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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-10 · 2 (10.1.1896) · p. Seite 32

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
Seite 32 (sequence 12)
Language
German
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Seite 82. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr 2. zu klein, um die Zahl derer, die sich zur Teilnahme gemeldet hatten, aufzunehmen, so daß vielen ein Plätzchen nicht mehr an- 'f gewiesen werden konnte. Die wieder- und neugewählten Gemeindevertreter waren als Ehrengäste fast vollzählig er .schienen und von den bekannten Wortführern des Vereins fehlte kein einziger. Nicht ein Siegesfest war es, das der Verein feierte, die Feier eines folchen Festes wäre unjüdifch, es sollte nur ein gemütliches Beisammensein diejenigen vereinigen, die in einem ungemütlichen Wahlkampfe mit- und nebeneinander gewirkt haben. Und dieses Ziel wurde erreicht: ein Ton ungetrübter Harmonie durchzog den Abend, und klang auch die Erregung des jüngst beendeten geistigen Kampfes aus der einen oder anderen Tischrede heraus, so folgten ihr Worte des Friedens und der Versöhnung sogleich nach. Am Sonnabend kamen sie zusammen, am Sonntag kehrten sie heim, um am nächsten Dienstag in einer großen Wählerversammlung einander miederzusehen. — Die Wissenschaft des Judentums blüht in Berlin! Wer das nicht glaubt, wer besonders unsre wiederholte Klage über die Dekadence auf diesem wie auf jedem anderen Gebiete widerlegen will, der sehe sich das Programm an, das vom Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums für den diesjährigen Vortragscyklus zum Besten des Stipendienfonds dieser Anstalt aufgestellt wurde, aufgestellt werden mußte, weil ein anderes nicht aufgestellt werden konnte. Sechs Vorträge sind in Aussicht genommen, unter diesen sechs befinden sich vier über folgende Themata: 1. Ueber den Ursprung des Krieges 1870; 2. Ueber den „Franz" des Herrn Franzos; 8. Ueber die Entwickelung der Elektrotechnik; 4. Ueber die Frage/was uns Juden der Apostat und Feind alles Jüdischen Ludwig Börne ist? Freilich, es sind meist Professoren, die über diese das Judentum und besonders die Judenheit tief bewegenden Fragen sprechen werden, allein wir zweifeln, daß sich Sextaner in genügender Anzahl als Zuhörer einfinden werden. — Vorstehendes war schon geschrieben, als wir von einem Leser folgende Zeilen erhielten, die wir nicht unterdrücken wollen. Er schreibt: „Seit Jahren veranstaltet das Kuratorium der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" alljährlich sechs Vorträge zu Gunsten des Stipendienfonds der Hörer an der bezeichneten Anstalt. Ueber den Zweck ließe sich noch so manches sagen — die Mittel waren aber jedenfalls gut, denn wir hatten dadurch Gelegenheit, Vorträge auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Litteratur zu hören. Es war dies eine angenehme Abwechselung, da wir sonst das ganze Jahr hindurch in den Synagogen mit Phrasen gefüttert werden. Letzthin lese ich in Ihrem gesch. Blatte, daß von den sechs üblichen Vorträgen vier folgende Themata behandeln: 1) „Ueber den Ursprung des Krieges 1870" (ich habe bereits die Darstellung von Sybel, die Replik von Delbrück gelesen; der Gegenstand ist hochinteressant, hat aber nichts im mindesten mit der jüdischen Wissenschaft zu thun). 2) „Mein Franz", Novelle in Versen. 8) „Die Entwickelung der Elektrotechnik." 