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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-31 · 5 (31.1.1896) · p. Seite 89

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
Seite 89 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 5. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 89. Belagerung und die Kommunezeit in Paris mitmachte. Der Verfasser ist Legatiousrat im deutschen Auswärtigen Amte, einer der wenigen mosaischen diplomatischen Beamten des Reiches, Dr. Wilhelm (5ahn. Er war 1870 71 bayerischer Gesandschaftssekretär in Paris und verblieb auch dort, als der bayerische Gesandte Graf Quadt abreiste und die Vertretung der zurückgebliebenen Bayern und Badenser dem schweizer Gesandten Dr. Roth überließ. Dem Dr. Roth wurde nun Dr. Cahn im Einvernehmen und unter Duldung der pariser Behörden in offiziöser Eigenschaft attachiert. Rach 1871 trat Dr. Eahn in den Reichsdienst ein. — In Anlaß des 200 jährigen Bestehens seiner Firma machte Herr I. Moses in Bradford (England) der israelitischen Gemeinde in Rendsburg eine Schenkung von 5000 Alk. Vater und Großvater des Spenders waren viele Jahre lang Mitglieder dieser Gemeinde und sind auch auf dem dortigen Friedhof bestattet. Herr Moses wandte auch seinem Heimatsort Kappeln (Schlei), in dem seine Mutter noch lebt, wiederholt Mittel zu wohlthätigen Zwecken zu und spendet in seinem jetzigen Wohnort alljährlich ganz erhebliche Summen. — In Ungarn gilt ein Schochet als — Hilfsgeistlicher! Der römisch-katholische Pfarrer in Temes-Rekas wollte ein Mandat als Ausschußmitglied bei der Komitats- Korporation durchsetzen, was ihm aber nicht gelang. Daranfhin legte er gegen das Wählerrecht des Herrn Emanuel Spitzer, Kantor und Schächter in Temes-Rekes Protest ein. Kantor Spitzer genießt das Wählerrecht auf Grund seines Jntelligenzgrades. Der Verifikationsausschuß des Temeser Komitates, wie auch die k. Kurie verwarf die gegen den Schächter Emanuel Spitzer cingeleitete Beschwerde mit der Motivierung, weil Spitzer Vorbeter und Schächter ist, so ist er ebenso als Hilfsgeistlicher zu betrachten, wie die Hilssgeistlichen bei allen anderen Konfessionen. — Aus Paris wird berichtet: Besucher des Louvre finden seit einiger Zeit auf mehreren Kästen die Aufschrift: Geschenk des Barons Edmond de Rothschild. Dieses wertvolle Geschenk wird jedoch weitaus übertroffen durch die Widmung, mit welcher eine unserer Glaubensgenossinnen die Nationalbibliothek in der Rue Vienne bedacht hat. Madame Calmann L^vy, Witwe nach dem bekannten Verleger, hat die ganze Bibliothek Renan's angekauft und dieselbe der Nationalbibliothek zum Geschenk gemacht. Die Bibliothek umfaßt 5516 Bünde und enthält höchst wertvolle Werke über orientalische Altertümer, die ^Anfänge des Christentums und Islams, sowie allgemeine geschichtliche, philologische, philosophische und politische Werke. Durch ihre hochherzige Widmung hat Alm. Ealmann Levy nicht bloS eine der landläufigen Anklagen der Antisemiten nachdrücklichst widerlegt, sondern sich auch um die Förderung der Wissenschaft große Verdienste erworben. — Alan schreibt uns aus London: In einer am letzten Dienstag (21. Januar) stattgehabten Versammlung der Universitäts-Behörden machte der Vorsitzende Mitteilung vom Tode des Vize-Kanzlers, Sir Julian Goldsmid. Die Vorlesungen wurden an diesem Tage aufgehoben, so daß die Trauer über den Verlust, den die Universität erlitten hat, auch äußerlich gekennzeichnet wurde. Es ist ein bemerkenswerter Zufall, daß die einzigen zwei Würdenträger dieser Universität, die das Vize-Kanzler-Amt innehatten, Juden