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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-17 · 3 (17.1.1896) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
3 (17.1.1896)
Date
1896-01-17
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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Seite 88. Allgemeine MraelitischCWochenschrift. Nr. 8. innern nur an den edlen Gabriel Rießer, dessen Zlameu genannt wird, wenn man die der besten Männer Deutschlands nennt, und an unzählige andere, welche mit allerKraft ihres geistigen Könnens für dieses Ideal gekämpft haben. Am heutigen Tage wollen wir nicht an die trüben Erscheinungen der jüngsten Zeit erinnern; wir wollen die Worte des weisen biblischen Schriftstellers befolgen: Am Tage der Freude sei festlich und froh gestimmt. Wir hoffen auch, das; diese schlimmen und traurigen Erscheinungen, welche den deutschen Rainen schänden, denn doch einmal von der Bildfläche des deutschen Vaterlandes verschwinden werden. Komme aber, wie es komme, — mögen viele die deutschen Juden als die Stiefkinder in ihrem Vaterlande betrachten und auch behandeln — die deutschen Juden werden Deutschland nie als ihr Stiefvaterland betrachten, sie werden stets bereit sein, für Kaiser und Reich Gut uud Blut zu opfern. Ilnd so feiern wir morgen diesen großen Dag, den Verstorbenen zum ruhmvollen Andenken, den Lebenden zur liebevollen Erinnerung, den Zukünftigen zum opferwilligen Nacheifer. Deutschlands Ehre möge stets das Ziel aller seiner Söhne bilden, der Mittelpunkt, der uns alle vereint! Was lall aus hem Labbat werben? Die Gefahren, die das Judentum heutzutage mehr von innen als von außen bedrohen, sind so groß und zahlreich, wie kaum zu irgend einer anderen Zeit unserer Vergangenheit. Die Klagen über JndifferentismuS gegen die Forderungen der Religion, über Unkenntnis unserer Geschichte, über Mangelhaftigkeit des Religionsunterrichts uud über so vieles andere und gewiß voll berechtigt, und die Mittel durch Litteratur-Vereine, durch Vermehrung der Zahl der Religionsstunden, ja selbst durch Umformung und Beseitigung von Gebetffücken in unserem altehrwürdigen Gebetbnche haben noch ihre Heilkraft zu beweisen. Einen wunden Punkt in unserem religiösen Leben und zwar den wundesten umgeht man mit ängstlicher Scheu, und die Frage: was soll aus unserem Sabbat, und dann was soll aus dem Judentum ohne Sabbat werden, wenn die Zahl der Geschäfte, die ihn durch Arbeitsenthaltung heiligen, von Dag zu Tag abnimmt, hat noch nicht die gebührende Beachtung gefunden, ist kaum ausgeivorseu. llnd doch ist das unverkennbar die traurigste Erscheinung der Gegenwart, die jeden ernstdenkenden Juden mit Sorge und Betrübnis erfüllen muß, und hier müßten die Hebel angesetzt werden, um den Sabbat, den teuersten Schatz des Judentums, zu retten. Wer kennt nicht die Blühe und '.Kot jüdischer frommer Eltern, wenn es sich darum handelt, für ihre Kinder eine Lchrlingsstelle zu finden, wo sie am Sabbat von Arbeit befreit sind, und wie mancher Vater und wie manche Mutter steht sich schließlich gezwungen, blutenden Herzens, die Einwilligung zur Annahme einer Stelle zu geben, wo Sabbatentheiligung und -Entweihung zur Bedingung gemacht ist. Wir dürfen diesen Zuständen gegenüber unsere Augen nicht verschließen und nicht glauben, daß durch llebersehen und mit Stillschweigen Uebergehen der Sache genützt wird, vielmehr ist eine offene, freimütige Besprechung hier vor allem angczeigt, vielleicht zeigt der eine oder der andere einen Weg, der zur Rettung des heiligen Gutes führt. Es ist ein trauriger Drost, daß nicht bei uns in Deutschland allein diese Klagen erhoben werden muffen, sondern daß auch aus England, wo bis vor kurzem der Sabbat in den Geschäften streng gehalten wurde, derselbe Notschrei gehört wird und eine politische Zeitung von der Bedeutung des Globe vor kurzem zu einer Anslassnng veranlaßt hat, die eine ganze Predigt aufwiegt und die vielleicht auch auf deutsche Firmen zutreffend ist. Unter der Ueberschrift: cke>v8, the City and tlu- Sabbat bringt sie einen Artikel, in welchem sie auf einige in der .lowisli Chronicle erschienene Briefe Bezug nimmt. „Tie Schwierigkeit," sagt sie, „in der Eity sitr junge Leute Stellungen zu finden, in welcher sie ihre Sabbate feiern können, nimmt von Tag zu Tag zu und wird sehr ernst. In frühere» Zeiten war kein Mangel an Plätzen selbst in den achtbarsten jüdischen Firmen, sie gemährten ihren Lehrlingen alle denk baren Erleichterungen, die religiösen Vorschriften zu beobachten, aber ihre Zahl ist stetig in Ahnahme begriffen und ist bereits eine verschwindende Minorität. Es ist sogar zuweilen Juden unmöglich, eine Anstellung bei ihren Glaubensgenossen zu er langen, gleichviel ob sie am Sabbat arbeiten wollen oder nicht. Durch ein solches Verfahren laden jüdische Arbeitgeber eine schwere Verantwortung aus sich, denn wenn sie die religiösen Vorschriften unberücksichtigt lassen, so darf man nicht erwarten, daß christliche Lehrherren und Meister sich entgegenkommender zeigen sollen. Es liegt uns jedoch fern, eine Predigt über diesen Gegenstand zu schreiben, diejenigen, die in dieser Weise handeln, würden am wenigsten ans nnsere Ermahnungen hören, da sie aber wahrscheinlich nicht taub sind gegen den Hinweis auf ihr eigenes Interesse, möchten wir sie daraus aufmerksam machen, daß dieses AuSschließungssvstem von keinem Gesichtspunkte aus als klug bezeichnet werden tan». Angestellte werden um so eifriger und pflichttreuer sein, wenn ihnen in diesen Zeiten der Anstrengung aller Kräfte und der Abarbeitung der Genuß eines Tages der Erholung geivährt wird. Das ist eine der Wahrheiten, deren Erkenntnis sich in der Geschäftswelt immer mehr Bahn bricht. Es ist natürlich, daß jüdische Firmen gleich anderen ihren Vorteil so weit wie möglich auszunützen suchen, aber selbst ivenn sie kein höheres Streben haben, so»mögen sie bei dieser Versuchung, den Sabbat in der Jagd nach Reichtum aufzugeben, wohl beachten, daß einige der reichsten Häuser der Vergangenheit und Gegenwart von den kleinsten Anfängen an aufge baut worden sind auf dem System, das Geschäft an Sabbaten und Festtagen streng geschlossen zu haben. Etz war auch damals nicht bequem, aber es mußte geschehen, und es geschah, und das Geschäft kam zur hohen Blüte. Sobald von diesem Grundsätze abgewichen wurde, folgte nicht, wie man erwartet hatte, Zunahme des Reichtums sondern das Gegenteil trat ein. Das sind Thatsachen; Beweise hierfür kann sich jeder selbst erbringen; es ist jammerschade, daß sie von den jüdischen Geschäftshäusern vollständig übersehen werden." So weit der Globe, dem wir nichts hinzufügen wollen als den Ausdruck des tiefen Bedauerns, daß Juden von Nichtjuden eine solche Strafpredigt sich müssen halten lassen. Deut. XXXI1, 81. Dr. S. K. * •' * 44 47

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