4) „Was ist uns Börne?" — In der That, was ist uns Börne? In der letzten Zeit hat man im Judentum eine große Vorliebe für Apostaten entdeckt. Wie wäre es, wenn unsere Rabbiner gelegentlich auch einen wissenschaftlichen Vortrag halten wollten, da sie doch alle bekanntlich auf der Höhe der Wissenschaft stehen? Sie schreiben so viel in Ihrem Blatte über den Niedergang des geistigen Lebens in Israel. Die sprechendste Illustration dafür fand ich in eben dem genannten Verzeichnis der Vorträge. Thäten die Juden vielleicht nicht besser daran, die Bude überhaupt zu schließen, da doch alles tot und begraben ist? Vielleicht entschließt sich einer der Herren, über dieses Thema einmal einen Vortrag zu halten?" -u — Der Verein für Arbeitsnachweis, über dessen Gründung und Tendenz wir schon berichtet haben, hat sein Bureau im Hause Klosterstr. 44 eröffnet. Restektanten müssen sich persönlich unter Vorlegung von Zeugnissen in den Geschästsstnnden (9—1, 8—6) melden. — Ahlwardt in Amerika. Aus den neuesten ^Nachrichten über das Austreten Ahlwardts in Amerika ergiebt sich (der „Magd. Ztg." zufolge), daß seine Niederlage die denkbar größte ist. Bekanntlich hatten sich zur ersten Versammlung Ahlwardts in Nem-Pork nur 200 Personen eingefunden; der Eintrittspreis betrug 50 Cents, die Saalmiete aber 250 Dollars. Ahlwardt hatte also ein ganz gehöriges Defizit. In Brooklyn ging es ihm noch schlechter, da er überhaupt keinen Saal bekommen konnte. In Jersey City erhielt er zwar einen Saal, aber, obgleich er den Eintrittspreis aus 25 Cents herabsetzte, fanden sich im ganzen nur 125 Personen ein- Ahlwardt hatte eine große Rundreise nach dem Westen angekündigt, aber aus ihr kann nichts werden, da er kein Reisegeld besitzt. Jetzt hat der Rektor a. D. Mitteilen lassen, daß er vorläufig in New-Pork bleiben und erst nach Gründung der antisemitischen Organisation nach dem Westen abreisen werde. Damit hat es natüriich gute Wege. — Lehrerbund. Im Anschluß an unsere Mitteilung über die konstituierende Versammlung des Verbandes jüdischer Lehrervereine haben wir zunächst einen Schreibfehler zu berichtigen, den der aufmerksame Leser wohl von selbst herausgefunden haben wird. Der Vorsitzende der Versammlung, Herr Dr. Minden, sprach in der Einleitung nicht von dem allergnädigsten „Verhalten", sondern von dem allergnädigsten „Wohlwollen", das Se. Majestät jederzeit der Schule bewiesen habe. Die vollständige Liste der Delegierten ist die folgende: Hauptlehrer Herbst-Lissa und Lehrer Becker-Wollstein für den Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzcn; Lehrer Bernhard-Tarnowitz für die freie Vereinigung der jüdischen Lehrer Oberschlesiens; Lehrer Eppstein - Hoppstädten für den Verein jüdischer Lehrer Südwestdeutschlands; Lehrer Fröhlich-Weilburg für den Verein nassauischer Lehrer; Rabbiner Dr. LazaruS- Eöln und Lehrer Goldschmidt-Eöln für den Verein der Rabbiner und Lehrer der Rheinprovinz, Dr. Neustadt-Breslau und Rabbiner Dr. Baehr-Prenzlau für den Reichsverband jüdischer Religionslehrer; Rektor Dr. Adler-Berlin für die Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin; Lehrer Stern-Hildesheim und Blumenfeld-Adelebsen für den Verein jüdischer Lehrer in Hannover; Lehrer Amram-Borken und Gutkind-Cassel für den jüdischen Volksschullehrerverein Hessens; Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau und Dozent Dr. Brann-Breslau für den Verein jüdischer Lehrer in Schlesien und Posen; Prediger Liepmannssohn-Minden und Lehrer Lern-Neuß für den Rheinisch-Westfälischen Verein jüdischer Lehrer: Lehrer Steinhardt-Magdeburg für den Verein jüdischer Lehrer Mitteldeutschlands; Hauptlehrer Levy-Norden für den Verein jüdischer Volksschullehrer des Bezirke^ Emden-Oldenburg; Direktor Dr. Barnaß-Psungstadt und Lehrer Wertheimer-Heldenbergen für den Verein jüdischer Lehrer des Großherzogtums Hessen. Die Leitsätze, wie sie nunmehr aus den Beratungen hervorgegangen sind und die Grundlage des künftigen Statuts bilden sollen, lauten wie folgt:

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