gewesen sind. Es waren Sir George Jessel und Sir Julian Goldsmid. _ Der Vorsitzende der Versammlung erinnerte auch daran, daß die Universitäts-Bibliothek der Freigebigkeit Sir Julian's viel verdanke. Vor noch nicht langer Zeit schenkte er der Bibliothek für neue Ankäufe 1000 Pfd. Sterl., und das war nur die letzte der zahlreichen großen Spenden der Familie Goldsmid. — Der Tod des Prinzen Heinrich von Battenberg. Als der Chies-Rabbi von London die Trauerbotschaft von dem Hinscheiden des Prinzen Heinrich von Battenberg erfuhr, sandte er ein Telegramm an die Prinzessin Beatrice, in welchem er in respektvoller Weise sein Beileid ausdrückte und den allmächtigen Gott anflehte, daß er der Prinzessin und ihrer trauernden Familie Kraft verleihen möge, das große Unglück zu ertragen. Er erhielt eine Antwort von Osborne, in welchem die Prinzessin Beatrice ihm für sein freundliches Sympathie-Telegramm dankte. — Miß Ellen Pyke. Der Tod von Miß Ellen Pyke, die dieser Tage in West Brigthon gestorben ist, entfernt eine weitbekannte und allgemein geachtete Persönlichkeit aus der jüdischen Schulwelt Englands. Miß Ellen war die zweite Tochter des verstorbenen Samuel Pyke. Seit vielen Jahren widmete sie sich selbst dem Lchrfache. In Gemeinschaft mit ihrer Schwester, der jetzigen Frau Ascher in Leipzig, leitete sie jahrelang eine sehr angesehene und erfolgreiche Schule in Great Prescot Street, London. In späterer Zeit gründete sie mit Miß Esther Salomon eine Kochschule für jüdische Mädchen in Ramsgate, die dann nach Brighton verlegt wurde. Miß Ellen mar eine hochgebildete Dame, eine vortreffliche Kennerin vieler Sprachen, ausgestattet mit einem bewundernswerten litterarischen Feingefühl und mit einem klaren litterarischen Stil. In „Chambers' Journal" und in anderen Zeitschriften erschien eine große Anzahl von Artikeln und Gedichte aus ihrer Feder; sie mar auch gelegentliche Mitarbeiterin an der vortrefflichen jüdischen Wochenschrift „The Jewist Chronicle". Ferner war sie mit ihrer Schwester Verfasserin von „Pyke's Scripture History", einem kleinen Buche, das sich großer Beliebtheit und Verbreitung erfreut. Personalien. ..7- In Liebstadt (Ostpreußen) begeht die israel. Gemeinde am 9. Februar das 50 jährige Dienstjubiläum ihres Lehrers, Herrn Kasse, welcher dort 40 Jahre ohne Unterbrechung gewirkt hat und fast sämtliche israelitische Bewohner der Stadt zu seinen ehemaligen Schülern zählt. Nach den vorläufigen Festsetzungen wird am Jubilänmstage vormittags eine Feier in der Synagoge und nachmiltags ein Festessen statifinden. - Versetzt ist Herr Lehrer Tannenberg von Greifcnberg in Pommern nach Merzig a. Saar- — In Woldenberg Nm. amtiert seit kurzem Herr S. Nathan, zuletzt in Reetz. — Unseren Kollegen von der Presse, welche alle Ordensanszeichnungen, die Juden verliehen werden, gern registrieren, teilen wir die Namen zweier Ausgezeichneter mit, damit sie ihre Liste vervollständigen und ihr Register kein Loch habe. Prof. Dr- Schneider in Königsberg hat den Roten Adlerorden vierter und Landgerichtsrat und Premier-Lieutnant a. D. Meyer in Memel den Kronenorden dritter Klasse erhalten. Beide sind Juden. fitrratur. * Jirverral und die Juden. Ludwig Friedländer, der berühmte Schilderer des römischen Kaiserreichs im 1. und 2. Jahrh., hat den berühmten Schilderer Decimus Junius Juvenalis in einer Neuausgabe bei S. Hirzel in Leipzig erscheinen lassen, lieber die Stellung Juvenals zu den Juden berichtet Friedländer, daß jener für sie eine gewisses Interesse wegen der Seltsamkeit ihrer Religion und

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