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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-31 · 5 (31.1.1896) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
Seite 84 (sequence 8)
Language
German
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Seite 84. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 5. Aus diesem nationalen Zusammenhalten, so führt nun unser Völkerpsycholog — und zwar immer noch im § 132 „zur Rechtslehre und Politik" weiter aus, ergiebt sich ihr nationaler Wunsch: £ s."„«Eingedenk des Abraham, der in Kanaan wohnte, aber all- .ä’ÜL. mählich, wie sein Gott cs ihm verheißen, Herr des ganzen! Landes war, auch gerne wo recht fußen und Wurzel zu schlagen, um auch wieder zu einem eigenen Lande zu gelangen," gemäß Buch I. Moses Kapitel 17. Der Verfasser ist also der Ansicht, daß Menschen, deren ganzes Denken und Empfinden dem Denken und Empfinden eines Volkes, das bereits seit ca. zwei Jahrtausenden nicht mehr existiert, so ähnlich sein kann, wie etwa das seinige dem eines Kabylen; daß Menschen, deren materieller und geistiger Besitz mit dem seines Geburts- oder Heimatlandes innig verwachsen, „wo die Sonne zuerst den Himmel vor ihm aufschloß, und sich Mitgeborene fest und fester an einander knüpften", eines Tages das Verlangen haben sollten, einzugedenken, um irgendwo Herren eines Landes zu werden, gemäß I. Buch Moses Kapitel 17, 8. „Bis ihm aber das gelingt, und so ist der weitere Gedankengang Schopenhauer's — lebt dieses Volk parasitisch auf anderen Völkern und ihrem Boden, und daraus geht hervor, wie absurd es ist, ihnen einen Anteil an der Regierung oder Verwaltung irgend eines Staates einräumen zu wollen." Es kann befremden, daß es dem Verfasser so ganz und gar entging, wie er mit dieser Vermahnung bereits zur Zeit ihrer Niederschrift ein Prediger in der Wüste war; denn ganz abgesehen davon, daß, wie oben nachgewiesen, schon das Rom der ersten Jahrhunderte gegen die nächsten Nachkonunen derer, deren glühende Vaterlandsliebe die eherne Faust seiner Myrnüdonen einst fast zum Erlahmen gebracht, ganz anders dachte und gehandelt, haben auch die modernen Staaten vor und zu seiner Zeit, sich nicht diesen Lehren, sondern der Auffassung zugeneigt, daß wahrhaftes Talent nicht nur auf seiner Scholle wirken kann. So sahen und sehen wir auch heute beispielsweise Männer deutscher Abkunft in hohen russischen, Männer polnischer Abstammung in französischen, und französischer in englischen Staatsämtern. Aber das wird sich der Verfasser wohl auch gesagt haben, und sein Ratschlag sollte nur aus die Juden, die „patriotes sine patria" sich beziehen; denn er fügt begründend hinzu, in solchen Stellungen wurden die Juden erst recht con amore Juden sein. Wenn ich ihm nun recht denke, so meint er, daß sich aus solcher Staatsstellung die Gefahr ergeben würde, ihnen eine — Konspiration zn erleichtern. Von einem acl hoc bestehenden Verein, nennen mir ihn vielleicht „alliance israelite“, würden ihnen die Mittel bereit gehalten, sämtliche Fremdlinge, die heute nur parasitisch auf fremdem Boden ihr Dasein fristen, mit — „JudensliTten" zu bewaffnen und zu einem point de raillement zusammen zu blasen; dann könnten wir da unten, etwa weit in der Türkei die Völker aus einander schlagen sehen, in rnajorem äei gloriam und wie es geschrieben steht — Buch Moses 1, Kapitel 17,8. lieber ihre Anstellung besonders in christlichen Staaten, hält der Verfasser auch wegen der dem „Nationalcharakter" der Inden anhängenden bekannten Fehler, worunter eine wunderbare Abwesenheit alles dessen, was das Wort „veoneandia“ bedeutet (also Scham, Ehrfurcht, Rücksicht u. s. w. der hervorstechendste ist, für unratsam. So argumentiert ein deutscher Philosoph! Aber der Humor der Weltgeschichte fügt es, daß fast zur selben Zeit Thomas Babington Maeaulay (in der Sitzung vom 17. April 1833) durch die überzeugende Macht seiner Rede den Juden das Parlament von England und den Zugang zu den Staatsämtern erschloß, und Schopenhauer ist der Schmerz nicht erspart geblieben, beobachten zu können, wie das Verständnis für diesen Teil seiner Lehren, wenn es überhaupt jemals sehr rege war, schon bei seinen Lebzeiten gänzlich schwand. Er sah Fould und Eremieux als französische Staatsminister, und gegenwärtig gehören sie zu den Ausnahmen den Kulturstaaten, die den Juden ihre höchsten Aemter vorenthalten. Das wäre der Inhalt des § 132, und er resümiert seine Ansichten mit folgender Anekdote: „Ein englischer Jude kommt nach Lissabon, woselbst er zwei Männer in äußerster Rot und Bedrängnis antrifft, jedoch so, daß es in seiner Macht steht, einen von ihnen zu retten. „Persönlich sind ihm beide unbekannt, jedoch ist der eine ein Engländer, aber Christ, der andere Portugiese, aber Jude. Wen wird er retten? Ich glaube, antwortete der Verfasser, daß kein umsichtiger Christ, und kein aufrichtiger Jude über die Antwort im Zweifel sein wird." Möglich! Ta ihm aber, dem englischen Zuschauer nämlich, beide Bedrängte unbekannt waren, so meine ich, daß er gar nicht in der traurigen Lage war, sich auch nur eine Minute mit dieser müßigen Frage zn beschäftigen; er war vielmehr so glücklich, rein menschlich handeln zu können, und den zu retten, der zu retten war. — Setze ich aber den Fall, daß der englische Zuschauer ein Bruder — in Schopenhauer war, dem beide Bedrängte zwar unbekannt, der eine von ihnen aber ihm seinem Gesichtsschnitte nach, ein wenig verdächtig vorkam, welchen von beiden wird er, schon der Vorsicht halber, retten? Ich glaube, daß kein einsichtiger Jude und kein aufrichtiger Schopenhauerianer auch nur eine Minute darüber im Zweifel sein wird. (Ein Schlußkapitel folgt.) Leuilleton. Josef N«ljs>. Aus dem Ungarischen von Sam. Lobstein. Der letzte Aufschrei Miguez', der auch den Augen von Hyänen und Krokodilen Thränen erpreßt, Felsen zum Weinelr und Erzmonumente zum Schluchzen gebracht haben würde, stimmte Menschen zum Lachen. „So geschehe es dir, gottloser Ketzer," rief ein Mönch. „Joses, mein Kind!" waren Miguez' letzte Worte, aber auch die Antwort des Mönches war dessen letzte. Der Orkan, der in seiner Wut Berge erbeben machen und Meere gegen Himmel peitscht, ist ein leiser Hauch dagegen, was in der Brust Josefs wütete angesichts des väterlichen Aufschreies. Grenzenlose Wut und unsagbarer Schmerz durchtobte Josefs Brust beim Hohngelüchter des Mönches. Er war ganz außer Sinnen, er zitterte am ganzen Körper; seine Augen waren blutig unterlaufen und mit Tigerwut stürzte er sich aus den Mönch und dessen Haupt mit den Händen erfassend, schleuderte er es mit solcher Gewalt an

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