Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 4 (24.1.1896)
- Date
- 1896-01-24
- Page
- Seite 71 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4. Allgemeine 'Israelitisch» Wochenschrift. Seite 71. lische in Europa 156,0, in Asien. 8,5, in Afrika 1,2, in Amerika 57,0, in Australien 0,9, zusammen 223,6; Protestanten in Europa 86,0, in Asien 1,0, in Afrika 0,8, in Amerika 59,0, in Australien 3,1, zusammen 149,9; Griechisch-Orthodoxe in Europa 92,0, in Asien 6,0, in Afrika 0,03, zusammen 98,03; Armenier, Syrier, Malchiten, Kopier, Abessinier und sonstige christliche Sekten: in Europa 14,3, in Asien, 4,0, in Afrika, 3,0, in Australien 0,03, zusammen 21,33. Die Zahl der Juden beträgt: in Europa 5,5, in Asien 0,26, in Afrika 0,43, in Amerika 0,30, in Australien 0,015, zusammen 6,5. Mohamedaner giebt es: in Europa 5,75, in Asien 160, in Afrika 40, in Australien 0,025, zusammen 205,8. Noch größer ist die Zahl der Hindus und Sikhs, nämlich 207,4, so gut wie ausschließlich in Asien lebend. Das Gleiche gUt von den Buddhisten, Anhängern des Laotse und Kvnfutse und nahe verwandter Religionssysteme, ihre Gesamtzahl erreicht 430. Heiden giebt es in Asien 15, in Afrika 125, in Amerika 14, in Australien 1,6, in Europa 0,02, zusammen 155,6. Diese Ziffern sind natürlich bezüglich der Buddhisten in Asien und der afrikanischen Heiden ziemlich ungenau, bei letzteren beruhen sie lediglich auf Schätzung. Faßt man alles zusammen, so stehen rund 493Millionen Christen 1006 Millionen Nichtchristen gegenüber, so daß auch das Christentum noch nicht die Welt erobert hat. — Jüdische Lesehalle zu Berlin. Am 19. d. M. hat die erste Jahresversammlung des Vereins zur Erhaltung der „jüdischen Lesehalle" zu Berlin stattgefunden. Wir behalten' uns vor, über dieses gemeinnützige Institut gelegentlich ausführlicher zu berichten; vorläufig aber wollen wir unserer aufrichtigen Freude über das allmähliche Aufblühen dieser kulturell so wichtigen Anstalt Ausdruck geben. Die „jüdische Lesehalle" ist kaum ein Jahr alt, hat sich aber in der kurzen Zeit ihres Bestehens als nützlich, ja unentbehrlich bewährt. In den Räumen der „jüdischen Lesehalle" (Hotel „Münchener Hof", Ecke Kaiser- und Spandauer-Straße) sind sämtliche jüdische Organe in den verschiedensten Sprachen zu lesen (deutsch, hebräisch, französisch, russisch, polnisch, englisch, jüdischspanisch, jüd.-deutsch re), wie auch eine kleine, aber interessante Handbibliothek zur Verfügung der Besucher steht. Außerdem besitzt die „jüdische Lesehalle" eine im Anwachsen sich befindliche Bibliothek, aus der Bücher auch nach Hause verliehen werden. Der Besuch der Lesehalle, wie auch die Entnahme der Bücher ist unentgeltlich, und muß es als erfreulich bezeichnet werden, daß das Interesse für die Lektüre jüdischer Journale sich durch einen immer größer werdenden Besuch der „jüdischen Lesehalle" kundgiebt. Im allgemeinen kann man dieses Institut, das durch die Hochherzigkeit einiger für unser Geistesleben begeisterter Männer begründet worden ist, als eine Sehenswürdigkeit von Berlin bezeichnen. Das Sekretariat der Lesehalle befindet sich seit dem 1. Oktober v. Jahres in bewährten Händen, während das Konnte, an dessen Spitze der bekannte und verdienstvolle Historiker- Pros. Dr. Philippson steht, mit der größten Opferwilligkeit für die Förderung der Lesehalle thätig ist. Fast halten wir es für überflüssig zu betonen, daß es für jeden wohlhabenden Juden in Berlin ein Ehrenpunkt ist, dieses so überaus gemeinnützige Unternehmen kräftigst zu unterstützen. — <1. — Zur Moralftatistik. Aus den jüngsten