäulnis des — Jndifferentismus. _ So. Äatiliik iibrr die Stellung der jüdische» Lehrer i» Rheiuluud und Uleltfnlcii. Bon Rabb. Dr. Lazarus, Köln. Im Frühjahr 1895 wurden vom Verein von Rabbinern und jüdischen Lehrern in Rheinland und Westfalen an sämtliche Lehrer beider Provinzen Fragebogen behufs Ausstellung eurer Statistik über die soziale Lage derselben gesandt. 99 Lehrer sandten die Fragebogen ausgefüllt zurück. Aus dem Ergebnis dieser Umfrage sei i liche hervorgehoberr. A. Es amtieren in ihrer jetzigen Stellung definit. konäugest. traktlich über 15 Jahre 12 9 * 10 „ 4 8 12 13 „ O // 2 IO unter 3 Jahren 3 26 C. Stell Folgendem einiges Wefent- L. Dem Alter nach find 20 bis 25 Jahre 18 Lehrer 25 30 35 40 45 50 55 60 30 35 40 45 50 55 60 70 23 23 4 7 6 6 3 9 rwechsel. Jahren hatten 7 Gemeinden je 5 Lehrer 6 „ 10 .. In den letzten 15 29 Gemeinden je 1 Lehrer 32 „ „ 2 „ 10 12 „ „3 „ 2 . 6 „ 4 In einem Fall fehlen nähere Angaben. Summa 99. 1). Lehrergehälter in kleinen Gemeinden (Gemeinden unter 25 Familien) jährlich jährlich Gemeinde zahlt 240 M. 1 Gemeinde zahlt 960 M. „ „ 250 „ „ „ 5o0 „ „ „ 660 Gemeinden zahl. 750 „ „ 850 „ „ 900 Gemeinde zahlt 950 1 Gemeinde zahlt 3 Gemeinden zahlen 1000 2 „ „ 1050 1 Gern, zahlt 10504200 3 Gemeinden zahlen 1100 8 „ „ 1200 1 Gemeinde zahlt 1800 E. Gehälter von nicht fest angestellteu Lehrern. 240 M. bezieht 1 Lehrer 1250 M. bezieht 1 Lehrer 250 „ „ 1 „ 1300 „ „ 1 450 „ „ 1 „ 1350 „ „ l n 650 „ „ 1 „ 1500 „ beziehen 3 660 „ „ 1 „ 1600 2 750 „ „ 1 „ 1750 „ bezieht 1 n 850 „ beziehen 3 „ 1800 „ ff i 9OO „ „ 10 1900 n tt 1 950 „ bezieht 1 „ 2000 „ n i 960 „ „ 1 „ 2100 „ beziehen 3 l 1000 „ beziehen 8 „ 2300 „ bezieht 1 " 1050 „ „ 3 2350 „ i 1100 „ „ 5 3000 tt t, 1 1200 „ „ IO „ unter 800 Mark von 800 bis unter 9OO M. : 900 Mark 1000 1100 1200 1300 bis 1400 Mark 1500 Mark F. Gehälter bis zu 1500 Mark. ‘ an öffentl.; an privaten i Volksschulen Volksschulen 1 2 6 2 3 — 4 5 7 3 3 1 3 an Religiorrsschulen 6 2 4 9 •) 2 1 I. An stell rrngsverhliltnisse. Es sind angestellt an öffentlicherr Volksschulen 33, an Privatvolks- und Religionsschulen 66 Lehrer. Die erstge-

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