Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 3 (17.1.1896)
- Date
- 1896-01-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mo. 3. Jahrgang V. Iltzem er n e Jerkn, >7. Januar 18S« Lmlilis« Nebst einer wissenschaftlichen Beilage „Deschurun Herausgeber: A. kevin. Gveu und frei! Redaktion u. zierlag: Gr. Kambnrgerstrake 21. Keöffnet werktäglich von S—12. Bezugspreis vierteljährlich: Inland Mk. 2,00. * Ausland Mk. 2,50. Sost-Zeitungskiste Nr. 108. Die „ZSochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 16 Seiten <2 Lagen), der „Jeschurnn" am Schlüsse jeden Monats mindestens 8 Seiten () Logen) stark- Zu beziehen durch die Post (Zeitnngsliste pro 1896 Nr. 168) oder unsre Expedition. Änzeigen werden mit 2.1 IKg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Lei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unser Bureau nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Jntjrtli: Znm 18. Januar. Was soll aus dem Sabbat werden r Lon Dr. S. .st. Freitag-Abend-Feier. Die st leingemeinden.!l. Was ist uns BörneBon Dr. I. Rieinirower. stunni cuique. III. Die Inden und ihr Einfluß ans die Heilkunde. Der Wohlthäter- Bon S. B- Zahn nm Zahn. (Schluß.) Wochen-Ehronik. — Briefu. Fragekasten. — Anzeigen. Hm 18. Januar. Die deutsche Nation feiert morgen die Erinnerung an einen glorreichen Dag, der ein goldenes Blatt in der Geschichte Alldeutschlands ansfüllt, die Erinnerung an den 18. Januar 1871, in welchem der greise siegreiche Preußenkönig Wilhelm 1. die deutsche Krone aus sein Haupt gesetzt und in seiner Proklamation für sich und seine Nachfolger auf dem Throne das feierliche Gelöbnis ausfprach, „allezeit ein Mehrer des Reiches zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens, auf dem Gebiete uationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung". Erfüllt war der Traum, den die Besten der deutschen Nation geträumt, erreicht war nach heißen Kümpfen das Ziel, für welches die Edelsten der deutschen Söhne gekämpft und geblutet hatten. Der 18. Januar 1871 bildet einen ereignisreichen Tag in der Geschichte, jener Moment, in dem ein preußischer Fürst im Spiegelfaal des KönigSfchloffeS zu Versailles die deutsche Krone aus sein Haupt setzte und das zerstückelte ohnmächtig gewordene Reich wieder zu altem Ansehen und zu altem Glanz brachte. 'Nach drei siegreichen Feldzügen, nach unzähligen Schlachten war dies Einigungsmerk den deutschen Stämmen gelungen, und inmitten dieser in der Geschichte fast beispiellos dastehenden Siege stand der wahrhaft fromme, gottesfürchtige Monarch, der greise Führer seiner siegreichen , Truppen, und gelobte für die Zukunft den Frieden zu wahrtm! In der That, es ist eine patriarchalische Gestalt, an die wir heute erinnert werden. Selten hat ein gütiges Schicksal so viel des Glückes und des Erfolges einem Sterblichen zugeführt; aber selten auch ist es einem Sterblichen vergönnt gewesen, trotzdem Maß zu halten, in kindlicher und aufrichtiger Demut vor Gott zu bleiben, besäieiden zurücktretend vor den genialen Leitern seiner siegreichen Armee und dem großen Leiter der deutschen Politik. Dieses Fest vom 18. Januar kann jeder Menschenfreund mit ungeteilten Gefühlen feiern; es gilt nicht dem Andenken eines blutigen Krieges, es feiert nickt die Niederlage eines Feindes, es darf niemand verletzen — denn es gilt nur dem Andenken an das nach so vielem Sehnen und nach so vielen heißen Kümpfen wiedererstandene deutsche Reich! Es gilt dem Andenken der großen Männer, welche dieses nationale Werk zu schaffen mitgemirkt haben, vor allem dom des sympathischen, edlen Wilhelm I. In diesen Tagen kennt man keinen Unterschied der Konfessionen; in jedem deutschen Gotteshaus, ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses seiner Besucher, werden morgen Lob und Dank an den Lenker der Völkergeschicke ertönen. Die Juden, welche in ihren patriotischen Gefühlen dem andern Teile der deutscheu Bevölkerung nicht im mindesten nachstehen, werden mit demselben gehobenen Gefühl der Freude des 18. Januar 1871 gedenken, wie es jeder Deutsche in diesen Tagen empfindet. An den blutigen Kämpfen für Alldeutschland haben Juden teilgenommen, für die Größe und den Ruhm des deutschen Vaterlandes ihr Blut auf verschiedenen Schlachtfeldern vergossen, und selbst in jener Zeit, als es in Deutschland als ein Verbrechen galt, für Deutschlands Größe und Deutschlands Einheit einzutreten, haben jüdische Patrioten mit den größten Opfern ihrerseits für den Gedanken der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches gewirkt. Wir er-