statistischen Tabellen über Indien ergiebt sich, wie der „Frankfurter Zeitung" mitgeteilt wird, folgende Zusammenstellung über das Verbrechertum. Es kommt: 1 übersührter Verbrecher auf 274 Europäer, 1 übersührter Verbrecher auf 509 Euro- Asiaten, 1 übersührter Verbrecher auf 1361 Hindu-Brahmanen, 1 übersührter Verbrecher aus 3787 Buddhisten. Es ist also um die Moral und Sittlichkeit der Buddhisten ungefähr vierzehnmal so gut bestellt als um die der Christen. Ganz besonders interessant sind die drei ersten Zahlen. Weitaus am tiefsten steht die Moral der richtigen Christen — der Europäer, in denen das Christentum mit der Vererbung durch viele Menschenalter hindurch festgewurzelt ist. Mit der Moral der aus der Ehe von europäischen Christen und Asiaten hervorgegangenen Mischlinge, der sogenannten Euro- Asiaten, steht es schon beinahe doppelt so günstig, während die in Indien geborenen, also dem Einfluß der heidnischen Umgebung von Jugend an überlieferten Christen eine fast dreimal so gute Moral haben als die europäischen Christen.^ „Angesichts solcher Ziffern, die übrigens nicht neu sind, begreift man, warum die Hindus, wie von allen christlichen Missionaren in Indien bezeugt wird, den Wert des Christentums, welches für das Handeln seiner Bekenner so wenig bestimmend ist, sehr niedrig veranschlagen," fügt der Korrespondent der Franks. Ztg. hinzu. — „A. A. A." Der Leser stockt; er weiß nicht, was soll des bedeuten. Und doch ist es nichts geringeres, als die Flagge, unter der hinfort die „Partei" Ahlwardts jenseits des großen Wassers segeln soll und bedeutet „Amerikanische Antisemiten-Association". Die A. A. A besteht zwar vor der Hand nur aus einem Klub, der Klub hat zwar vorläufig noch keine Mitglieder, aber jene hat einen Führer — Ahlwardt, und dieser einen Vorsitzenden — Groß mit Namen, und das genügt für den Anfang. Das Licht, das in Ridgewood und Pickleville aufgegangen, soll danach in alle Lande getragen werden, lieber die letzte Sitzung der A. A. A. schreibt uns unser New.-Porker 8t-Korrespondent: Der gestrigen Versanunlung wohnten etwa 150 Menschen bei, und nur wenige Opponenten des „Hepp-Hepp"-Agitators machten sich durch Zwischenrufe bemerkbar. Nicht-Arier hatten sich nur wenige eingefunden. Der vom Vorsitzenden Groß vorgestellte Rektor trat mit Emphase der Kabelnachricht entgegen, daß seine Tochter in Berlin sich mit einem getauften Juden verlobt, ohne jedoch eine weitere Erklärung über den Gegenstand zu geben. Nachdem er so seinem gekränkten Vaterherzen Luft gemacht, steuerte er wieder auf sein beliebtes Thema los. Gestern „kaufte" er sich die jüdischen Gelehrten, Künstler und Musiker und kam natürlich zu dem Befund, daß die von ihnen erschlossenen geistigen Schätze ebenso wie bei ihren Genossen vom Handelsstande, alles „gestohlene Ware" seien. Spinoza stahl Giordano Bruno's Gedanken, Meyerbeer annektierte seine Musik von berühmten Vorbildern u. s. w. — Daß er diese lächerliche Hypothese aus dem Antisemiten- Katechismus von Fritsch gestohlen — das vergaß A. der A. A. A. zu sagen. — Ein Elberfelder Blatt teilt übrigens mit, daß Ahlwardt nicht wieder aus Amerika zurückkehren werde. Er soll Deutschland schon von Anfang an mit der festen Absicht verlassen haben, „drüben" für sich „und für einen noch nicht mit Namen zu nennenden Freund" eine Stellung zu suchen. Das hinderte ihn natürlich nicht, sein Reichstagsmandat beizubehalten und um Urlaub nachzusuchen. Ahlwardt werde in Amerika eine Stellung als Redakteur antreten und sich ins Fäustchen lachen, während seine Gläubiger lange Gesichter machen werden.